Rating: NC-17
pairing: Sheppard/McKay
Warnung: Domination/Unterwerfung, BDSM, Prügel, Kinks, teilweise dunkle
Themen
Inhalt: Ein Unfall mit einem Antiker-Gerät saugt einen John und einen Rodney
aus einem alternativen Universum nach Atlantis - und sie haben völlig andere
Ansichten über Sex, Heirat und Beziehungen
Kapitel 10: Erstes Date?
Rodney McKay verbrachte eine schlaflose Nacht mit Herumwerfen und Drehen. Sheppard hatte ihm gesagt, er solle herausfinden, was ihn beschäftigte, doch er dachte, das hätte er bereits so ziemlich erledigt. Es war die Lösung dazu, die ihm fehlte. Die Wahrheit war, Rodney Sheppard um sich zu haben, hatte ihn von Anfang an gestört, weil er eifersüchtig auf ihn war; eifersüchtig auf sein Glück, auf seine Zwanglosigkeit, mit Menschen umzugehen, bei denen Rodney sich so unbehaglich fühlte. Und am meisten eifersüchtig war er auf seine Beziehung mit dem General.
Das hatte Rodney seit langer Zeit vor sich selbst abgestritten, doch die Ereignisse der letzten Tage zwangen ihn nun, sich der Wahrheit zu stellen – und die Wahrheit war, dass er wollte, was Rodney Sheppard hatte – und er mochte nicht den Gedanken, dass er es wollte. Mehr als alles andere war er verblüfft, dass er es wollte. Das war nicht etwas, das er sich je vorgestellt hatte, ein Verlangen danach zu haben, nicht in einer Million Jahren. Doch er wollte es und nun musste er sich an den Gedanken gewöhnen, weil es nicht so aussah, als ob es verschwinden würde. Was zur Hölle sollte er schon dagegen tun? Rodney hatte keine Ahnung und gleichgültig, wie oft er sich herumwarf, er konnte mit der Antwort nicht umgehen.
Endlich stand er auf, nahm eine Dusche und zog sich an. Er sah Scheiße aus. Dunkle Schatten lagen unter seinen Augen und sein Kinn schmerzte zu sehr zum Rasieren, also ließ er den Stoppelbart stehen. Hunger trieb ihn in die Kantine und er betrat sie. Schultern hochgezogen, Mund zu einer schiefen Linie verzogen, forderte er jeden heraus, ihn anzusprechen. Er wollte allein essen, aber sein Blick fiel auf eine einsame Gestalt, die ihr Essen auf dem Teller herumschob, und zögerte, straffte dann seine Schultern und ging hinüber. Er war nicht sicher, wie sein Empfang ausfallen würde, wusste jedoch, er hatte eine Entschuldigung loszuwerden.
Rodney Sheppard sah auch nicht so gut aus. Halb saß, halb kniete er auf dem Stuhl, balancierte auf seinem Bein, das er unter sich gesteckt hatte, sodass sein Hintern nicht wirklich die Sitzfläche des Stuhles berührte, sein Gesicht war blass. Er sah nicht müde aus, wirkte jedoch ziemlich erledigt und seine Augen waren leicht rot umrandet. Eigentlich sah er ziemlich jung aus – und irgendwie verwundbar.
Rodney erstarrte bei der Analyse. In diesem Licht hatte er sich nie zuvor gesehen, hatte sich nie gesehen, wie ihn vielleicht andere sahen und er hatte nie erkannt, dass es manchmal Zeiten gab, wenn auch er so aussah. Er spürte eine seltsame Welle der Zuneigung für seinen Gegenspieler und fragte sich, ob andere Menschen das ab und zu für ihn empfanden. Über so etwas hatte er bis zum heutigen Tag noch nicht mal ansatzweise nachgedacht.
„Hey“, sagte er leise, kam vor dem anderen Mann zum Stehen. „Ich würde es verstehen, wenn du mir sagst, wohin ich verschwinden soll, aber ich wollte mich nur entschuldigen.“
Der andere Rodney blickte auf und schenkte ihm – sehr zu Rodneys Überraschung – ein mattes Lächeln.
„Das ist okay. Setz dich“, sagte er, gestikulierte mit seinem Löffel.
Davon wurde Rodney noch mehr überrascht und er nahm seinem Gegenspieler gegenüber Platz.
„Es tut mir wirklich leid“, wiederholte er demütig. „Ich wollte dich nicht in Schwierigkeiten bringen und ich hätte nicht diese Dinge zu dir sagen sollen.“
„Danke“, meinte sein Spiegelbild leise. „Das bedeutet mir eine Menge. Mir tut es auch leid.“
Rodney sah auf, Augenbrauen gehoben.
Der andere Rodney nickte zu Rodneys Lippe. „Sieht aus, als hätte ich einmal einen anständigen Schlag gelandet“, bemerkte er mit einem schiefen Lächeln.
Rodney grinste, wünschte dann, er hätte das nicht getan, da seine Lippe ein bisschen weiter aufriss und er den salzigen Geschmack frischen Blutes schmeckte.
„Ich dachte eigentlich, du warst ziemlich gut“, sagte er. „Wenn man bedenkt, dass du, du weißt schon, ich bist. Und generell gesprochen, Faustkämpfe sind nicht mein Ding.“
„Meines auch nicht.“
„Glaube, wir kennen beide die richtigen Knöpfe, die wir drücken müssen, um eine Reaktion zu kriegen“, seufzte Rodney. „Frage ist, warum wir sie die ganze Zeit drücken wollen.“
„Ich denke, in deinem Fall liegt es daran, dass du dich einfach nicht sehr gern hast“, meinte sein Spiegelbild langsam, ohne einen Hauch von Aggression.
„John ... Colonel Sheppard hat das auch einmal gesagt“, antwortete Rodney. „Was seltsam ist, weil ich denke, ich mag mich eigentlich sehr.“
Der andere Rodney schnaubte. „Ja. Ich mich auch, ausgenommen ... wir beide haben zwei verschiedene Seiten in unserer Persönlichkeit, nicht wahr? Und eine davon ist weniger selbstsicher als die andere. Ich glaube, es war diese Seite, die so ausgeflippt ist, weil ich in der Nähe bin.“
Rodney starrte ihn fassungslos an. Auf so analytische Weise hatte er noch nie von sich gedacht. Generell empfand er die Emotionen und Motivationen anderer Menschen als Mysterien und seine eigenen waren oft nicht klarer für ihn.
Der andere Rodney lächelte. „Manchmal, nachdem ich bestraft wurde, habe ich diese klaren Momente, dann kann ich alles verstehen und alles macht einen Sinn für mich“, erklärte er. „John besteht immer darauf, dass ich nach einer ernsthaften Züchtigung etwas stille Zeit verbringe. Das ist die einzige Zeit, in der mein Gehirn sich genug verlangsamt, um etwas von dem wirklich offensichtlichen Zeug zu sehen, das mir die ganze Zeit ins Gesicht gestarrt hat.“
„Was hat er dir angetan?“ fragte Rodney, biss auf seine Lippe und schmeckte neuerlich Blut. „Letzte Nacht, nach ...“ Er verstummte.
„Er benutzte eine Rute. Definitiv etwas, das man nach Möglichkeit vermeiden sollte“, antwortete sein Gegenüber mit einer Grimasse.
„Oh, Scheiße. Es tut mir so leid“, beteuerte Rodney neuerlich.
„Du kannst aufhören, dich zu entschuldigen, Rodney. Es hat mir nicht gefallen, aber er hat mir geholfen, im Geiste ein paar Dinge zu sortieren. Mir tut es leid, dass ich dich so an mich ran gelassen habe. Ich hätte erkennen sollen, warum ich ständig nach deinem Köder geschnappt habe. Vor einer Ewigkeit hat mir John erklärt, das Problem wäre, dass du mich an mich selbst erinnerst und er hat recht. Ich hätte das erkennen und akzeptieren sollen. Stattdessen hat es ständig an mir genagt.“
„Ich erinnere dich an dich selbst?“ Rodney runzelte seine Stirn, bemühte sich sehr, diese Frage nicht aggressiv klingen zu lassen, verstand es wirklich nicht. Ihre Leben und Ansichten schienen viel zu unterschiedlich.
„Vor John. Ich war sehr wie du. Ich verstand mich nicht ... ich war einsam und zornig wegen einer Menge Dinge, auf die ich mich nicht einmal konzentrieren konnte. Mit dir zusammen zu sein, brachte alles zurück, all die negativen Dinge, und das mochte ich nicht.“
„Du denkst, ich bin einsam und zornig?“ Rodney sah sein Spiegelbild überrascht an.
