Rating: NC-17
pairing: Sheppard/McKay
Warnung: Domination/Unterwerfung, BDSM, Prügel, Kinks, teilweise dunkle
Themen
Inhalt: Ein Unfall mit einem Antiker-Gerät saugt einen John und einen Rodney
aus einem alternativen Universum nach Atlantis - und sie haben völlig andere
Ansichten über Sex, Heirat und Beziehungen
John befreite sich von seiner Konsole und ging ins Heck des Jumpers, wo Rodney immer noch lag, wie sie ihn zurückgelassen hatten.
„Sind wir schon zu Hause?“ fragte Rodney, seine Augenlider flatterten auf.
John atmete tief ein und setzte sich neben ihn, um den Schaden zu begutachten.
„Noch nicht“, murmelte er. „Wir mussten einen außerplanmäßigen Stopp einlegen. Ich bringe Sie zu Carson, so schnell ich kann, Rodney. Nun, wo tut es weh?“
„Oh, großartig“, seufzte Rodney. „Erst werde ich von verrückten Menschen aufgespießt, die Tierhäute tragen und jetzt habe ich Sie als meinen Privatarzt. Nichts für ungut, Colonel, aber Sie sind nicht wirklich Dr. Beckett.“
„Tja, im Moment bin ich der Beste, den Sie haben“, erklärte ihm John, öffnete den Reißverschluss von Rodneys Jacke und streifte sie vorsichtig von des anderen Mannes verdrehtem Arm.
„Au! Nein, aua!“ protestierte Rodney und sein Gesicht nahm eine kranke Grünschattierung an.
John schaffte es, die Jacke zu entfernen und warf sie auf die Bank.
„Seine Schulter ist verrenkt, weil sie ihn aufgespießt haben“, informierte sie Ronon hilfreich von hinten, von wo er die Vorgänge mit seiner üblichen Aura milden Desinteresses beobachtete. „Sie sollte fixiert werden. Ich könnte das machen.“
„Nein, danke!“ schnappte Rodney. „Ich denke, ich ziehe es vor zu warten, bis wir zurückkommen und es unter voller Anästhesie machen können.“
„Wahrscheinlich würde Sie Carson dafür nicht betäuben“, eröffnete ihm John mit einem Grinsen.
Wenn sich Rodney beklagte, konnte er nicht zu schwer verletzt sein.
Er wendete seine Aufmerksamkeit Rodneys Gesicht zu. Der Wissenschaftler hatte eine große Prellung an seinem Kinn und – noch besorgniserregender – einen tiefen Schnitt auf seiner Stirn, aus dem Blut tropfte. John nahm Rodneys Gesicht in seine Hand, um es zu untersuchen und Rodney hielt unter ihm auf eine Art still, die sich seltsam nett anfühlte. Da lief Blut an der Seite von Rodneys Gesicht runter und John spürte den plötzlichen, überwältigenden Drang, sich vorzubeugen und seine Zunge dagegen zu pressen, um das Rinnsal zu stoppen, wie er es vorhin zwischen dem General und seinem Rodney gesehen hatte. Der Impuls war so stark, dass er sich sich bewegen fühlte. Er wollte Rodney niederhalten und ... etwas ... tun. Er war nicht sicher, was.
„Was zur Hölle tun Sie da?“ protestierte Rodney, legte eine Hand auf Johns Brust, um ihn zurückzuhalten.
Erschrocken kam John zu einem Halt und erkannte, dass sein Mund nur Zentimeter von Rodneys Stirn entfernt war.
„Bloß ... sehen“, sagte John nicht überzeugend.
„Sah mehr nach Schnüffeln aus“, meinte Rodney misstrauisch.
Rasch erhob sich John und wandte sich an den General. „Dieser Schnitt ist ziemlich tief. Könntest du nicht – du weißt schon, dieses Ding machen, das du vorhin abgezogen hast?“ fragte er. „Dieses Kaeira oder wie auch immer du es genannt hast.“
Der General warf ihm einen überraschten Blick zu.
„Nein. Das würde nicht funktionieren“, sagte er kopfschüttelnd.
„Wieso nicht, zum Teufel?“ wollte John wissen. „Es hat bei deinem Rodney geklappt.“
„Da liegt daran, dass wir ein Lebensband haben“, antwortete der General, befingerte den Anhänger an seinem Hals. „Ich kann nur Rodney heilen und er kann nur mich heilen – so funktioniert es. Ich kann nicht einfach jeden heilen.“
„Könnte ich ihn heilen?“ fragte John, sah zu seinem Rodney zurück, der sehr blass aussah und eindeutig einen Schock hatte.
„Nicht, wenn ihr kein Lebensband habt“, antwortete der General. „Und ich denke wirklich nicht, Dr. McKay könnte dieses Ritual im Moment ertragen. Er ist zu schwach. Abgesehen von allem anderen ist es nicht etwas, das du in der Hitze des Moments überhasten kannst. Es braucht Vorbereitung und du musst dich mental am richtigen Ort befinden. Außerdem ... bedeutet der Name genau das, was es ist. Ihr wärt euer Leben lang gebunden. Er wäre dein und du wärst sein und irgendwie bin ich nicht sicher, dass ihr schon dazu bereit seid.“
„Wovon zur Hölle sprichst du?“ murmelte Rodney erschöpft hinter ihm.
„Nichts. Nur ... die Optionen prüfen“, gab John zurück, fühlte sich wieder zornig, obwohl er dieses Mal nicht einmal wusste, warum.
Er hatte nicht den speziellen Wunsch, sich mit Rodney ein Leben lang zu binden, was immer zum Teufel das auch beinhaltete, aber gleichzeitig war da ein Teil von ihm, der den Gedanken mochte, dass Rodney ihm gehörte, komplett und unwiderruflich. Er fühlte sich deswegen schuldig, weil Rodney verletzt war, aber verdammt, er mochte, wie sich Rodney gerade vorhin unter ihm angefühlt hatte, als er still gehalten hatte, während John ihn untersuchte.
