Auch Captain's müssen brav sein

Auch Captain's müssen brav sein

von T'Len (2003)
tlen2@freenet.de



Serie: TOS
Paarung: K/S
Code: PG-13
Feedback: hier oder an tlen2@freenet.de
Summe: Jim bekommt, was er verdient.

The TOS Twins and Friends: http://tostwins.slashcity.net
Star Trek, M*A*S*H, Sherlock Holmes, Karl May, Unser (T)Raumschiff, Die Schöne und das Biest
Unsere Zines, Links und mehr.

Disclaimer: Leider gehören mir die Jungs und Mädels nicht. Ich habe sie nur für ein bisschen Fanfiction-Spaß ausgeborgt. Damit sollen keine Urheberrechte verletzt werden. Und natürlich wird damit nichts verdient. Beachtet die Altersangabe und geht wo anders spielen, wenn ihr zu jung seit oder euch am Thema stört.

Vielen Dank an Lady Charena fürs Beta.


Vorführerisch zog der Duft von Tannennadeln - sie hatten den Baum heute Nachmittag geschmückt - und von Plätzchen - Mama hatte vor einigen Stunden noch gebacken - durchs Haus, als Klein-Jimmy vorsichtig im Dunkeln die Treppe hinunter tappste. Eigentlich sollte er längst im Bett liegen und schlafen, doch wer konnte am Weihnachtsvortag schon schlafen. Zumal er es vorhin hatte poltern hören. Das war bestimmt der Weihnachtsmann gewesen, der sein Geschenk gebracht hatte. Er liebte doch so sehr Geschenke. Nun wollte er unbedingt nachsehen.

"James T. Kirk, du bist nicht artig gewesen!" Die polternde Stimme ließ ihn zusammenzucken.

Captain Kirk drehte sich im Bett auf die andere Seite und blinzelte, als die letzten Reste des Traumes - eine nette Erinnerung an seine Kindheit zu Hause auf der Farm in Iowa - von ihm abfielen. Die polternde Stimme, so stellte er fest, war nicht Bestandteil seines Traumes gewesen, sondern gehörte zu jener rotbemützten, weißbärtigen Gestalt, die er in der schwachen nächtlichen Beleuchtung vor seinem Bett stehend ausmachen konnte.

Roter Mantel? Weißer Bart? Das kam ihm doch irgendwie bekannt vor? Der Weihnachtsmann! Der Weihnachtsmann stand vor seinem Bett? Unmöglich! Er musste immer noch träumen. Den gab es doch gar nicht. Und er war schon lange dem Alter entwachsen, an dem er etwas anderes glauben würde.

"Licht an!", befahl Jim. Doch die Gestalt verschwand nicht als es heller wurde, allerdings kam sie ihm nun vage vertraut vor - ragten da nicht geschwungenen Augenbrauen unter der roten Mütze hervor?

"Spock, bist du das?", fragte Jim verwirrt.

"Ich bin der Weihnachtsmann", betonte die Gestalt und Jim war sich trotz verstellter Stimme sicher, den Vulkanier vor sich zu haben. Wer sonst hätte auch das nachts unbemerkt in seine Kabine kommen können, durch verschlossene Türen (nur die zum Bad, das seine und Spocks Kabine verband, stand offen) und ohne Alarm auszulösen? Außerdem dem wahren Weihnachtsmann natürlich - und den gab es nicht. Punktum!

"Was soll die Maskerade?", fragte er ungehalten. Er wusste ja, er hatte Spock geraten, sich mehr mit irdischen Bräuchen zu beschäftigen, aber musste er gleich so übertrieben? Und wo im Himmelswillen hatte er das Kostüm aufgetrieben?

Der Weihnachtsmann zog ein Buch aus seinem Sack. Sogar einen Sack hatte er, alle Achtung. Jim begann widerwillig Spocks Einfallsreichtum und Originaltreue zu bewundern. Aber musste er ihn deswegen mitten in der Nacht wecken? Der morgige Tag hätte es doch auch getan, wenn er schon den Weihnachtsmann spielen wollte. Er war wirklich erschöpft von all den Dingen, die unbedingt noch in diesem Jahr erledigt werden mussten - namentlich viel zu lange aufgeschobene Berichte. Und morgen - oder schon heute, bestimmt war es längst nach Mitternacht Bordzeit - war die Weihnachtsfeier der gesamten Crew. Ein Ereignis, für das Jim sich immer persönlich verantwortlich fühlte, immerhin waren die Feiern der Enterprise legendär - und das sollte auch so bleiben.

Also wollte er das ganze etwas beschleunigen. "Hast du mir auch etwas mitgebracht, Weihnachtsmann?" fragte er und in seinen Augen funkelte es für einen Moment. Er liebte Geschenke, das musste er zugeben.

"James T. Kirk, du bist im letzten Jahr nicht immer brav gewesen", polterte der Weihnachtsmann.

"Ach ja?", fragte Jim zurück. "Zum Beispiel?"

Der Weihnachtsmann blätterte in seinem Buch. "Du hast deinen t'hy'la beschämt, indem du mit fremden Frauen flirtetest."