„Ja, das tue ich“, nickte der andere Mann. „Sieh den Tatsachen ins Auge, McKay, falls deine Kindheit meiner auch nur ähnlich war, dann war sie wirklich vermasselt.“
Rodney erstarrte. Generell gesprochen zog er es vor, nicht groß über seine Kindheit nachzudenken. Sie war nicht fürchterlich gewesen – niemand hatte ihn geschlagen und es war immer Essen auf dem Tisch gewesen, dennoch hatte er keine besonders guten Erinnerungen daran.
„Die Eltern gingen einander ständig an die Kehle, Prügelknabe in der High School. Ein Genie zu sein, funktionierte wunderbar als Ablenkungsmethode, damit unsere Eltern sich nicht gegenseitig zerfleischten, machte aber die Prügelknaben-Sache schlimmer“, murmelte sein Gegenspieler.
Rodney fühlte seine Muskeln sich anspannen.
„Daran denke ich nicht sehr oft. Ich bin sicher, andere Menschen haben es viel schwerer“, gab er zurück.
„Ja, aber es war eine einsame Kindheit und niemand hat dir je geholfen oder sich auf deine Seite gestellt. Und der Zorn über diese Ungerechtigkeit ging nirgendwohin außer in deine Magengrube“, sagte sein Gegenspieler sanft.
Es hatte keinen Sinn, das zu leugnen, weil ihn der andere Rodney so gut kannte wie er sich selbst. Rodney sah ihn mit Augen an, die plötzlich brannten.
„Es ist nur so, dass nie jemand nett zu dir war, deshalb hast du dir nie angewöhnt, auch nett zu sein“, setzte der andere Mann fort.
„Hatten wir die selben Eltern?“ erkundigte sich Rodney. „Ich meine, waren deine nicht in einer ...“ Er errötete, zu beschämt, um auch nur daran zu denken.
„Sie waren beide Wechsler“, nickte sein Gegenüber. „Stritten ständig, wer das Sagen hatte und keiner gab auch nur einen Zentimeter nach. Hoffnungslos unausgeglichen. Ich flüchtete ins College, sobald ich alt genug war und rutschte in einige schlechte Beziehungen. Ich erwartete nicht, dass jemand mich lieben würde und das war gut so, weil es niemand wirklich tat. Bis John daherkam.“
„Beziehungen?“ wiederholte Rodney, neugierig auf die Geschichte seines Spiegelbildes.
„Ja. Manche mit Frauen, andere mit Männern. Ich habe sogar getoppt. Ich war nicht schlecht darin, aber manchmal war ich auch nicht so großartig“, seufzte er. „Und wenn ich es falsch machte, dann ging es wirklich schief. Und das ist eine große Verantwortung, wenn du für ein anderes menschliches Wesen sorgst. Danach kam eine ganze Reihe von One-Night-Stands“, grimassierte er. „Sie hätten wirklich mehr Spaß machen sollen, aber zu dem Zeitpunkt stand ich zu sehr neben mir.“
„Mann, klingt, als hättest du eine Menge Sex gehabt“, kommentierte Rodney, war ein wenig eifersüchtig.
„Sicher“, zuckte sein Gegenüber seine Schultern, sah ihn dann fragend an.
„Ich nicht so häufig“, sagte Rodney leise.
„Wieso nicht?“
„Na schön, für den Fall, dass du es nicht bemerkt hast, die Menschen mögen mich nicht sehr und es ist schwierig, mit einem Schritt von Ich hasse dich, du bist ein Schwein zu Okay, aber willst du mit mir schlafen? zu gelangen. Obwohl ich nicht behaupten will, ich hätte es nicht versucht.“
Rodney schob Essen in seinen Mund und begann zu kauen.
„Richtig.“ Der andere Rodney runzelte seine Stirn. „Ich denke aber, du hast unrecht, dass die Menschen dich nicht mögen. Ich denke, das tun sie, aber du siehst es nicht. Du bist derart damit beschäftigt, die Leute mit deiner scharfen Zunge fernzuhalten, dass du einfach annimmst, dass alle dich ablehnen. Das tun sie nicht. Sogar ich kann das sehen. Carson und Radek haben dich beide sofort verteidigt, als ich schlecht über dich sprach und Elizabeth, Teyla und Miko haben alle eine Schwäche für dich.“
„Wirklich?“ Rodney war sicher, er sah genauso erstaunt aus, wie er sich fühlte.
„Wirklich. Und ich zähle noch nicht einmal den Colonel mit“, fügte der andere Rodney hinzu. „Er mag dich auch – sehr. Allerdings verstehe ich, dass in eurem Universum die ganze Sex-Sache schwieriger sein muss. Wo ich herkomme, sind wir viel offener mit Sex. Dennoch, trotz deiner heftigen unsozialen Tendenzen bin ich überrascht, dass du keinen Erfolg hattest.“
„Wieso?“ Rodney runzelte seine Stirn.
„Na ja, du musst bemerkt haben, wie heiß wir sind“, grinste sein Gegenüber.
Rodney würgte an seinem Essen. „Was?“
„Heiß. Wir sind heiß, Rodney. Das weißt du doch, oder?“
Rodney sah sich im Raum um, besorgt, dass jemand mithörte.
„Tatsächlich?“ flüsterte er. „Ich meine, so etwas habe ich immer gedacht, aber wenn der Rest der Welt dich ständig zurückstößt, musst du Bedenken kriegen.“
„Oh, nein. Wir sind heiß“, bestätigte ihm sein Spiegelbild zuversichtlich. „In der Nacht damals, als ich in dieses Outfit gekleidet war, das John mir besorgt hat, hätte ich den halben Saal haben können, wenn ich das gewollt hätte.“
„Ich habe schon bemerkt, dass du Blicke angezogen hast“, grübelte Rodney.
„Du bist auch irgendwie heiß – nur siehst du nicht aus, als ob du dich in deiner Haut wohl fühlst und das strahlt aus. Du bist irgendwie unbeholfen. Und die Kleider könnten auch ein bisschen Arbeit vertragen.“
„Da ist nichts verkehrt mit meinen ...“ Rodney stoppte sich und seufzte. „Entschuldige. Ich wollte nicht schon wieder einen Streit anfangen.“
„Schau, während wir nicht streiten, gibt es ein paar andere Dinge, für die ich mich entschuldigen sollte. Ich wusste, ich stellte einiges an, was dich aufgedreht hat und ich habe damit weitergemacht. Nimm Radek, zum Beispiel.“ Sein Gegenspieler verzog leicht sein Gesicht. „Ich weiß, wie du für ihn empfindest, weil ich mich genauso fühlte. Er ist deine rechte Hand, dein kleiner Komplize – und er ist der einzige Mensch hier, der wirklich mit dir mithalten kann. Ich wusste, du hast dich wegen meiner Freundschaft mit ihm ausgegrenzt gefühlt, machte aber einfach weiter. Das war auch nicht nur, um dich zu ärgern. Ich vermisse ihn, Rodney.“
Rodney blickte auf bei der Ehrlichkeit in der Stimme des anderen Mannes.
„Ich vermisse ihn wirklich“, bekräftigte sein Gegenüber, seine blauen Augen schimmerten leicht. „Ich habe nicht einmal erkannt, wie sehr ich ihn mochte, bis er tot war und dann ... Das Labor war seitdem nicht mehr das selbe. Die anderen sind gut, aber Miko ist kein Ersatz und Peter ist ein guter, solider Techniker. Aber er ist kein Radek Zelenka.“
„Ich hatte keine Ahnung“, schüttelte Rodney seinen Kopf. „Um ehrlich zu sein, ich hatte auch keine Ahnung, dass ich Radek überhaupt mochte, bis du angefangen hast, mit ihm vertraut zu werden.“
„Es gibt eine Menge Ding, von denen du keine Ahnung hast, McKay“, sagte sein Spiegelbild ruhig. „Das ist eine weitere Sache, die mich geärgert hat, um ehrlich zu sein. Dich und den Colonel zu beobachten ...“ Er schüttelte seinen Kopf. „Ich weiß, es geht mich nichts an und ich weiß, es sollte mich nicht beeinflussen, aber nur der Gedanke, dass ich nicht mit John zusammen wäre, ängstigt mich ... deshalb hat es mich permanent aufgeregt, euch beide umeinander tanzen zu sehen. Das ist ein weiterer Grund, warum ich so mies auf dich reagiert habe.“
„Da ist nichts zwischen mir und dem Colonel“, antwortete Rodney steif. „Es besteht nicht einmal im entferntesten die Möglichkeit, dass irgend etwas zwischen mir und dem Colonel geschieht. Was immer du denkst zu sehen, spielt sich nur in deiner Vorstellung ab.“
Sein Gegenüber starrte ihn mit klaren blauen Augen an und Rodney fühlte sich unter dem beharrlichen Blick erschlaffen.