„Kaeira ist vielleicht auch nicht, was du denkst“, sagte ihm der General leise. „Ich habe Rodney nicht geheilt – wir teilten uns die Wunde bloß, um die Auswirkungen zu lindern. Schau.“
Er zog den Kragen seiner Jacke zur Seite, enthüllte eine schwache, rote Marke an seinem Hals, sehr ähnlich der an Rodneys Kehle.
John starrte den General wie gelähmt an. Gerade, wenn er dachte, dass er diese Männer verstand, dass er langsam begriff, wie das zwischen ihnen funktionierte, entdeckte er etwas wie das – etwas, das zeigte, wie unterschiedlich sie und ihre Universen waren.
„Das haben wir nicht, was immer es ist“, sagte John. „Davon habe ich in diesem Universum nie gehört.“
„Nur, weil du nie davon gehört hast, bedeutet das nicht, dass es hier nicht existiert“, wies Rodney Sheppard hin. „Es funktionierte für uns, trotz der Tatsache, dass wir nicht hier sein sollten. Während wir uns hier aufhalten, sind wir den Gesetzen eures Universums unterworfen, falls also Kaeira in unserem Universum einzigartig wäre, sollte das hier nicht möglich sein, war es aber, schließlich haben wir es gemacht. Nicht, dass ich vorschlage, du gehst das Lebensband mit McKay ein, um ihm zu helfen. Ehrlich gesagt, so, wie es zwischen euch beiden im Moment läuft, würdet ihr euch wahrscheinlich während des Bindungs-Rituals gegenseitig umbringen, aber ...“
„Okay, Rodney. Ich denke, du hast das ausreichend erklärt“, mischte sich der General ein.
„Meine ja nur“, zuckte Rodney Sheppard seine Schultern.
„Sehen Sie, mir ist egal, welche Art von Heilungs-Voodoo die haben“, sagte Rodney hinter ihm, „aber ich habe ernsthafte Probleme mit all diesem Gerede über Lebensbande. Könnt ihr alle einfach die Klappe halten und mich schlafen lassen?“
John fuhr herum.
„Nein“, sagte er eisern. „Das einzige, was Sie gerade jetzt nicht tun können, ist schlafen, Rodney. Sie haben eine Gehirnerschütterung. Die letzten paar Stunden sind Sie immer wieder in die Bewusstlosigkeit und wieder raus gedriftet und Sie müssen bei uns bleiben. Ich will nicht, dass Sie in ein Koma fallen, bis wir Sie zu Carson zurückschaffen können.“
„Ich denke wirklich nicht, dass es so schlimm ist“, meinte Rodney, setzte sich kerzengerade auf, um John intensiver anzustarren ... ein Effekt, der ruiniert wurde, als sein Gesicht grün wurde und er sich vornüber beugte, sich auf den Boden des Jumpers übergab.
John winselte. „Lehnen Sie sich einfach zurück und bewegen Sie sich nicht“, sagte er, setzte sich neben Rodney und legte eine feste Hand auf seine gute Schulter, streichelte ihn, um ihn zu beruhigen. „Ronon, bring mir eine medizinische Ausrüstung. Sieht aus, als müssten wir die Dinge auf die altmodische Art erledigen“, seufzte er.
John brachte es fertig, es Rodney bequem zu machen, überprüfte dann den Inhalt des Medizinkoffers.
„Halten Sie still und versuchen Sie, für mich ein besserer Patient zu sein, als Sie es für Carson sind“, tadelte er, drückte eine antiseptische Lotion auf die Wunde an Rodneys Stirn.
Rodney zog eine Grimasse, hielt jedoch still, während John die Wunde reinigte, danach eine Bandage anbrachte und sie befestigte. Der Schnitt war tief und John bezweifelte, dass die Bandage die ganze Nacht die Blutung stillen würde, es war jedoch das beste, was er tun konnte.
Rodney legte sich zurück, nachdem er fertig war und schloss seine Augen. Er sah nicht gut aus. John stieß sein Bein an.
„Augen auf, Rodney. Sie müssen wach bleiben, erinnern Sie sich?“
„Dann halten Sie mich wach!“ fauchte Rodney.
John betrachtete die versammelte Gesellschaft. Sie waren alle müde, hungrig, zerzaust und verzweifelt und wollten nichts mehr, als heim zu kommen. Stattdessen steckten sie hier für die Nacht mit einem verletzten Teammitglied fest. Teyla saß vorne an einer der Konsolen, ihr Haar verwirrt, während ein lehmverschmierter Ronon auf dem Boden saß, eine Arme lose um seine Knie geschlungen. Der General und sein Rodney saßen auf der gegenüberliegenden Bank und waren die einzigen, die annähernd bequem aussahen, dachte John. Rodney Sheppard lehnte an seines Ehemannes Schulter und der General hatte einen Arm um ihn gelegt, streichelte zärtlich seinen Nacken mit einem langen Zeigefinger.
Seufzend wünschte er, er könnte das jetzt mit seinem eigenen Rodney machen – und nicht von einer fauchenden, knurrenden Handvoll wütenden Wissenschaftlers begrüßt werden. Auf keinen Fall würde sich sein Rodney je so gegen ihn lehnen.
Er bemerkte, dass seines Rodneys Augen zufielen und stupste ihn neuerlich an, handelte sich ein wütendes Starren von dem Wissenschaftler ein.
„Okay, wir müssen über etwas reden“, sagte John. „Irgendwas. Nur, um McKay wach zu halten.“
„Wir könnten darüber sprechen, was für ein Riesenreinfall diese Mission war“, murmelte Rodney Sheppard. „Ernsthaft, gab es auch nur einen, der nicht Mist gebaut hat? Ich wurde als Geisel genommen.“
„Ich habe die Männer, die uns angriffen, nicht gesehen und war daher nicht in der Lage, euch rechtzeitig zu warnen“, meinte Teyla mit einem Seufzen.
„Ich habe es unterlassen, dem Colonel alle Einzelheiten über unseren eigenen Ausflug zu diesem Planeten zu erzählen“, sagte der General.
John nickte ihm zu, froh, dass der andere Mann groß genug war, das einzugestehen.
