Bruderliebe

Bruderliebe

von T'Len (2004)
tlen2@freenet.de



Serie: Laurie R. Kings Holmes/Russell Bücher
Altersangabe: PG-13
Paarung: Mahmoud/Ali resp. Marsh/Alistair
Code: Russel POV
Hinweis: Die Handlung spielt innerhalb des Romanes Justice Hall
Feedback: tlen2@freenet.de
Beta: Vielen Dank an Lady Charena fürs Beta.
Archiv: FFP, GSSU, andere bitte fragen
Summe: Marshs Fiebertraum

Disclaimer: Leider gehören mir die Jungs und Mädels, die in dieser Story verwendet wurden, nicht. Ich habe sie nur für ein bisschen Fanfiction-Spaß ausgeborgt. Damit sollen keine Urheberrechte verletzt werden. Und natürlich wird damit nichts verdient. Beachtet die Altersangabe und geht wo anders spielen, wenn ihr zu jung seit oder euch am Thema stört.


"Ali, Liebster." Dieser gestöhnte Satz brachte mich dazu, das Buch, in dem ich gelesen hatte, beiseite zu legen und wieder nach meinem zeitweiligen Patienten zu schauen. Er warf sich unruhig in seinem Bett hin und her, Fieberschweiß glänzte auf seiner Stirn. Ich wischte ihn ab, dabei zärtlich über sein feuchtes Harr streichend. "Ali", flüsterte er erneut den Namen seines Geliebten.

Geliebter! Erneut dachte ich über William Maurice Hughenfort, genannt Marsh, den nun siebten Duke of Beauville und neuen Herrn über Justice Hall, mir besser bekannt als Mahmoud, der beduinische Schreiber und Spion für Mycroft Holmes, mit dem ich vor fünf Jahren mehrere Wochen lang durch Palästina gewandert war, nach, oder besser gesagt, über die Art seiner Beziehung zu seinem "Bruder" Ali in unserem Land besser bekannt als Alistair Gordon St. John Hughenfort, Herr von Badger Old Place und Marshs entfernter Cousin.

"Ali", dem Namen folge irgendetwas gemurmeltes auf Arabisch, das ich als eine Bitte ihn nicht allein zulassen übersetzte.

Als ich den beiden zum ersten Mal begegnete, war ich gemeinsam mit meinem damaligen Mentor und heutigen Ehemann Sherlock Holmes aus England geflohen, einen ungelösten Fall hinter uns lassend, der sich als eine Bedrohung für unser beider Leben erwiesen hatte - nur um gleich in einen neuen zu stolpern, der ein Komplott gegen den Kriegshelden Allenby und die Leute, die versuchten Frieden im heiligen Land zu schaffen, enthielt. Ich hatte sie als das angesehen, was sie ihrem Auftreten und Aussehen nach zu sein schienen: zwei arabische Strolche. Es war Holmes, der mich darauf hinwies, das die Männer, die uns mit mehr Misstrauen denn irgendetwas anderem begleiteten weder Araber noch Brüder waren.

Ich weiß nicht, ob er damals bereits schon die besondere Art ihrer Beziehung erkannt hatte, aber ich vermute es. Ich selbst begann an dem Tag darüber nachzudenken, als ihr Vorgesetzter Joshua mir schnell mein eigenes Zelt gewährte, als ich drohte, dass Holmes sonst in ihres einziehen müsse. Ich war nie übermäßig prüde und es hatte mir nichts ausgemacht, die ganze Zeit als bartloser, arabischer Jüngling durchzugehen, aber ich wollte schließlich auch etwas Privatsphäre. Immerhin war ich nur ein 19-jähriges Mädchen, dass in keiner intimen Beziehung zu Holmes stand. Offensichtlich war dies eine Aussicht, die sie nicht begrüßten. Und ich begann mich zu fragen, warum - und später welcher Art ihre Beziehung zueinander wirklich war.

"No, No" Marsh zitterte plötzlich. Wieder wischte ich den Schweiß von seiner Stirn. Was zunächst als zwar unangenehme, aber nur geringfügige Verletzungen infolge der Treffer, die er gestern während der Vogeljagd abbekommen hatte, erschienen war, hatte sich nun zu einem unangenehmen Fieber entwickelt. Nicht wirklich lebensbedrohlich im Moment, aber ihm offensichtlich Schwierigkeiten und Alpträume bescherend. Ich fragte mich, ob er von der Folter träumte, die ihm die Narbe auf seinem Gesicht eingebracht hatte. Wir hatten seinen - und später auch Holmes' - Folterer vor fünf Jahre gefangen. Unglücklicherweise beging de Mann sofort Selbstmord. "Ali!", schrie Marsh.

Ich fragte mich, ob es eine gute Idee gewesen war, Alistair nach Hause zu schicken. Es hatte Iris und mich eine viel Überredungskunst gekostet, um ihn davon zu überzeugen, dass er selbst etwas Ruhe brauchte. Schließlich hatte er auch einige der Schrotkörner abbekommen. Natürlich hätte er in Justice Hall bleiben können. Aber mit Phillidas - Marshs Schwester - Gäste überall, war er in Badger Old Place besser aufgehoben. Ich war sicher, dass die Algernons bestens für ihren Herrn sorgen würden.