„Rodney - du sprichst mit mir, erinnerst du dich?“ Der andere Mann schnaubte. „Ich kenne dich besser als jeder andere hier. Mich anzulügen ist das selbe, wie dich selbst zu belügen. Oh! Das ist es, was du die ganze Zeit getan hast, stimmt’s?“
Betäubt schüttelte Rodney seinen Kopf und sah blind auf sein Essen.
„Rodney?“ sagte sein Gegenüber sanft.
„Was ich nicht verstehe ...“, murmelte Rodney schließlich, seine Stimme brach, „ist, ob ich immer so empfunden und es nur ignoriert habe, oder ob diese Gefühle erst begonnen haben, nachdem ihr beiden angekommen seid.“
„Ist das wichtig?“
„Na schön, ja, offensichtlich. Wenn ihr heimgeht, kehre ich vielleicht wieder ...“
„Rodney, das wird nicht verschwinden“, unterbrach ihn sein Gegenspieler. „Und ich vermute, wir haben es nicht ausgelöst. Du hast es bloß seit langem unterdrückt und wir brachten es an die Oberfläche. Ich meine, ich habe euch beobachtet und ihr beiden flirtet wie verrückt. Ich glaube nicht, dass das erst anfing, als wir ankamen.“
„Flirten?“ wiederholte Rodney verblüfft.
Sein Gegenüber rollte seine Augen. „Wie verrückt“, bestätigte er. „Als du uns hier rein gesaugt hast, nahm ich einfach an, ihr wärt zusammen wegen der Schwingungen, die von euch ausgingen.“
„Das sehe ich wirklich nicht, aber auf jeden Fall ist es egal. Nichts wird zwischen dem Colonel und mir passieren. Abgesehen von allem anderen solltest du die Anzahl Frauen sehen, die sich an ihn ranschmeißen und er hat bestimmt nicht alle zurückgewiesen.“
„Na ja, du kannst es dem Jungen nicht verdenken! Er kriegt nichts von dir, warum sollte er es nicht annehmen, wenn es sich anderswo bietet?“ schnaubte der andere Rodney.
„Du verstehst mich nicht! Er fühlt sich zu Frauen hingezogen, nicht zu Männern und ganz bestimmt nicht zu mir“, erklärte ihm Rodney entschieden.
„Woher weißt du, dass er nicht bisexuell ist?“
„Bloß, weil in deinem Universum jeder bisexuell ist, bedeutet das nicht, dass es jeder in unserem ist!“ protestierte Rodney.
„Oder vielleicht verbergen es die Leute nur wegen dieses seltsamen Schwulen-Tabus, das ihr hier habt“, gab sein Gegenspieler mit einem Schulterzucken zurück.
„Vertrau mir, der Colonel ist nicht bisexuell“, sagte Rodney. „Und selbst, wenn er es wäre, ein Mann wie er wäre bestimmt nicht an mir interessiert.“
„Warum nicht?“ erkundigte sich der andere Rodney neugierig.
„Ich bezweifle nur, dass ich sein Typ bin“, zuckte Rodney seine Schultern. „Ich denke, er würde einen Offensichtlicheren wählen.“
„So einen hirnlosen, muskelbepackten Typen? Ich glaube nicht, dass du den Colonel so gut kennst, falls du das denkst“, meinte der andere Rodney stirnrunzelnd.
„Ich verstehe nicht, wieso du denkst, er wäre an mir interessiert“, sagte Rodney, starrte zurück. „Er hat nichts gemacht oder gesagt ... hat mich nicht angebaggert ... ich kapiere nicht, was es ist, was du denkst, dass du siehst.“
Der andere Rodney seufzte. „Ich versuche, geduldig zu sein, weil ich weiß, wie unglaublich schwer von Begriff du in diesen Dingen bist. Okay, lass mich dich erleuchten. Hat der Colonel letztens mehr Zeit mit dir verbracht?“
Rodney verzog sein Gesicht. „Na schön, ja, aber ich dachte, das läge an der Situation – du weißt schon, mit euch beiden bei uns.“
„Okay. War er ungewöhnlich interessiert an dir? Sieht er dich anders an und berührt dich öfter? Ist er beschützerischer? Besucht er dich und eskortiert dich nach der Arbeit zu deinem Quartier zurück?“ fragte der andere Rodney.
Rodney zögerte. „Schon, aber ich dachte einfach ...“
„Er macht dir den Hof“, schloss der andere Rodney in einem Habe ich dir doch gesagt-Ton, als ob der Fall geklärt wäre.
„Den Hof machen ... das ist ein unglaublich altmodisches Wort!“ protestierte Rodney.
„Ich weiß. Er ist ein altmodischer Junge. Das findest du früh genug heraus. Mein Jon machte das selbe, hing ständig herum, bis ich dachte, er würde stalken. Schließlich fand ich heraus, das waren seine Annäherungen. Und erst, als ich damit klar kam und mich in seiner Nähe ein bisschen entspannte, machte er den nächsten Schritt. Dein John wird das selbe tun. Er wird nichts unternehmen, bis du bereit bist.“
„Bereit?“ Rodney hörte seine Stimme leicht zittern.
„Bereit, eine Beziehung mit ihm einzugehen. Er wird weder an einem One-Night-Stand, noch an einem Fick-Kumpel interessiert sein. Falls er dich will, dann will er alles von dir und er wird sich nicht mit weniger zufrieden geben. Ich brauchte eine Weile, das zu verstehen und es war teilweise auch schmerzhaft, bis ich es herausgefunden hatte.“
„Ich habe nie mit einem Mann geschlafen“, murmelte Rodney fühlte sich erröten. „Ich denke nicht, dass ich dafür je bereit bin.“
„Es ist großartig“, grinste der andere Rodney. „Ich liebe es. Das wirst du auch, falls du ihm eine Chance gibst.“
Rodney sah ihn zweifelnd an. „Aber selbst wenn er ... selbst, falls der Colonel durch irgendein Wunder an mir interessiert ist, kann ich wirklich nicht sehen, dass es irgendwo hinführt. Ich meine ... es ist absurd“, seufzte er.
„Funktioniert für mich und John“, warf der andere Rodney ein.
„Tja, das ist eine andere Sache. Falls ihr beiden das Rollenmodell für eine Beziehung zwischen mir und dem Colonel seid, dann macht es das, ehrlich gesagt, noch absurder ... und beunruhigender.“
„Warum?“
Rodney atmete tief durch.
„Schau, ich will nach den gestrigen Vorfällen nicht wieder eine Kränkung begehen, aber du und er ... das ist nicht genau eine Beziehung zwischen Gleichgestellten, nicht wahr?“
„Ist es doch“, widersprach sein Gegenspieler ernst. „Du verstehst es nicht, weil du nicht über das Halsband hinwegkommst und den Gedanken an zwei verheiratete Kerle. Du siehst das Konzept der Unterwerfung als irgendwie erniedrigend an, wir sind aber Gleichgestellt. Wir kennen beide unsere Rolle und Verantwortung innerhalb unserer Ehe – und ich wirke kaum eingeschüchtert, oder? Ich zucke nicht zusammen oder zittere in seiner Nähe. Natürlich sind wir gleichgestellt.“
„Warum trägst du dann das Halsband? Wieso bist du derjenige mit der Markierung auf deinem Arm – was ist das, wie ein Brandzeichen? Als ob du Vieh wärst oder so etwas? Das ist wie keine Tätowierung, die ich je gesehen habe“, sagte Rodney, zeigte auf die elegante Zeichnung auf dem Oberarm seines Gegenübers.
„Das Halsband ist wie ein Ehering – es ist altmodisch, aber ich trage es gern und John sieht mich gern damit. Die Tätowierung ist eine Technik, die man Latiquieren nennt. Du verwendest eine spezielle Flüssigkeit, die sich silbern verfärbt, wenn sie mit einer Nadel unter die Haut gestochen wird. Es tut höllisch weh, deshalb hilft es, wenn du dich in der richtigen Leere im Kopf befindest, wenn es gemacht wird. Nichts von alldem ist allerdings wichtig. Du könntest alles wegnehmen und es würde keinen Unterschied machen, weil es letztendlich nur um Verrauen geht – und du vertraust niemandem, Rodney, nicht mal dir selbst. Bis du es tust, bist du in einer Verzweiflung gefangen, die du ganz allein verursachst. Und niemand wird dir helfen können.“
„Du verstehst nicht. Du bittest mich, alles zu ändern, was ich glaubte zu sein“, meinte Rodney hilflos.