John erkannte, er war tatsächlich ein bisschen erleichtert herauszufinden, dass sein Gegenstück Fehler machte. Er hatte ihn auf so etwas wie ein Podest gestellt und es war gut zu wissen, dass der Mann doch nur menschlich war.
„Und ich gab Ronon Befehle, die sich in der Praxis als nicht zu gut herausstellten“, gab John zurück
Der General nickte zu ihm zurück und sie teilten einen Moment ruhigen Verständnisses.
„Ich habe nichts vermasselt“, sagte Rodney McKay.
„Oh, und wie du das hast“, schnaubte sein Ebenbild. „Der Colonel hat dir gesagt, aus dieser Kammer zu verschwinden und das hast du nicht gemacht.“
„Ja, na schön, ich habe bemerkt, wie du dort raus gerannt bist in der Minute, als der Colonel dir sagte zu springen. Du hast mich im Stich gelassen“, schimpfte Rodney.
„Und wenn Sie das selbe getan hätten, hätten wir Sie vielleicht nicht retten müssen“, warf John ein, fragte sich, wie lange der General gebraucht hatte, seinem Rodney diese grundlegenden Regeln, die er erwähnt hatte, einzuhämmern und ob er ähnlichen Erfolg hätte, falls er es versuchen würde.
„Oh, großartig. Jetzt ist das alles meine Schuld“, meckerte Rodney. „Schon klar. Gebt dem Sterbenden die Schuld. Er kann sich nicht wehren.“
„Sie sterben nicht“, schnappte John. „Und Sie scheinen sich recht erfolgreich zu wehren. Diese Kopfwunde macht Sie nicht langsamer, wenn es ums Beklagen geht.“
„Im Moment habe ich eine Menge Gründe, mich zu beklagen“, schoss Rodney zurück.
„Ja, na schön, willkommen im Club.“
„Und was haben Sie gemeint, Ronon Befehle gegeben zu haben, die sich in der Praxis als nicht gut herausstellten?“ wollte Rodney wissen.
Unbehaglich rutschte John herum.
„Ich sagte ihm, bei Dr. Sheppard zu bleiben, ihn nicht allein zu lassen“, murmelte er.
Rodney starrte ihn einen Moment an, dann schlug die Erkenntnis zu und John war überrascht, einen Ausbruch schieren, nackten Schmerzes in des Wissenschaftlers Augen blitzen zu sehen.
„Richtig. Fein“, murmelte Rodney, sah John aus einem Paar verletzter Augen an.
John winselte, wusste genau, was im Moment in Rodneys Gehirn vorging und dass er überzeugt war, an der letzten Stelle von Johns Prioritäten-Liste zu stehen. Die Wahrheit war so sehr das Gegenteil, dass John sich völlig verwirrt fühlte. Hilflos starrte er Rodney an, wünschte, er könnte ihm das erklären.
„Oh, Gott“, sagte Rodney Sheppard mit einem Unterton zu seinem Gatten. „Ehrlich, manchmal ist das qualvoll mitanzusehen.“
„Shh“, gab sein Ehemann zurück. „Sie kommen schon dahinter.“
„Da gibt es absolut nichts, um dahinter zu kommen“, schnappte Rodney McKay.
Jeder starrte jeden böse an.
„Ich habe nichts falsch gemacht“, sagte Ronon.
Alle sahen ihn an.
„Na ja, habe ich nicht“, zuckte er seine Schultern.
„Er hat recht“, sagte John. „Du bekommst den Goldenen Stern der Mission, Ronon.“
Ronon setzte sich zurück, sah selbstzufrieden aus.
„Warte, warte, warte!“ Rodney setzte sich zu hastig auf und schwankte, das Blut entwich aus seinem Gesicht.
John legte eine Hand auf seinen Arm. „Langsam, Rodney. Nehmen Sie’s leicht.“
„Ich wusste, ich habe es nicht vermasselt – ich habe die Kristalle!“ sagte Rodney. „In meiner Jackentasche.“
Ungeduldig schnippte er seine Finger und zeigte auf seine Jacke. John reichte sie ihm. Aufgeregt fischte Rodney in der Innentasche herum und zog eine Handvoll Kristalle heraus ... alle zerbrochen. Rodneys Gesicht verzog sich.
„Verdammt“, murmelte er. „Müssen zerbrochen sein, als sie mich ausknockten“, sagte er, sah vollkommen hoffnungslos aus. „Tut mir leid“, murmelte er in Richtung des Generals und des anderen Rodney. „Wäre schön gewesen, wenn sie okay wären. Hätte euch innerhalb von ein paar Tagen heimschicken können.“
„Sie haben es versucht, Rodney“, sagte ihm John, schüttelte seinen Kopf.
„Und versagt“, meinte Rodney.
Er legte sich wieder zurück, die zerschmetterten Kristalle fielen aus seinen Fingern auf den Boden des Puddle Jumpers. Er sah derart verzweifelt aus, dass John wünschte, er könnte einen Arm um ihn legen und ihn an sich ziehen.
Der General lehnte sich vor und schenkte Rodney ein sanftes Lächeln.
„Es ist okay, Dr. McKay. Es wäre nett gewesen, heim zu kommen, aber wir haben nichts dagegen, ein bisschen länger herumzuhängen. Irgendwie werden wir das QDG reparieren. Ich habe vollkommenes Vertrauen in meinen Ehemann und dich. Wenn das jemand schafft, dann ihr beide.“
„Ja, weil er so verdammt perfekt ist“, knurrte Rodney, sah seinen Doppelgänger wütend an. „Er hat niemanden gegen seinen Willen aus seinem Universum gezogen. Und er hüpfte wie ein Hase, als er aus der Kammer befohlen wurde. Deshalb wurde er nicht gefangen, niedergeschlagen, an eine Stange gefesselt und kilometerweit über schlammige Felder geschleppt und danach von blutdurstigen Außerirdischen auf einem Opferaltar niedergebunden.“
Der General grinste breit, was John für ziemlich nett hielt, wenn man Rodneys Ausbruch bedachte.