Natürlich wollte Marshs Ehefrau Iris die Nacht bei ihrem Mann bleiben. Erschöpft, wie sie war, nach den anstrengenden letzten Tagen, hatte sie sich schließlich doch für ein heißes, linderndes Bad und etwas Schlaf zurückgezogen, während ich für diese Zeit bei Marsh blieb. Verständlicherweise wollte niemand von uns diese Aufgabe jemand Außenstehenden überlassen. Nach allen, was wir wusste, war es mehr als wahrscheinlich, dass der Treffer kein Unfall gewesen war. Sie niemanden konnte wirklich vertraut werden. Holmes hatte sich in der Zwischenzeit zurückgezogen, um Gabriels Tagebücher zu lesen, auch keine angenehmere Aufgabe bedahcte man die Tragödie des jungen Mannes.

Marsh murmelte wieder etwas auf Arabisch. Etwas über Starksein und nichts von seiner Schande erzählen, soweit ich es verstand. Und Wörter der Liebe für seinem "Bruder".

Wie ironisch, dachte ich, dass diese zwei Männer, bester Abstammung und Ausbildung, ihr Glück in einem einfachen Leben in der Wüste finden konnte, wie sie es Zuhause nie könnten. Obwohl die Grenzen der Moral über die Kriegsjahre gelockert wurden, in der Gesellschaftsschicht, zu der Ali und Marsh gehörten, waren gewisse Dinge einfach nicht möglich. Vielleicht konnte die Familie bis zu einem gewissen Grad übersehen, dessen der jüngere Bruder Lionel die Gesellschaft junger Männer bevorzugte. Vielleicht würde sie sich auch nicht daran stören, dass Marsh und Iris - seine lesbische, vorgeschobene Ehefrau - getrennt lebten, aber niemals würde es toleriert werden, dass Alistair und Marsh ihr Leben als Paar verbrachten.

In Palästina konnten sie zusammen reisen, in der Öffentlichkeit miteinander Handhalten und sich mit tiefer Zuneigung und einigen Küssen begrüßen, wie es arabische Männer tun. In einem Zelt, ungestört und weit von jeder anderen Seele entfernt, schlafend, schien alles möglich, selbst Intimität in jeder Bedeutung des Wortes. Hier im altem England mit alles sehenden und hörenden Bediensteten überall, dazu die nicht minder neugierige Familie, war das hineggen gerade unmöglich.

Ich blickte wieder auf Marsh, ein starke Männer, dazu fähig ohne einen zweiten Gedanken an sein Opfer zu verschwenden, zu töten, wie ich aus Erfahrung wusste - und doch wahrscheinlich genauso zärtlich wie grob. Ich wusste nicht mit Sicherheit zu sagen, ob er und Ali ihre Beziehung tatsächlich bis zum Sexuellen auslebten, aber ich vermutete es. Ihre Beziehung - dessen war ich sicher - ging viel tiefer denn reine Begierde des Körpers. Sie waren sich so nah gewesen damals in Palästina, beinahe so als ob sie mit einem Verstand denken, mit einer Zunge sprechen, aus einer Person bestehen würden. Vielleicht war der Begriff des Seelenpartners doch keien hohle Phrase.

"Ali, brauche dich." Marsh hatte aufgehört, sich herumzuwerfen. Irgendwie schien sich jetzt beruhigt zu haben und sein Verlangen nach seinem Partner mehr.. . sollte ein sagen intimerer Art zu sein? Zumindest murmelte er etwas von 'berühre mich' auf Arabisch. Er sprach auch davon, sich zu versichern, dass er noch lebendig sei.

Ich wollte mich gerade über ihn beugen und ihm etwas Beruhigendes sagen, falls er mich ins einem Fieber hören könnte, als plötzlich eine Gestalt neben mir erschien und mich fast zu Tode erschreckte. "Ali", flüsterte ich. Er musste durch das geheime, engen Treppenhaus gekommen sein, dass Iris mir vor einigen Tagen gezeigt hatte.

Ich war im Begriff, ihn zu fragen, warum er zurückgekehrt war und dazu noch über diesen Weg, aber ein schnellen Blick in Alistairs Gesicht ließ die Worte auf meiner Zunge sterben. Er sah mich nicht einmal, als er an mir vorbei trat und sagte: "Ich kümmere mich jetzt um ihn."

Natürlich argumentierte ich nicht mit ihm. Ali war bezüglich Mahmouds schon damals fast überfürsorglich gewesen. Ich vermutete, dass er sich schuldig fühlte, weil sein "Bruder" damals gefangen genommen worden und gefoltert war, obwohl ich bezweifelte, dass Ali irgend etwas dagegen hätte tun können. Und schließlich hatte er Mahmoud befreit. Wenn er es nun für notwendig erachtet hatte, sofort an die Seite seines Geliebten zurückzukehren, ich war bestimmt nicht die geeignete Person, seine Entscheidung in Frage zu stellen. Außerdem hätte er mir sowieso kaum geantwortet

Marsh schien Alistairs Gegenwart zu soüren. Er bewegte sich, aber er erwachte nicht. "Ali", dieses Mal war sein Flüstern voller von Zärtlichkeit und Liebe.

"Ich bin da, Liebster. Ich verlasse dich nie wieder," lautete die Antwort, genauso zärtlich gegeben.

Das Letzte, was ich sah, bevor ich den Rau verließ um zu meinem eigenen Zimmer zurück zu kehren, was Alistair, der sich über Marsh beugte und ihm einen zärtlichen Kuss direkt auf der Mund gab.

Ende.

---------------------------------------------------

Zurück/Back