„Und macht alles, was du glaubst zu sein, dich glücklich?“ erwiderte sein Gegenüber sanft. „Denn wenn nicht – braucht es vielleicht eine Veränderung, hmm?“
Darauf wusste Rodney keine Antwort, er brauchte jedoch keine, weil in diesem Moment der General an den Tisch trat. Rodney spürte sich erröten, als er sich an die Ereignisse des letzten Abends erinnerte, doch der General schien gute Laune zu haben, nickte ihm zu und wünschte ihm einen Guten Morgen.
„Ihr Jungs okay?“ erkundigte er sich, warf seinem Ehemann einen besorgten Blick zu.
„Uns geht’s gut. Begraben bloß das Kriegsbeil“, antwortete der andere Rodney mit einem Lächeln.
„Ich bin froh, das zu hören“, strahlte der General. „So, bist du bereit, Rodney?“ fragte er seinen Gatten.
Rodney Sheppard grinste und erhob sich, unterdrückte eine Grimasse, als er sein Bein vom Stuhl rutschen ließ und sich vorsichtig auf seine Füße stemmte.
„Definitiv bereit“, sagte er. „Oh, das hätte ich dir sagen sollen – ich werde heute nicht im Labor arbeiten, McKay. John bringt mich zum Entspannen auf den Kontinent.“
„Ja, da komme ich gerade her, habe vom Colonel einen Jumper angefordert. Ich bringe Rodney zu diesem tollen Strand, den wir vor ein oder zwei Wochen entdeckt haben“, erklärte der General, legte einen Arm um seinen Ehemann und küsste ihn auf die Wange.
Der andere Rodney kicherte leise und irgendwie fand es Rodney nicht mehr so irritierend. Tatsächlich lag da etwas Einnehmendes darin – und wie ehrlich und ungeniert verliebt diese beiden Männer waren. Normalerweise fand Rodney dieses Zeug unerträglich sentimental und beschämend, aber vielleicht gewöhnte er sich daran oder vielleicht hatten sie ihn einfach weichgeklopft, weil sie schon so lange hier waren.
„Es ist ein schöner Tag“, meinte der andere Rodney. „Du solltest mehr rausgehen, Spaß haben, McKay.“
„Ja. Klar“, seufzte Rodney.
Er musste zugeben, dass der Gedanke, einen Tag von all diesen Problemen weg zu sein, verlockend klang und beneidete sie.
„Er hat zu hart gearbeitet. Das hätte ich schon früher machen sollen“, sagte der General, drückte seines Gatten Arm. „Das gestrige Fiasko war notwendig, mich erkennen zu lassen, dass ich ihn nicht genug verwöhne.“
„Oh, eine Sache, bevor wir gehen“, meinte der andere Rodney. „Zeig Dr. McKay deinen Arm, John.“
„Meinen Arm?“ Der General sah verwirrt aus.
Der andere Rodney tippte auf seinen linken Bizeps.
„Dr. McKay hat Mühe, unsere Beziehung zu verstehen. Er scheint zu denken, wir sind nicht gleichgestellt. Ich dachte, wenn du ihm vielleicht ...“
„Oh. Richtig. Klar.“
Grinsend knöpfte der General sein Hemd auf, schob den Stoff dann seine Schulter runter, um seinen linken Oberarm zu enthüllen. Dort, eingebrannt in sein Fleisch mir silberner Farbe, war die selbe elegante J und R-Tätowierung, die Rodney auf dem Oberarm seines Gegenspielers gesehen hatte, allerdings auf seinem rechten Arm, nicht seinem linken.
„Um genau zu sein, habe ich seines zuerst gemacht“, erläuterte Rodney. „In der Nacht unserer Lebensbindung. Das Design ist auch von mir und er war nervös, es falsch zu machen, also machte ich es zuerst. Danach stach er meines.“ Er blickte auf seinen Arm. „Gegensätzliche Arme – das ist Tradition und sie berühren sich, wenn wir nebeneinander gehen.“
„Ja, ich bin Scheiße mit Design und solchem Zeug“, grinste der General. „Rodney hat ein gutes Auge für Details und eine ruhige Hand. Glücklicherweise befanden wir uns tief in der Lebensbindung, als wir einander latiquierten. Sonst hätte ich das vermasselt. So, wie es war ... verdammt, in dieser Nacht fühlte ich mich, als könnte ich alles tun. Das war, als wir zum ersten Mal Kaeira spürten und es blies mich weg. Was die Gleichstellung angeht – natürlich sind wir das.“ Er zuckte seine Schultern, als ob das selbstverständlich wäre. „Ich meine, Rodney ist so ziemlich der schlauste Kerl in Atlantis, wie er uns alle fünf Minuten erinnert.“ Der General grinste seinen Gatten an. „Und ich bezweifle, dass du überhaupt mit jemandem die Lebensbindung eingehen kannst, falls du denkst, er wäre dir unterlegen. Das Ritual würde nicht funktionieren.“
Rodney starrte die beiden an, verblüff von diesem Einblick in ihre Gesellschaft. Er war nicht völlig sicher, es zu verstehen, doch da lag etwas Exotisches und Wunderschönes darin.
„Wir müssen los, wenn wir den Tag nutzen wollen“, sagte der General, befestigte die Leine am Halsband des anderen Rodney und wickelte das Ende um seine Faust. „Sehe dich später, Doc. Schönen Tag.“
Rodney beobachtete ihr Weggehen. Er war nicht sicher, ob er ihre Beziehung jemals vollkommen begreifen würde, beneidete sie jedoch um ihre unbeschwerte Nähe. Trotz allem, was am Vortag geschehen war, waren sie heute ineinander verknallt wie eh und je.
***
Rodney machte sich auf den Weg zum Labor, fühlte sich seltsam deprimiert. Nicht wegen seiner Unterhaltung mit dem anderen Rodney, sondern wegen der Beziehung seines Spiegelbildes mit dem General und seiner eigenen Einsamkeit. Er war nicht sicher, was los war – normalerweise fühlte er sich nie so. Er hatte gedacht, sich recht gut daran gewöhnt zu haben, ein Einzelgänger zu sein, doch nun hatte er all diese Emotionen, die ihn durchströmten und nirgendwo hin konnten.
Sein Stab sah ihn besorgt an, als er das Labor betrat und er zog eine Grimasse, spürte ihre Augen über sein Stoppelkinn und seinen verletzten Mund zucken. Allerdings weigerte er sich, sie zu erleuchten und starrte sie bloß böse an, forderte sie heraus, etwas zu sagen. Unnötig zu erwähnen, niemand tat es, obwohl Radek ihm einen mitfühlenden Blick zuwarf und eine Tasse Kaffee reichte, bevor er davonhuschte, eindeutig besorgt, dass ein Anschnauzen von jedem ausgelöst werden würde, der sich zu lange in Rodneys Nähe aufhielt.
Rodney hatte etwa eine halbe Stunde unter dem Gehäuse gearbeitet, als er erkannte, dass sich die Atmosphäre im Labor verändert hatte und alle ziemlich still geworden waren. Er steckte seinen Kopf heraus und sein Herz sank, als er Colonel Sheppard in der Tür stehen sah.
„Dr. McKay. Könnte ich bitte ein paar Worte mit Ihnen wechseln`“ bat der Colonel.
Rodney nickte knapp und stemmte sich auf seine Füße, unsicher, wo sie standen nach dem gestrigen Abend und ob der Colonel immer noch wütend auf ihn war. Er blieb vor dem Colonel stehen und der andere Mann sah ihn einen Moment forschend an, sein Blick verharrte lange auf seiner gespaltenen Lippe, ein unlesbarer Ausdruck in diesen braunen Augen.
„Wie geht es Ihnen?“ erkundigte er sich endlich.
„Fein“, antwortete Rodney scharf.
„Gut. Ich möchte, dass Sie hier fertig machen und mit mir kommen“, meinte Sheppard.
„Warum?“ wollte Rodney misstrauisch wissen.
„Weil ich Ihnen eine Flugstunde geben will“, erklärte Sheppard.
„Was?!“ Rodney starrte ihn an, vollkommen perplex.