„Er ist nicht perfekt. Ich genauso wenig. Wir haben beide in unserem Universum Mist gebaut“, erklärte er Rodney.
„Tatsächlich? Wie? Wir haben uns einige Zeit zu vertreiben und ich bin ganz Ohr“, sagte Rodney, schlang seinen guten Arm um seine Brust und starrte den General erwartungsvoll an. „Ich könnte im Moment etwas Unterhaltsames vertragen.“
Der General sah zu seinem Gatten.
„Hast du etwas dagegen, wenn ich die Geschichte erzähle?“ fragte er.
Dr. Sheppard kaute bedrückt auf seiner Lippe. „Ich erinnere mich nicht gern daran“, murmelte er.
„Das klingt immer reizvoller“, meinte Rodney mit fröhlichem Tonfall.
Wieder stupste John sein Bein.
„Seien Sie nett“, warnte er. „Das ist ein sehr kleines Schiff und wir müssen einige Stunden gemeinsam darin verbringen.“
„Tja, die waren derart selbstgerecht, seit sie hier ankamen!“ explodierte Rodney. „In unserem Universum haben wir keine Probleme mit seltsamem, schwulem Ledersex. In unserem Universum sperren wir die Leute nicht ein. In unserem Universum sind wir nicht sexuell verklemmt wie ihr Leute“, parodierte er. „Wir saugen Menschen nicht gegen ihren Willen aus ihrem eigenen Universum. Dafür sind wir viel zu schlau. Und in unserem Universum tragen wir gerne Halsbänder und Leinen und haben andauernd Sex mit Hilfe von Tuben voller Gleitmittel.“
„Was?“ John hob eine Augenbraue.
Rodney errötete.
„Ich bat ihn gestern um Gleitmittel. Das schien ihn zu verstören“, erläuterte der General.
John musste ein Grinsen verbeißen, als er sich vorstellte, wie Rodney darauf reagiert hatte.
„Schau, Dr. McKay, es tut mir leid, falls du meinst, wir nutzen unsere Stellung aus. Das ist keine Absicht. Es ist nur so, dass wir in unserem Universum gewöhnt sind, die Dinge auf eine bestimmte Art zu machen und es ist schwer, sich anzupassen“, sagte der General in versöhnlichem Tonfall. „Aber, vertrau mir, wir sind nicht perfekt.“
„Es war Duranda“, warf Rodney Sheppard überraschend ein. „Die Arcturus-Waffe? Das ist die Geschichte, die er erzählen will.“
„Oh. Das.“ Rodney wurde ungewöhnlich still.
„Ich überredete John, mich wieder an der Waffe arbeiten zu lassen. Er überredete Mylady Elizabeth.“ Rodney Sheppard biss in seine Lippe. „Wir bliesen das halbe Sonnensystem weg und Lady Elizabeth war wirklich, wirklich wütend“, winselte Rodney Sheppard. „Es war ein gewaltiger Misserfolg.“
„Oooch, hat Daddy dich verprügelt?“ erkundigte sich Rodney in weniger freundlichem Ton.
„Nein“, antwortete Rodney leise, warf dem General einen Blick zu. „Nein, hat er nicht. Ich denke immer noch, er hätte es tun sollen, aber das ist seine Entscheidung.“
„Es war nicht seine Schuld“, sagte der General ruhig, lehnte sich zurück und legte neuerlich einen Arm um seinen Ehemann, zog ihn an sich. „Ich weiß, wie er ist, wenn er von etwas intellektuell erregt wird und ich wusste, was in ihm vorging. Ich war einverstanden, seine Bitte Lady Elizabeth vorzutragen. Ich unterstützte ihn. Es war meine Verantwortung, als es schief ging, nicht Rodneys.“
„Was ist also passiert?“ fragte John, fasziniert von diesem kleinen Blick in die Funktionsweise ihrer Gesellschaft.
„Lady Elizabeth wollte, dass ich ihn bestrafe“, antwortete der General. „Das war ein riesiger Fehler, in der Öffentlichkeit begangen. Und sie dachte, er sollte öffentlich gezüchtigt werden.“
„Oh, mein Gott“, hauchte Rodney. „Ihr Leute seid wirklich krank.“
„Willst du die Geschichte hören oder nicht?“ schnappte Rodney Sheppard.
McKay zuckte seine Schultern und lehnte sich zurück. Trotz allem war er offensichtlich interessiert.
„So funktioniert unsere Gesellschaft eben“, erklärte der General. „Mylady Elizabeth war der Ansicht, Rodney verdiente einen öffentlichen Verweis. Das Urteil lautete dreißig Schläge. Als Rodneys Top war ich dafür verantwortlich, die Strafe auszuführen. Während ihr eine Brigg habt, haben wir einen eigenen Bestrafungs-Raum – und jeder kann teilnehmen und zusehen, falls es eine öffentliche Disziplinierung ist.“
„Oh, Gott!“ hauchte Rodney erneut, sah extrem unbehaglich aus.
„Ich weigerte mich, dem Urteil zuzustimmen“, setzte der General fort. „Rodney hat mich nicht angelogen. Ja, wahrscheinlich war er zu begierig, wieder bei der Waffe an die Arbeit zu gehen und ja, er ließ seine intellektuelle Arroganz sein besseres Urteilsvermögen überwältigen. Aber ich wusste all das und habe ihm trotzdem zugestimmt.“
„So ... du hast dich geweigert, ihn zu bestrafen?“ sagte John langsam.
„Ja“, nickte der General.
„Bedeutet das, jemand anderer musste es machen?“ fragte John.
„Nein! Ich würde nicht zulassen, dass ihn jemand anfasst!“ rief der General in entsetztem Ton.
„Was geschieht also in dieser Situation?“
„Was denkst du?“ fragte der General zurück.
Jedes Puzzleteil fiel auf seinen Platz – Rodney Sheppards offensichtliche Verzweiflung bei dem Gedanken, dass diese Geschichte erzählt wurde und was der General ihm am Vortag gesagt hatte, dass John etwas von der Schuld an ihrem eigenen Arcturus-Desaster auf sich nahm. John errötete.