"Hey, das war nur im Sinne unserer Missionen", verteidigte sich Jim. "Da ist nie etwas passiert. Und warum sagst du es nicht einfach, wenn du eifersüchtig bist."

"Du hältst dich nicht an deine Ernährungspläne", fuhr der andere fort, ohne auf seinen Einwurf zu reagieren.

"Steckst du mit Pille unter einer Decke?", fragte Jim zurück.

Wieder ohne Antwort. "Du hältst dich nicht immer an die Vorschriften der Föderation und der Sternenflotte."

Jim verdrehte wortlos die Augen.

"Du bringst dich gern unnötig in Gefahr, und ängstigst damit deine Freunde."

"Schon gut, schon gut", wehrte er ab. "Ich habe verstanden. Lass uns die Sache hinter uns bringen. Was willst du? Soll ich ein Gedicht aufsagen? Ein Lied singen?"

"Du verdienst die Rute", kam es polternd zurück.

Und ehe Jim sich versah, war sie auf seinem Rücken niedergesaust - mit einem kräftigen Schlag.

Er sprang aus dem Bett. "Aua! Jetzt reicht es aber. Du übertreibst Spock."

"Ich denke, mehr als ein Schlag wäre angemessen für deine Vergehen."

Erneut wurde die Rute gehoben. Jim wich an die Wand zurück. "Genug", knurrte er. "Oder soll ich daraus einen Befehl machen, Mr. Spock?"

"Ich bin der Weihnachtsmann, ich nehme von niemandem Befehle an", erwiderte sein gegenüber indigniert.

Jim seufzte. "Du übertreibst wirklich, Schatz", bemerkte er süffisant. "Also gut, was willst du, damit ich endlich meine Ruhe bekomme?"

"Versprichst du dich zu bessern?", fragte die tiefe Stimme.

Jim nickte. "Ich verspreche es."

"Gut, du hast auch viel Gutes getan für deine Leute und andere. Dir sei vergeben, aber sei gewarnt, ich beobachte dich."

"Jaja, schon gut", murmelte Jim.

"Dann sollst du dein Geschenk haben." Der Weihnachtsmann kramte erneut im Sack.

Als Jim das Päckchen entgegennahm, konnte er seiner Neugier nicht widerstehen. Geschenke liebte er noch immer. Ungeduldig entfernte er Schleife und Verpackung, hielt dann ein antiquarisches Buch in Händen, das er sich schon lange gewünscht hatte.

"Spock, ich danke..." Jim blickte auf und unterbrach sich. Seine Kabine war leer.

///

"Also du warst wirklich ein überzeugender Weihnachtsmann, Schatz. Du solltest bei der Feier auftreten. Aber den Schlag mit der Rute könnte ich dir fast übel nehmen", sagte Jim, als Spock fünf Minuten später durch die Verbindungstür seine Kabine betrat. Er trug nun die schwarze Robe, die ihm so gut stand, wie Jim fand. Er sah darin noch mehr sexy aus als üblich.

"Weihnachtsmann? Ich verstehe nicht?" Spock hob überrascht beide Augenbrauen.

"Ach komm', tu' nicht so. Ich habe dich erkannt." Jim kletterte aus dem Bett, umarmte Spock und küsste ihn. "Vielen Dank für das Buch. So ein wertvolles Geschenk wäre doch nicht nötig gewesen."

Spock blickte noch immer irritiert auf das Buch, dass auf Jims Nachttisch lag. "Ich habe dir das nicht geschenkt", sagte er. "Ich wollte dir mein Präsent erst nach der Feier geben."

"Nicht?" Nun war auch Jim etwas verwirrt. Das Buch war eindeutig da, er konnte das Ganze nicht nur geträumt haben. Und wer sollte es sonst gewesen sein? Pille? Unmöglich, der Arzt hätte sich nach spätestens zwei Minuten vor Lachen verraten. Ein anderes Crewmitglied? Nein, bestimmt nicht. Es musste Spock gewesen sein, Punktum. Nur wollte er offensichtlich das Ganze bis zum Schluss durchziehen.

"Schatz, es ist wirklich süß von dir, dass du mir mit irdischen Weihnachtsbräuchen eine Freude machen willst. Du kannst es ruhig zugeben."

Spock schüttelte den Kopf. "T'hy'la, ich versichere dir, ich bin bis vor exakt 5,67 Minuten im Labor gewesen. Der Bordcomputer wird das bestätigen können. Danach kehrte ich auf direktem Wege in meine Kabine zurück, kleidete mich um und kam zu dir. Ich habe dir dieses Buch nicht geschenkt und ich war vorher nicht in dieser Kabine."

Jim starrte ihn an. Spock klang so überzeugend. Und Vulkanier logen doch angeblich nicht. Oder? "Du warst wirklich nicht hier? Als Weihnachtsmann verkleidet?", fragte er.

"Nein."

"Aber wer war es dann?", grübelte Jim. "Es wird doch nicht tatsächlich... nein, unmöglich... oder doch? Der Weihnachtsmann? In echt?"

"Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als eure Schulweisheit sich träumen lässt", zitierte Spock. Und in seinen dunklen Augen glitzerte es für einen Moment verdächtig, als er Jim in die Arme nahm und küsste.

Ende

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