Von allen Dingen, die Sheppard hätte sagen können, wäre das das letzte auf seiner Liste gewesen.
„Wollen Sie die Flugstunde oder nicht?“ fragte Sheppard.
Einen Moment dachte Rodney darüber nach. Er liebte die Flugstunden, die Sheppard ihm in der Vergangenheit gegeben hatte, doch das kam völlig unerwartet.
„Na schön ... jetzt?“ fragte er zurück. „Wieso jetzt?“
„Wieso nicht jetzt?“ konterte Sheppard.
„Weil ... ich arbeite?“ schlug Rodney vor, wedelte seine Hand zum Labor.
Plötzlich wurde er sich bewusst, dass alle sorgfältig still waren, während sie sich bemühten, seine Konversation mit dem Colonel mitzuhören. Er hoffte, sie dachten nicht, Sheppard bot ihm an, ihn zu einem Date auszuführen oder so etwas ... und dann fiel ihm ein, das könnte genau sein, was der Colonel vorhatte und er wurde dunkelrot.
„Sie arbeiten die ganze Zeit. Sie verbringen hier doppelt so viel Zeit wie Ihr Stab und Sie brauchen eine Pause. Ich habe die Aufzeichnungen überprüft. Sie haben in vier Wochen nicht einen Tag frei genommen“, erklärte ihm Sheppard. „Und sie arbeiten regelmäßig 17-Stunden-Schichten.“
Er ergriff Rodneys Arm und führte ihn zur Seite, damit niemand mithörte.
„Ich habe Ihnen gesagt, dass das geschehen würde. Ich sagte, Sie würden zum Wrack, falls Sie in diesem Tempo weiterarbeiten und das sind Sie. Sehen Sie sich an“, flüsterte er.
„Ich sagte, mir geht’s gut“, zischte Rodney.
„Tja, so sehen Sie nicht aus und so agieren Sie nicht“, sagte Sheppard. „Ich mache mir Sorgen um Sie. Ich will, dass Sie eine Pause einlegen, bevor Sie damit enden, in weitere Kämpfe verwickelt zu werden oder die Stadt hochzujagen oder so etwas.“
Rodney sah ihn hilflos an. Er konnte sich ehrlich nicht erinnern, wann es das letzte Mal jemanden interessiert hatte, wie lange er arbeitete oder wie er aussah. Selbst Carson händigte ihm gern die Stimulantia aus, wenn Rodney ihn lange genug piesackte, nur, damit er weiterarbeitete. Er erinnerte sich, was der andere Rodney gesagt hatte über Sheppard, der ihm den Hof machte. War es das? Oder war der Colonel wirklich nur besorgt um die Sicherheit der Stadt, wenn ihr leitender Wissenschaftler dem Zusammenbruch so nahe war? Und falls es Ersteres war und nicht Letzteres, wie fühlte er sich dabei?
„Okay“, sagte er plötzlich, überraschte sich offensichtlich selbst mit der Antwort auf seine Frage, wie er sich fühlte, mit dem Colonel auf ein Date zu gehen.
Sheppard blinzelte. „Wirklich?“
Auch er sah verblüfft aus, als ob er gedacht hätte, es wäre schwieriger, Rodney zu überzeugen.
„Sicher. Warum nicht? Sie haben recht. Diese Leute sollten ohnehin mehr ihren Teil beitragen“, antwortete Rodney mit leicht erhobener Stimme, damit alle es hören konnten. „Okay, Jungs und Mädchen, zuhören!“ rief er. „Ich bin weg. Radek – Sie haben das Kommando.“
Damit machte er auf dem Absatz kehrt und ging hinaus, immer noch tiefrot bei dem Gedanken, dass jeder seines Stabes gerade gehört hatte, dass Sheppard ihn ausführte zu etwas, was ein Date sein konnte oder auch nicht. Während Sie durch die Tür traten, kam Sheppards Hand auf seiner Schulter zu ruhen, wie es anscheinend immer geschah, wenn sie in letzter Zeit irgendwohin wanderten. Rodney versuchte, sich zu entspannen. Falls das ein Date war, würde es ihm vielleicht eine Chance bieten herauszufinden, ob auch nur die kleinste Möglichkeit bestand, dass er und Colonel Sheppard irgendeine Art von Beziehung eingehen könnten.
***
„So ... Fliegen in einer geraden Linie“, sagte Sheppard grinsend, als sie den Puddle Jumper betraten.
Rodney verzog sein Gesicht. „Ich bin sicher, eines Tages habe ich den Dreh raus“, meinte er.
„Wir werden daran arbeiten“, versprach ihm Sheppard, schubste ihn zur Flugkonsole und nahm seine Position neben ihm ein.
Rodney schnallte sich fest und strich seine Hände über die Kontrollen. Eigentlich flog er liebend gern und nun, wenn er zurückblickte, fragte er sich, ob das nicht teilweise daran lag, weil seine Flugstunden ihm eine Chance gegeben hatten, etwas Zeit allein mit dem Colonel zu verbringen.
Rodney brachte sie in einer völlig schiefen Bahn in die Luft, dann leitete sie Sheppard durch ein paar einfache Manöver, die Rodney mit seinem üblichen Enthusiasmus und fehlendem Talent ausführte. Seine Unfähigkeit, eine gerade Linie zu fliegen, beschämte ihn wirklich und das ganze Date – kein Date-Ding verwirrte ihn noch mehr bis zu dem Punkt, wo er nicht sicher war, was er tat.
„Es ist okay, beruhigen Sie sich“, sagte der Colonel nach einem weiteren spektakulären Versagen, schnallte sich von seinem Sitz los und stellte sich hinter Rodney. „Ihr Problem ist, dass Sie zu viel nachdenken. Eigentlich ist das so ziemlich Ihr Problem mit allem“, meinte er grinsend.
Rodney öffnete seinen Mund, um gegen diese Charakter-Verunglimpfung zu protestieren, als Sheppards Hände plötzlich von hinten auf seine eigenen runterkamen.
„Sie müssen es spüren. Ein Gefühl für ihn bekommen. Seien Sie einfach einen Moment still, Rodney. Kein Reden, kein Denken ... nur Fühlen“, sagte Sheppard, seine Lippen Rodneys Ohr so nahe, dass sein Atem die Seite von Rodneys Gesicht kitzelte, während er sprach.
Rodney folgte den Instruktionen, lehnte sich in seinem Sitz zurück und versuchte, sich zu entspannen, suhlte sich in dem Gefühl von Sheppards langen, agilen Fingern auf den seinen und Sheppards Gesicht an seiner Wange.
„Das ist es ... nun ... ich möchte, dass Sie zwischen diesen beiden Punkten durchfliegen ... aber sehen Sie nicht auf den Schirm ... einfach sanft durch ... so ist es richtig“, sagte Sheppard ermutigend in sein Ohr.
Rodney ergab sich dem doppelten Vergnügen des Fliegens und Sheppard so nahe zu sein. Sanft lenkte er das Schiff, kaum atmend, und war überrascht, als sie ihr Ziel erreichten und Sheppard die Sternenkarte aufrief, um ihm zu zeigen, dass sie eine fast völlig gerade Bahn eingehalten hatten.
„Sehen Sie, ich wusste, dass Sie es schaffen“, sagte der Colonel, löste seinen Griff von Rodneys Händen und ging zu seinem Sitz zurück.
Rodney lehnte sich mit einem zufriedenen Lächeln zurück. Date oder nicht, dieser ganze Tag stellte sich als wundervoll heraus!
Sie flogen noch eine Weile, dann übernahm Sheppard wieder die Kontrollen.
„Hungrig?“ fragte er mit einem Grinsen in Rodneys Richtung. „Oh, was sage ich da? Blöde Frage. Schließlich ist das Rodney McKay, mit dem ich spreche. Sie sind immer hungrig.“
„Sie haben Mittagessen mitgebracht?“ fragte Rodney überrascht. Er hatte nicht gedacht, dass das ein Ganztags-Ausflug werden würde.
„Selbstverständlich habe ich Mittagessen mitgebracht ... Was für eine Art billiges Date denken Sie, dass ich bin?“ gab Sheppard zurück und Rodney errötete neuerlich heftig, untersuchte intensiv seine Fingernägel.
So, vielleicht war das ein Date? Oder benutzte Sheppard bloß eine Redewendung? Verdammt, warum war er immer so nutzlos im Interpretieren dieser sozialen Situationen?