„Du hast die Strafe an seiner Stelle übernommen“, sagte er leise.
„Stimmt“, nickte der General.
Rodney Sheppard stieß ein leises Geräusch tief in seiner Kehle aus und schmiegte sich enger an seinen Ehemann. Zärtlich streichelte der General seinen Arm.
„Ich vermute, das muss ... irgendwie erniedrigend gewesen sein.“ John verzog sein Gesicht.
„War es. Ich bin der höchstrangige Top in der Basis, abgesehen von Mylady Elizabeth“, sagte der General mit einem Seufzen. „Außerdem leite ich die militärischen Operationen und ich überwache alle militärischen Disziplinierungen, daher war das eine verdammt erniedrigende Situation. Es war keine leichtfertig getroffene Entscheidung, aber ich konnte nicht mit gutem Gewissen zulassen, dass Rodney die ganze Schuld auf sich nahm. Es wäre nicht richtig gewesen. Ich wusste, ich habe mich entgegen meines besseren Wissens überreden lassen. Und das war mein Fehler, nicht seiner.“
„Was ist passiert?“ wollte John wissen. „Wer hat dich gezüchtigt? Rodney?“
„Nein!“ grinste der General. „Nein, so funktioniert es nicht in unserem Universum, John. Wie ich sagte, Lady Elizabeth ist der höchstrangige Top, aber sie liefert Bestrafungen selten selbst. Sie überlässt das Peter, so wie ich Lorne das beim militärischen Personal durchführen lasse. Ehrlich gesagt haben sie und ich genug zu tun, ohne auch das überwachen zu müssen.“
„Peter Grodin?“ fragte Rodney McKay stirnrunzelnd. „Ich dachte, du sagtest, er wäre ihr Sub?“
„Er ist ein Wechsler“, antwortete Rodney Sheppard. „Es funktioniert für ihn – er subt für Elizabeth in ihrer privaten Beziehung und ist ziemlich herrisch mit dem Rest von uns als Teil seines Jobs. Auf jeden Fall scheint er glücklich zu sein.“
„Eure ganze Gesellschaft ist einfach schwer verständlich für uns“, erklärte John dem General, schüttele seinen Kopf.
„Dann wirst du verstehen, dass wir das selbe über euer Universum empfinden“, gab der General zurück. „Mylady Elizabeth akzeptierte meine Entscheidung, die Züchtigung an Rodneys Stelle zu übernehmen. Ich meldete mich um Elf am folgenden Morgen im Bestrafungsraum und es fand statt.“ Er zuckte seine Schultern.
„Niemand kam zusehen“, fügte Rodney Sheppard in stolzem Ton hinzu. „Sie alle mögen und respektieren ihn zu sehr. Niemand wollte seine Erniedrigung sehen. Es waren nur Elizabeth und Peter anwesend.“
„Und das sind zwei meiner engsten Freunde, deshalb war es nicht zu schlimm“, setzte der General nach.
John runzelte seine Stirn. „Wenn sie gute Freunde sind, hätte ich gedacht, es wäre sogar schlimmer“, kommentierte er.
„Nein. Niemand mochte es, am wenigsten ich, glaub mir“, lachte der General. „Aber es wurde rasch und ruhig erledigt, mit einem Minimum an Getue. Dann durfte ich in mein Quartier zurückgehen und Rodney verbrachte den ganzen Tag damit, es in verschiedenen, extrem erfinderischen Wegen wieder gut zu machen, daher war es nicht nur schlimm.“ Zärtlich grinste er seinen Gatten an.
„Verrückt. Vollkommen wahnsinnig“, murmelte Rodney McKay vor sich hin.
„Ich denke, es ist sehr romantisch“, widersprach Teyla. „Ihr müsst einander sehr lieben.“
Der General und Dr. Sheppard grinsten einander an und Rodney seufzte schwer.
„Oh, um Himmels Willen, ermutige sie nicht“, murmelte er, schloss seine Augen.
Wieder schubste ihn John, um ihn wach zu halten.
„Ich denke, es ist eine hübsche Geschichte“, meinte er.
„Na schön, ich habe nicht bemerkt, dass Sie sich freiwillig meldeten, um meinen Platz in Elizabeths Büro zu übernehmen, als sie mich für die selbe verdammte Mission in unserem Universum fertig machte“, fauchte ihn Rodney an.
„Tja, das liegt daran, dass Sie und ich nicht verheiratet sind und ich keine Blow Jobs von Ihnen bekomme“, gab John zurück, genoss den schockierten Ausdruck, der über Rodneys Gesicht huschte.
„Agh. Diese Leute haben einen schlechten Einfluss auf Sie, Colonel“, eröffnete ihm Rodney steif.
John grinste und begann zu lachen. Er konnte sich nicht zurückhalten. Der General schloss sich an, danach Ronon und dann lachten alle – ausgenommen Rodney McKay, der mit einem Gesicht wie eine saure Zitrone dasaß.
***
Die Nacht dauerte an, lang und ermüdend, und Blut begann, durch Rodneys Bandage zu sickern. John konnte sehen, dass der Wissenschaftler schwächer wurde. Inzwischen war sein Gesicht so blass wie das eines Wraith und er hörte allmählich auf zu sprechen, obwohl er sich immer noch redlich bemühte, wach zu bleiben.
„Hey ... Zeit, diesen Verband zu wechseln“, sagte John sanft, stupste ihn.
„Müde ...“, murmelte Rodney, seine Augen rollten in seinen Kopf zurück.
John fing seinen Kopf ein, als er zur Seite fiel.
„Bleiben Sie bei uns, Rodney“, sagte er mit tiefer, fester Stimme.
Rodneys Augenlider flatterten zu, öffneten sich dann mit großer Mühe wieder.
„Nur ein Schläfchen?“ bat er.
„Nein“, antwortete John, entfernte vorsichtig die blutige Bandage und legte eine neue über die Wunde.
„Nicht mal ganz kurz? Ein Nickerchen?“ bat Rodney benebelt.