„Festhalten“, sagte Sheppard und das nächste, was Rodney wusste, sie flogen runter – schnell, zu schnell, so schnell, er war sicher, sie würden ins Wasser fallen ... und dann schlugen sie auf dem Wasser auf.
„John! Was zum Teufel denken Sie ...?!“ begann Rodney, doch Sheppard grinste ihn bloß an.
„Es ist okay, Rodney. Ich dachte, wir gönnen uns ein Mittagessen mit Aussicht, das ist alles“, beruhigte er ihn, während der Jumper unter der Meeresoberfläche runtergefahren wurde.
„Das letzte Mal, als ich das machte, wäre ich fast gestorben“, erinnerte ihn Rodney.
„Und dieses Mal ist es in Ordnung“, sagte Sheppard ruhig. „Wir haben es ausprobiert, erinnern Sie sich? Der Jumper funktioniert genauso gut als Tauchboot wie in der Luft. Und diese Gegend ist seicht, ich habe es überprüft. Jetzt sehen Sie ...“
Er hatte ein verschlagenes Grinsen im Gesicht, während er den Jumper durch die sonnenerleuchteten Tiefen lenkte. Er hatte recht, der Ozean war hier nicht sehr tief und sie kamen bald auf dem Grund zu liegen, direkt vor einem herrlichen Korallenriff, von großen, bunt gefärbten Fischen in allen Formen und Größen wimmelnd, die vom Licht des Jumpers prächtig erleuchtet wurden.
„Oh, mein Gott“, keuchte Rodney. „Das ist wie ... unser ganz persönliches Aquarium oder so etwas.“
„Nicht wahr?“ grinste Sheppard, öffnete seinen Sicherheitsgurt und ging ins Heck des Jumpers. Er kam mit einem Korb zurück, den er zwischen ihnen auf die Konsole stellte. „Bedienen Sie sich“, gestikulierte er Rodney.
Rodney fasste in den Korb und fand eine Ansammlung einiger seiner Lieblingsspeisen. Misstrauisch sah er Sheppard an. Vielleicht hatte der andere Rodney recht – vielleicht wurde ihm der Hof gemacht. Es war so schwer festzustellen. Und falls es das war – wie fühlte er sich damit? Das alles war so unglaublich seltsam.
Sheppard verriet nichts. Er lächelte Rodney nur unschuldig an und Rodney wurde neuerlich an das erinnert, was sein Gegenspieler ihm gesagt hatte, dass er nicht weitermachen würde, bis Rodney bereit wäre. Das entspannte ihn ein bisschen. Er war nicht bereit – noch nicht, und er hatte keine Ahnung, ob er es je sein würde. Doch in der Zwischenzeit musste er zugeben, dass es recht nett war, jemanden zu haben, der sich auf romantische Weise für ihn interessierte. Normalerweise war immer er es, der die Initiative ergriff und meistens zurückgewiesen wurde – und irgendwie mochte er den Gedanken, dass ihm der Hof gemacht wurde, falls es das war, was hier vor sich ging.
Der Ausblick war fantastisch und Rodney sah wie hypnotisiert hinaus, während sie aßen. Sheppard machte Konversation und Rodney antwortete passend, hatte richtig Spaß. Die Zeit verging viel zu schnell. Dating – falls es das war – war nie so einfach gewesen, soweit es Rodney betraf. Normalerweise waren seine Verabredungen Desaster von epischen Proportionen, während derer er etwas derart hoffnungslos Unpassendes oder sozial Ungeschicktes sagte oder tat, dass er seine potentielle Partnerin für immer verscheuchte.
Dies war allerdings anders – er war nicht sicher, warum. Vielleicht, weil er nicht sicher war, ob es ein Date war oder nicht, oder vielleicht, weil er mit John zusammen war. Rodney wusste es nicht. Er wusste nur, dass es gut war und das brachte ihn zum Nachdenken, dass schwul zu sein vielleicht doch nicht so eine große Sache wäre. Okay, es kam überraschend, doch er dachte, vielleicht konnte er den Schock überwinden, falls das bedeutete, dass sein Leben so gut war und er sich so fühlte ... er war nicht sicher, wie das Wort lautete ... besonders? Gemocht? Glücklich?
Als sie später am Abend in die Stadt zurückkehrten, ertappte sich Rodney tatsächlich beim Summen. Er hatte sogar im Jumper ein Nickerchen gemacht, während John sie nach dem Mittagessen nach Hause geflogen hatte und er fühlte sich besser als seit Tagen – ausgeruht und zufrieden, weniger fahrig und nicht so schlecht gelaunt.
John begleitete ihn zu seinem Quartier und sie blieben einen Moment davor stehen. Rodney fragte sich, ob das der Zeitpunkt wäre, wenn etwas passieren sollte und er zappelte nervös herum, doch John grinste ihn nur an und drückte seine Schulter.
„Ich hoffe, der Tag hat Ihnen gefallen“, sagte er.
„Ja ... hat er ... sehr sogar“, brabbelte Rodney. „Danke für ... Sie wissen schon ... Mittagessen ... und ... all diese Fische ... und ... was immer.“
Er errötete und starrte auf seine Füße, um des Colonels amüsierten Blick zu vermeiden. Oh, Gott! Date oder nicht, er war Scheiße darin, was immer es war.
„Es war cool. Das müssen wir irgendwann wiederholen“, meinte John.
„Wirklich?“
Rodney blickte auf, sein Magen machte einen nervösen Satz. So, da bestand also eine Chance auf ein zweites Date? Er hatte es nicht mit seinem erstaunlich nutzlosem Versuch, dem anderen Mann zu danken, vermasselt? Normalerweise kam er nicht so weit wie zu einem zweiten Date mit irgend jemandem, daher hatte er keine Ahnung, wie er reagieren sollte.
„Sicher“, sagte John gelassen.
Rodney starrte ihn einen Moment an und John starrte zurück, seine Augen auf Rodneys verletzte Lippe fixiert. Rodney fragte sich, ob er ihn küssen würde und er hatte absolut keine Ahnung, wie er sich fühlen würde, falls das passierte, doch stattdessen streckte John einen Finger aus und berührte den Riss.
„Sie sollten Carson sich das ansehen lassen“, murmelte er.
„Es ist in Ordnung“, gab Rodney leise zurück, lehnte sich ganz leicht in Johns Berührung.
Sie standen einen Moment da, dann stieß John ein Seufzen aus und zog sich zögernd zurück.
„Okay. Na schön. Wir sehen uns, Rodney“, sagte er.
„Ja. Fein. Und, ahm ... noch mal danke, John“, antwortete Rodney.
Erst, als er sich in seinem Zimmer befand, erkannte Rodney, dass er nicht nur anfing, den anderen Mann John zu nennen, sondern auch so von ihm dachte. Irgendwie, langsam aber sicher – und er war nicht einmal sicher, wann das geschehen war – war John durch seine Verteidigung gekrochen und hatte sich seinen Weg an allen stacheligen Barrieren vorbei erschlichen, die er aufgebaut hatte. Rodney wusste, es war gefährlich und er fühlte sich unglaublich verwundbar, gleichzeitig konnte er nicht anders – er hatte begonnen, John zu vertrauen und er hatte nie zuvor in seinem Leben jemandem vertraut.
***
Die folgenden Tage im Labor waren ein reines Vergnügen für Rodney McKay. Er wusste nicht, warum er je so ein Problem mit seinem Gegenspieler gehabt hatte. Wenigstens hatte er endlich jemanden im Labor, der mit der gleichen Geschwindigkeit arbeitete wie er, der alles verstand, was er zu tun versuchte und der ihm selbst in die kompliziertesten Gebiete der wissenschaftlichen Entdeckung folgen konnte – und es war fantastisch! Sie redeten nonstop, deckten jedes Thema unter der Sonne ab, jeder von ihnen füllte die winzigen Lücken im Wissen des anderen, sie teilten Ideen und Pläne und verglichen Notizen über verschiedenste Projekte, während sie an dem QDG arbeiteten. Es war die intelligenteste Stimulation, die Rodney seit langer Zeit gehabt hatte und er bemerkte oder bekrittelte nicht länger irgendeines der Dinge an Rodney Sheppard, die ihn früher so sehr gestört hatten.
Innerhalb von zwei Tagen hatten sie die Kristalle am Arbeiten und bereit für einen Testlauf am folgenden Tag. Rodney Sheppard rannte wild im Labor umher, fixierte eine Verkabelung, während Radek und Rodney McKay daran arbeiteten zu versuchen, den Strahl zu fokussieren, sodass sie das korrekte Universum lokalisieren konnten. Rodney hatte alle anderen hinausgeschickt, weil ganz einfach keiner von ihnen schlau genug war, dem zu folgen, was sie machten und er niemanden im Weg stehen haben wollte.