John nahm sein Gesicht fest zwischen seine Hände und blickte in Rodneys verwirrte, blaue Augen. „Nein. Bleiben Sie bei mir, Rodney!“
„Verdammt, John, ich bin müde“, murmelte Rodney.
John starrte ihn an. Das war das erste Mal, dass Rodney ihn beim Vornamen angesprochen hatte, deshalb wusste er, des Wissenschaftlers Zustand musste ernst sein. Rodney würde nur erlauben, dass seine Wachsamkeit nachließe, falls er sich zu krank fühlte, um es zu merken.
„Ich weiß, Rodney, ich weiß“, sagte er sanft, seine Daumen strichen zärtlich über Rodneys Wangen. „Es wird nicht mehr lange dauern. Haben Sie Schmerzen?“
„Nur ... kalt“, sagte Rodney, seine gesunde Hand kam hoch, ruhte auf Johns Handgelenk.
„Christus, Rodney, sie sind eiskalt“, sagte John.
„Er hat einen Schock“, sagte der General, verließ seine Bank und kam rüber, um sich den Wissenschaftler anzusehen. „Wir brauchen Decken.“
Er wühlte durch die Überlebensausrüstung, die unter den Bänken verstaut war, fischte ein paar Decken heraus und reichte sie John.
John überlegte einen Moment, dann – ohne sich zu sorgen, was Rodney oder jeder andere dachte – kletterte er neben Rodney auf die Bank, zog ihn an sich, sodass der Wissenschaftler an seinen Körper gelehnt ruhte und steckte die Decken um sie beide fest. Rodney war zu weggetreten, um mehr zu tun, als sich leise jammernd zu beklagen, doch John dachte, das lag mehr daran, dass die Bewegung seinem Arm weh tat, als zu protestieren, weil er Johns Körperwärme teilen sollte.
„Jetzt wird Ihnen bald warm werden“, versicherte er ihm.
Er nutzte den Schutz der Decken, um die Tatsache zu verbergen, dass er einen Arm um Rodneys Brust geschlungen hatte und ihn eng an sich drückte. Rodneys Hinterkopf ruhte auf Johns Schulter und trotz der Umstände musste John daran denken, dass er sich dort gut anfühlte. Es fühlte sich richtig an, als ob er dort hingehörte. Er legte seine Wange gegen Rodneys Kopf, bekämpfte all seine Instinkte, des anderen Mannes Haar zu küssen.
Rodney machte es sich an ihn gelehnt gemütlich, sein Körper entspannte sich in Johns Griff – obwohl John sicher war, dass es nur an Rodneys Verletzung lag. Wenn er gesund gewesen wäre, wusste John, der Wissenschaftler hätte ihn so schnell wie möglich weggestoßen.
Eine Stunde verging und die anderen schliefen ein, ließen ihn und Rodney dort liegen, Rodneys Gewicht warm und solide an Johns Brust, beide ins Leere starrend. Immer wieder zitterte Rodney und wimmerte und John fühlte sich hilflos, wusste, er konnte nichts tun, als hier zu sitzen und Rodney bis zum Morgen warm zu halten. Neuerlich senkten sich Rodneys Augenlider und John drückte ihn.
„Aufwachen, Rodney.“
„Kann nicht. Lassen Sie mich einfach schlafen“, antwortete Rodney, seine Augen blieben geschlossen.
John quetschte ihn fester. „Nein. Augen auf – das ist ein Befehl“, sagte er.
„Bin kein Militär“, nuschelte Rodney. „Können mir nicht befehlen.“
„Kann ich wohl. Ich habe das Kommando bei dieser Mission und sie ist noch nicht vorbei, also müssen Sie tun, was ich sage.“ John bewegte seinen Kopf und sprach direkt in Rodneys Ohr, leise, mit einem Unterton. „Augen auf, Rodney. Tun Sie’s für mich. Vertrauen Sie mir.“
Rodney schien einen Moment darüber nachzudenken. Dann, mit einer Willensanstrengung – so groß, dass John sie in jedem Muskel von Rodneys Körper spüren konnte – öffnete der Wissenschaftler seine Augen. John drückte ihn noch einmal beruhigend und hielt ihn umklammert. Er wusste, er sollte sich schuldig fühlen, doch dies war vielleicht die einzige Chance, die er je bekommen würde, Rodney zu halten. Und obwohl er sich Sorgen um des Wissenschaftlers Zustand machte, konnte er nicht anders, als die Gelegenheit zu genießen, ihn in seinen Armen zu halten.
John begann, dummes Zeug in Rodneys Ohr zu flüstern, bloß, um ihn am Laufen zu halten. Er dachte, Rodney hörte zu – immer wieder grunzte er leise oder seine Augen weiteten sich, als ob er folgen würde, worüber John sprach. Es war nichts besonders Interessantes – bloß ein Mischmasch aus Fakten über sein Leben und jeder streunende Gedanke, der seinen Kopf durchdrang.
„Wussten Sie, dass ich mich übergeben musste, als ich das erste Mal flog?“ sagte John.
Rodney schaffte ein verzerrtes, kleines Grinsen.
„Fliegerjunge nicht so hart, ha?“ wisperte er.
„Nee – wollte etwas fliegen, irgendwas, während meiner ganzen Kindheit. Und dann, als ich endlich die Chance bekam, übergab ich mich. Musste lange Zeit arbeiten, um die Flugkrankheit zu überwinden“, erzählte John.
Wieder blieb Rodney stumm. John suchte krampfhaft nach einem neuen Konversationsthema.
„Als Kind wollte ich immer einen Hund, aber wir zogen zu oft um. Dad sagte, es wäre nicht fair. Er hatte recht.“
„Hatte einen Hund. Lief weg“, murmelte Rodney. „Katzen einfacher.“
„Ja. Ich mag Katzen auch“, sagte John, erinnerte sich, dass Rodney auf der Erde eine Katze besessen hatte.
Er hatte immer gedacht, es wäre eigenartig, dass jemand, der so reizbar war wie Rodney, ein Haustier hielt – und eindeutig so damit verbunden war. Wo er nun darüber nachdachte, fiel ihm auf, dass Rodney selbst einer Katze ähnelte – voller scharfer Krallen und Fauchen – nicht zu reden von dem zerzausten Fell und der verletzten Würde, wann immer er außer sich war. Er fragte sich, ob es möglich wäre, den Wissenschaftler zu zähmen, dieses aufgeplusterte Fell zu glätten und ihm ein Schnurren zu entlocken. Ihn vielleicht sogar dazu zu bringen, aus seiner Hand zu fressen und um seine Beine zu streichen. Daran hätte er nie gedacht, wenn er nicht gesehen hätte, wie sich Rodney Sheppard mit dem General verhielt.
John warf einen Blick zu der gegenüberliegenden Bank und sah die beiden an, die dort gemeinsam lagen, Seite an Seite, fest schlafend. Der General hatte einen Arm um seines Rodneys Taille geschlungen und sein Rodney drückte sich an ihn, sah vollkommen entspannt aus. Des Generals Kinn ruhte in der Halsbeuge seines Rodneys, so nahe, dass es aussah, als ob er ihn küssen würde und sein Rodney sah glücklich und zufrieden wie eine Katze aus, wie er da in seines Gatten Armen lag. John spürte Neid aufkommen und sah auf seinen eigenen Rodney hinab, wünschte, es könnte das selbe für sie sein.
Rodney brachte es fertig, für den Rest der Nacht wach zu bleiben – mehr aus Eigensinn als alles andere, dachte John, obwohl er sich fragte, ob Rodney auf einer gewissen Ebene auf den Befehl reagiert hatte, den er ihm gegeben hatte und auf seine Bitte, ihm zu vertrauen; seitdem hatte Rodney nicht versucht zu schlafen.
Als die Dämmerung endlich anbrach, verließ John zum ersten Mal Rodneys Seite und wanderte zur Vorderseite des Jumpers, um hinaus zu spähen. Draußen wehten Rauchfahnen vorbei, er sah die übliche Zerstörung und das Blutbad, die eine Ausdünnung begleiteten.
„Arme Bastarde“, sagte der General, trat von hinten heran, streckte seinen langen, schlanken Körper, während er ging.
„Es ist schwierig, so viel Mitleid für sie zu empfinden, wenn man bedenkt, wie sie uns behandelt und was sie Rodney angetan haben“, murmelte John.
„Ja, aber sieh es von ihrer Seite. Es muss für sie aussehen, als ob ihre Götter zornig auf sie sind, weil sie nicht dieses versprochene Opfer dargeboten haben, als wir Rodney letzte Nacht befreiten. Du kannst sicher verstehen, warum ein primitives Volk wie dieses an rachsüchtige Götter glaubt, wenn die Wraith diesen Brauch haben, immer wieder aufzutauchen und sie zu ernten.“
„Ich nehme an, du hast recht, aber im Moment muss ich gestehen, ich sorge mich nicht besonders um sie. Ich will nur Rodney zu Carson bringen“, sagte John, warf einen Blick über seine Schulter, wo der Wissenschaftler auf der hinteren Bank des Jumpers saß.
Rodney hatte vor langer Zeit aufgehört zu sprechen. Und obwohl seine blauen Augen durch pure Starrköpfigkeit von seiner Seite offen blieben, hatten sie schon lange aufgehört, sich auf etwas zu konzentrieren und starrten bloß leer vor sich hin, ahnungslos ob seiner Umgebung.
„Das Gate ist immer noch offen“, beobachtete der General, blickte auf die Konsole.
„Ja, aber die meistern Darts sind verschwunden, es sollte also nicht mehr lange dauern“, meinte John, schnallte sich in seinem Sitz fest. „Festhalten, alle miteinander!“ rief er über seine Schulter. „Weil wir hier weg sind, sobald das Gate frei wird.“
„Rodney, setz dich zu Dr. McKay“, orderte der General. „Sorg dafür, dass er gesichert ist.“
Die nächsten paar Minuten vergingen so langsam, wie John es noch nie empfunden hatte, dann waren plötzlich alle Darts verschwunden und das Gate schloss sich. John knallte seine Hand auf die Konsole und brachte das Schiff senkrecht in die Luft. Neben ihm wählte der General hinaus und John flog geradewegs zum Gate.
„Medizinischer Notfall!“ brüllte John, nachdem sie eine Kommunikationsverbindung aufgebaut hatten. „Wir brauchen Dr. Beckett, sobald wir durch sind.“
Innerhalb von Minuten landeten sie in Atlantis und Sekunden später herrschte eiliges Getümmel. Carson schob sich mit einem medizinischen Team an ihm vorbei und manövrierte Rodney auf eine Tragbahre. John störte die Tatsache, dass Rodney nicht einmal aufschrie, als sie ihn bewegten und er wollte gerade der Trage folgen, als Elizabeth ihn abfing.
„John, was zum Teufel ist passiert?“ verlangte sie zu wissen. „Was ist mit Rodney los? Warum wart ihr so lange weg? Warum blieben Sie nicht in Funkverbindung mit uns? Haben Sie diese Kristalle?“
„Ich ...“ John starrte sie leer an, erkannte, sie verdiente einen vollständigen Bericht, war jedoch unfähig, an etwas anderes zu denken, als an Rodneys Gesundheitszustand.
„Ich kümmere mich um den Bericht“, sagte der General, trat neben ihn und berührte seinen Arm. „Geh, John, ich kümmere mich darum.“
John nickte dankbar und überließ es dem General.
Er rannte den ganzen Weg zur Krankenstation und fand bei seinem Eintreffen Carson um Rodneys bleiche, stille Gestalt huschend.
„Wie geht es ihm?“ erkundigte sich John, eilte an Rodneys Bett.
„Er hat eine Menge Blut verloren. Wir müssen ihm eine Infusion anlegen“, sagte Carson, stach eine Nadel in Rodneys Arm.
„Er hat auch eine böse verrenkte Schulter“, erzählte ihm John.