„Bitte, schick uns nicht an den falschen Ort“, sagte der andere Rodney, Donut in einer Hand, Verkabelung in der anderen, ein verrücktes Grinsen in seinem Gesicht. „Du weißt, nichts für ungut, aber es hat Wochen gedauert, uns an euch zu gewöhnen. Ich will nicht in einem anderen gespenstischen Universum von vorn anfangen.“
„Nein, nein, nein“, gab Rodney mit einem antwortenden Grinsen zurück, während er einen Algorithmus tippte. „Wir vergewissern uns, dass es das richtige ist. Nun, wir haben die Energie. Alles, was wir tun müssen, ist den Speicherkern zu aktivieren, damit wir in der Lage sind, die exakten Koordinaten eures Universums aufzuspüren.“
Fröhlich hämmerte er ein paar Zahlen in die Tastatur und eine Sekunde später blitzte etwas an der mit verblasstem Klebeband auf dem Boden markierten Stelle vor ihnen.
„Was war das?“ fragte Radek nervös.
„Eine Art Fenster ... nicht sicher ...“, antwortete Rodney, versuche den Code erneut. „Verdammt ... sieht aus, als ob der einzige Weg, eine Speicherung zu verfolgen ist, tatsächlich Fenster zu verschiedenen anderen Universen zu öffnen und zu sehen, ob die Koordinaten passen. Hmm, das ist viel mühsamer, als ich dachte.“
Rodney Sheppard trat heran und blickte über seine Schulter, Donut in seinem Mund.
„Mmm“, sagte er, „chollge klappn, wnn wr wmden ...“
„In Englisch, bitte, Rodney“, sagte Rodney brüsk.
Der andere Rodney entferne mit einem entschuldigenden Kichern seinen Donut.
„Entschuldige. Ich sagte, es sollte klappen, allerdings sollten wir vermeiden, dem Fenster nahe zu kommen, wenn es offen ist, nur um auf Nummer Sicher zu gehen.“ Er deutete zu der abgeklebten Stelle. „Du aktivierst nicht den Strahl, deshalb wirst du niemanden herüberziehen. Du öffnest lediglich Fenster in unterschiedliche Universen. Wenn du das richtige erwischt, sollten diese Logarithmen sich angleichen“, er zeigte auf das Display auf Rodneys Laptop, „und dann ... dann, meine Freunde, sind ich und mein Ehemann praktisch schon zu Hause.“
Er legte eine Hand auf Rodneys und eine auf Radeks Schulter und strahlte die beiden enthusiastisch an.
„Aber es gibt hunderte von Fenstern in dieser Sektion des QDG! Das könnte Tage dauern!“ protestierte Rodney.
„Ach was. Wir sind schon seit Wochen hier. Wen kümmern ein paar Tage mehr?“ zuckte der andere Rodney seine Schultern. „Außerdem, so sehr wir heimgehen wollen, irgendwie mögen wir euch Leute, also haben wir keine Eile.“ Er schenkte beiden ein breites Grinsen.
Rodney grinste zurück, wunderte sich, warum er ihn je so nervend gefunden hatte. Er war, wie John gesagt hatte, ein wirklich netter Junge.
Die nächsten paar Stunden arbeiteten sie ununterbrochen, bis Rodney vom Überprüfen der verschiedenen Fenster schielte. Jedes Mal, wenn er eines öffnete, erschien ein Lichtschimmer in dem abgeklebten Gebiet und sie hatten das gespenstische Gefühl, in ein Vakuum zu blicken. Manchmal schwor Rodney, er konnte Schatten sich im Fenster bewegen sehen, gerade außerhalb des Blickfeldes, und gelegentlich hörten sie Geräusche – nur kleine Dinge; das Geräusch von Lachen, das Krachen, als etwas zu Boden knallte, das sie alle erschrocken zusammenfahren ließ, die angespannten Geräusche eines Streits – sie konnten nicht ausmachen, was gesagt wurde, konnten jedoch erhobene, zornige Stimmen hören. Eigentlich war das ziemlich unheilverkündend und die ganze Sache fing an, Rodney nervös zu machen. Er legte eine Pause ein, reichte die Kontrolle an Radek weiter und stand auf, um sich einen Kaffee einzugießen, untersuchte einige frühere Kalkulationen auf seinem Laptop, während er daran nippte.
Der andere Rodney verlegte noch die Kabel, versuchte, eine Verbindung zu dem Gerät herzustellen, die stark genug wäre, die gewaltige Energie zu ertragen, die nötig wäre, sie heim zu schicken. Vage hörte er seinen Gegenspieler etwas zu Radek sagen über Testen der Verkabelung, indem er einen experimentellen Strahl errichtete, bloß für ein paar Sekunden. Dann sah Rodney ein Lichtflackern und der andere Rodney rief etwas mit erregter Stimme, stand auf und lief quer durch den Raum ... und dann war da ein plötzlicher Lichtblitz von dem QDG, begleitet von einem lauten, heulenden Ton, gefolgt von einem erschrockenen Keuchen aus Radeks Richtung. Rodney sah scharf hoch – und begegnete Radeks schockierten Augen, die zu ihm zurückstarrten. Da war jedoch kein Anzeichen von Rodney Sheppard – er schien verschwunden zu sein.
„Radek?“ Rodney stieß seinen Stuhl zurück, sein Herz hämmerte in seiner Brust.
„Er ist gerade ... da war ein Energieausbruch und er ist einfach ...“, sagte Radek, zitterte leicht, während er auf das offene Fenster vor ihnen zeigte.
„Radek!“ rief Rodney in ungläubigem Tonfall. „Sie wollen behaupten ...? Aber es gab keinen Strahl!“ brüllte er. „Sogar mit einem offenen Fenster ist es nicht möglich, ohne Strahl irgendwohin zu gehen!“
„Es tut mir leid. Er sagte mir, einen Teststrahl zu zünden. Er war nur eine Sekunde offen. Ich hatte ihn abgeriegelt, aber es gab einen Energieschub und er brach aus dem Dämpfungsfeld aus. Er fiel einfach hinein und verschwand“, flüsterte Radek.
„Können wir ihn zurückholen?“ wollte Rodney wissen, hastete rüber.
„Ich ... ich weiß es nicht. Ich könnte versuchen, den Strahl noch einmal zu aktivieren und sehen, ob er halten wird. Er sagte, er wäre fast fertig mit der Verkabelung“, antwortete Radek verzweifelt.
Rodney rannte zum QDG, schob Radek aus dem Weg, hämmerte den Aktivierungscode ein und schaltete den Strahl ein. Ein lautes Geräusch ertönte, ein Lichtblitz erschien, doch niemand materialisierte.
„Er befindet sich nicht mehr im Zielgebiet!“ brüllte er Radek an. „Warum stellt er sich nicht wieder hinein?“
„Keine Ahnung“, meinte Radek unheilverkündend. „Vielleicht wurde er verletzt?“
Rodney hatte nur einen Sekundenbruchteil, um eine Entscheidung zu treffen.
„Ich gehe durch“, erklärte er grimmig.
„Was?!“ Radek war fassungslos. „Rodney, der Strahl selbst könnte ihn verletzt haben. Wenn Sie durchgehen, stößt Ihnen vielleicht das selbe zu! Rodney, wir wissen nicht einmal, ob er noch am Leben ist!“
„Ich gehe durch“, wiederholte Rodney in entschlossenem Ton. „Radek, wir dürfen die Kristalle nicht überlasten. Es hat Wochen gedauert, um sie zum Arbeiten zu bringen. Sobald ich durch bin, will ich, dass Sie den Strahl abschalten und ihnen Zeit zum Aufladen geben. Dreißig Minuten sollten reichen. Danach schalten Sie den Strahl wieder ein. Ich versuche, zu genau der selben Zeit mit Dr. Sheppard in Position zu sein.“
„Und wenn es nicht funktioniert?“ fragte Radek, seine Augen aufgerissen vor Angst.
„Dann schaffen Sie den Colonel und den General hier runter“, antwortete Rodney entschlossen. „Erklären Sie ihnen die Situation und lassen Sie sie entscheiden, was als nächstes zu tun ist.“
„Rodney, ich denke immer noch, es wäre besser, wenn wir ihn abschalten und Sie warten ...“, setzte Radek an.
„Nein. Ich lasse ihn nicht dort zurück“, meinte Rodney geradeheraus. „Ich habe schon einmal sein Leben durcheinander gebracht. Das mache ich nicht noch einmal. Sorgen Sie nur dafür, dass das Fenster zwischen den beiden Universen offen bleibt, egal, was Sie tun. Falls Sie es schließen, finden Sie das richtige vielleicht nie wieder und wir sind dort für immer verloren. Aktivieren Sie den Strahl alle dreißig Minuten, aber lassen Sie ihn nicht länger als zwei Minuten eingeschaltet.“
Mit diesen Worten rannte er zu dem abgeklebten Gebiet, holte tief Luft und warf sich in den Strahl.
***
Lieutenant Colonel Sheppard befand sich im Trainingsraum beim Sparring mit seinem Spiegelbild. Er hatte ein paar gute Bewegungsabläufe von dem anderen Mann gelernt und sie beide genossen es, mit jemandem zu trainieren, dessen Fähigkeiten den eigenen so ähnlich waren. John zuckte seine Stöcke und grinste, näherte sich dem General. Der andere Mann grinste zurück, seine Zähne blitzend, und er vollführte eine perfekte kleine Drehung mit seinen Stöcken als Antwort. John machte eine Finte vorwärts und der General warf sich seitwärts. John hob seine Stöcke, entdeckte eine kleine Lücke in der Verteidigung des anderen Mannes und ging ran, um seinen Vorteil daraus zu ziehen ... als plötzlich der General auf seine Knie sank, ein Heulen ausstieß, welches das Blut gefrieren ließ und an seine Brust fasste.
„General?“ John warf seine Stöcke beiseite und rannte zu ihm.
Des anderen Mannes Gesicht war ein Bild der Agonie. Sein Kopf war zurückgeworfen und er starte leer an die Decke, Venen wölbten sich in seinem Hals, sein Mund aufgerissen in einem stummen Schrei.
„General?!“ Nachdrücklich packte John die Schultern des anderen Mannes.
„Rodney“, flüsterte der General in heiserem, gequältem Ton. „Oh, Gott ... oh, nein ... Rodney!“
Er sank auf den Boden zurück, wand sich vor Schmerzen.
Hastig berührte John sein Funkgerät.
„Medizinischer Notfall! Carson, ich brauche Sie im Trainingsraum – sofort!“ rief er, wendete seine Aufmerksamkeit wieder dem General zu. „General, was ist los? Bist du verletzt?“
John riss das Hemd des anderen Mannes auf, da gab es jedoch kein Anzeichen auf eine Verletzung. Noch immer verkrallte er sich in seiner Brust und rollte auf der Übungsmatte hin und her.
Ein paar Sekunden später traf Carson ein und rannte zu ihnen. Er schubste John aus dem Weg und kniete neben dem General nieder.
„Was ist los? Ist es sein Herz?“ erkundigte sich John ängstlich. „Eine Minute ging es ihm gut und dann brach er einfach zusammen. Es war, als ob er angeschossen worden wäre.“
„Es ist nicht sein Herz“, sagte Carson, blickte finster auf. „Das klingt gut – ein bisschen schnell, aber er hat schreckliche Schmerzen.“
„Was ist es dann?“ wollte John wissen, starrte hilflos auf das verzerrte Gesicht, das so sehr dem seinen ähnelte.
„Um ehrlich zu sein, ich habe keine Ahnung“, erklärte ihm Carson. „Wir schaffen ihn in die Krankenstation und machen ein paar Tests.“
„Nein!“ sagte der General, versuchte, sich rüber zu rollen und auf seine Füße zu taumeln.
John kniete neben ihm nieder und schob ihn zurück.
„Du bist nicht in der Verfassung, irgendwohin zu gehen“, erläuterte er seinem Gegenspieler.
„Nein ... du verstehst nicht ...“, zischte der General, sein Gesicht rot, seine Augen hervortretend vor Qual. Er packte Johns Handgelenk. „Es ist Rodney ... er wurde schwer verletzt ... kann es durch das Lebensband fühlen ...“
„Moment mal“, sagte Carson, schüttelte seinen Kopf. „Du behauptest, dass du Rodneys Verletzung spürst – dass er Schmerzen hat?“
„Ja“, wisperte der General heiser. „Hilf ihm, John. Oh, Gott!“ Er knallte seinen Kopf auf die Matte. “Oh, Scheiße … er stirbt. Hilf ihm!“
Er rollte sich zu einem Ball zusammen und stieß ein tiefes, animalisches Stöhnen aus, das einen Schauder Johns Wirbelsäule hinaufjagte.
„Tun Sie für ihn, was Sie können“, sagte er Carson, sprintete dann aus der Tür und rannte durch die Korridore zum Labor.
Er stürmte durch die Tür, fand Radek beim QDG stehend, zitternd, völlig allein.
„Radek?“ verlangte er, kam beim QDG rutschend zum Stehen. „Wo sind sie? Wo sind sie hin?“
„Es gab einen Unfall“, wisperte Radek. „Rodney Sheppard ... er fiel in den Strahl von dem QDG, als wir es testen wollten. Er ging durch das Fenster in ein anderes Universum ...“
Er nickte zu der abgeklebten Stelle und John sah ein gespenstisches Loch im Stoff ihrer Realität, voller Schatten und nur dem Hauch von Geräuschen.
„Unser Rodney ging ihm nach. Er sagte mir ... er befahl mir, den Strahl abzuschalten, um Energie zu sparen, aber das Fenster offen zu lassen, damit wir nicht den Kontakt mit dem Universum verlieren, in dem sie sich befinden. Ich soll den Strahl alle dreißig Minuten wieder einschalten und er wird versuchen, sich und den anderen Rodney in Position zu bringen, damit sie zurückgeholt werden können.“
„Rodney Sheppard ist schwer verletzt. Er braucht dringend medizinische Behandlung“, sagte ihm John. „Wir müssen diesen Strahl sofort wieder einschalten.“
„Kann ich nicht!“ protestierte Radek. „Die Kristalle würden ausbrennen. Sie brauchen dreißig Minuten, um sich wieder aufzuladen.“
„Dreißig Minuten könnten zu spät sein!“ brüllte John.
„Rodney gab mir sehr genaue Instruktionen. Falls wir die Kristalle ausbrennen, können wir vielleicht keinen von beiden zurückholen“, erklärte ihm Radek mit ängstlicher Stimme.
John starrte ihn an.
„Verdammt!“ brüllte er schließlich, knallte seine Faust auf den Labortisch.
Radek zog sich zum QDG zurück.
„Okay ... in Ordnung. Halten Sie das verdammte Fenster offen, was Sie auch tun. Ich stelle ein Team zusammen. Falls sie nicht sofort zurückkommen, wenn Sie den Strahl wieder aktivieren können, dann gehe ich rein und hole sie“, knurrte John.
Er raste in die Krankenstation, sah Carson seinen Gegenspieler an einen Monitor anschließen.
„Konnten Sie ihm helfen?“ fragt er.
Carson schüttelte seinen Kopf und breitete hilflos seine Arme aus.
„Ihm fehlt nichts, Colonel. Ich habe ihm Schmerzmittel gegeben, aber sie helfen überhaupt nicht. Alles, was mir noch einfällt, ist, ihm ein Sedativ zu geben und ihn komplett auszuknocken.“
„Nein!“ krächzte der General, griff aus und umklammert Johns Arm. „Falls du das machst, kann ich Rodney nicht helfen. Ich bin alles, was ihn im Moment am Leben hält.“
„Woher weißt du das?“ erkundigte sich Carson, stellt sich neben den General, ein besorgtes Stirnrunzeln in seinem Gesicht.
„Er wurde schwer verletzt. Ich gebe ihm meine Kraft. Falls du mich sedierst, kann ich ihm nicht helfen und er wird sterben“, zischte der General, krallte immer noch nach seiner Brust. „John ... wo ist er?“ fragte er, starrte John verzweifelt an. „Warum hast du ihn nicht hergebracht, damit Carson ihn behandeln kann? Er hat so schreckliche Schmerzen.“
„Er ist nicht hier, General“, erklärte ihm John. „Es gab einen Umfall mit dem QDG. Unser Rodney ging ihm nach, also hat er jemanden bei sich, der sich um ihn kümmert. Ich werde ein Team zusammenstellen, wir gehen rein und holen sie.“
„Geh“, keuchte der General. „Bring sie heim, John. Bring sie beide zurück für uns.“
„Das werde ich“, sagte John leise, „ich verspreche es.“
Nächstes Kapitel: Drei Rodneys
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