„Aye, das sehen ich.“
„Keine Ahnung, ob er noch andere Verletzungen hat“, brabbelte John. „Er hat nichts erwähnt, war aber lange Zeit ziemlich neben sich. Ich brachte ihn dazu, wach zu bleiben – weiß nicht, ob es das Richtige war, aber ich dachte, er könnte vielleicht das Bewusstsein verlieren, falls ich ihn schlafen lasse.“
Er sah runter in Rodneys bleiches Gesicht, wollte den Wissenschaftler durch Willenskraft zwingen, okay zu sein. Die dunkelrote Prellung auf Rodneys Kinn stach hervor, grell auf seinem eisigen Gesicht und er sah bereits halbtot aus.
Carson drehte sich von Rodney weg und krachte geradewegs in John.
„Colonel, Sie sind im Weg und das ist nicht hilfreich“, meinte Carson. „Ich will die Krankenstation von allem nicht-medizinischen Personal geräumt.“
„Ich gehe nicht“, erklärte John fest.
„Oh, doch, Sie gehen“, gab Carson genauso eisern zurück.
John sah ihn überrascht an. Normalerweise war Carson eher ein Schwächling, andererseits war John ihm niemals in die Quere geraten, wenn er im Notfall-Modus war und es schien, als wäre dieser Carson ein völlig anderer.
„Wird er es schaffen, Doc?“ fragte John, ging Carson aus dem Weg.
„Falls Sie mich meine Arbeit machen lassen, hat er gute Chancen“, antwortete Carson, schob John rückwärts zur Tür hinaus. „Ich rufe sie, wenn es Neuigkeiten gibt.“
John stand vor der geschlossenen Tür, fragte sich, was zum Teufel er anfangen sollte. Seine Beine fühlten sich wie Gelee an und plötzlich wurde er von einer Welle aus Emotionen getroffen und er klappte zusammen, schnappte nach Luft. Er brauchte ein paar Minuten, um sich zu erholen, taumelte dann weg, benötigte frische Luft.
Er schaffte es zum Süd-West-Pier, seinem Lieblingsplatz, und hielt sich am Geländer fest, während er tief Luft holte.
„Was zur Hölle geschieht mit mir?“ fragte er sich laut, während er versuchte, sich zu beruhigen.
Wo waren die Gefühle hergekommen und wie um alles in der Welt sollte er damit umgehen? So hatte er nie zuvor empfunden, für niemanden und er hätte nie erwartet, ausgerechnet für Rodney so zu fühlen. Lag das nur daran, weil ihre Doppelgänger sich hier aufhielten mit ihrer so deutlich zur Schau gestellten Beziehung? Würden sich diese Gefühle ändern oder kontrollierbarer werden, wenn sie verschwunden waren? Oder steckte er jetzt mit ihnen fest? Falls ja, sah er keine Möglichkeit, weiter mit Rodney zusammen zu arbeiten. Es wäre eine ausgesprochene Folter, den Mann jeden Tag zu sehen, ihn zu wollen und sich so um ihn zu sorgen und nicht in der Lage zu sein, ihn zu haben.
„Hey“, sagte eine Stimme hinter ihm und er blickte sich um, sah den General. „Ich dachte, dass ich dich hier finde. Hier komme ich auch immer her“, erläuterte der General.
„Ja, mein Lieblingsplatz in Atlantis“, murmelte John.
„Wie geht es Dr. McKay?“
„Keine Ahnung. Carson sagte, er würde mir Bescheid sagen, wenn er Neuigkeiten hätte. Er hat viel Blut verloren“, sagte John.
Dann fühlte er es wieder, diese Welle der kraftvollen Emotionen, die ihn vorhin fast überwältigt hätte. Er beugte sich über das Geländer und erbrach scheinbar seine Innereien in das Wasser weit unter ihm. Er spürte des Generals Hand auf seiner Schulter und war dankbar für ihre solide Wärme.
„Verdammt ... was geschieht mit mir?“ zischte John, nachdem er es endlich fertig gebracht hatte, sich irgendwie unter Kontrolle zu bekommen.
„Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen, aber es sieht dem ziemlich ähnlich, was einst mit mir passierte“, antwortete der General.
John richtete sich auf und sah dem anderen Mann in die Augen. „Ich kann es nicht kontrollieren. Es schlägt zu und ich kann es nicht unterdrücken, wie sehr ich es auch versuche. So etwas habe ich noch nie empfunden.“
„Ich weiß. Du bist ziemlich gut darin, alles in deinem Inneren versteckt zu halten, nicht mal ein Kräuseln zeigt sich auf diesem ruhigen, zurückhaltenden Äußeren“, kicherte der General. „Willst niemanden sehen lassen, dass du nicht der coole, lässige Kerl bist, ha?“
„Etwas in der Art“, murmelte John, glitt zu Boden und sank dort zusammen, sein Rücken gegen das Geländer gelehnt.
Der General setzte sich neben ihn, seine langen, lederbekleideten Beine streckten sich neben Johns aus.
„Hier“, sagte er, reichte John einen Kaugummi, den er aus seiner Jacke gefischt hatte. „Sollte den Geschmack vertreiben helfen.“
John akzeptierte ihn dankbar und stopfte den Kaugummi in seinen Mund, um den unangenehmen Geschmack des Erbrochenen zu verbannen.
„So, du wolltest mich während der Mission in Aktion sehen. Du kannst nicht allzu beeindruckt gewesen sein“, sagte John seufzend.
Er hatte diesen Mann wirklich beeindrucken wollen, doch irgendwie war alles furchtbar schief gegangen.
„Im Großen und Ganzen denke ich, du hast gute Arbeit geleistet“, meinte der General vorsichtig. „Sogar die bestgeplanten Missionen können schief gehen und du kannst dich nicht auf alle Eventualitäten vorbereiten. Aber du trägst einen fähigen Kopf auf deinen Schultern, du kämpfst wie ein Krieger und du hast dich um dein Team gesorgt – mit einer auffälligen Ausnahme.“
„Oh, Scheiße.“ John ließ seinen Kopf hängen und starrte auf seine Knie hinab, erinnerte sich an den verletzten Ausdruck in Rodneys Augen, als er ihm von seinen Befehlen an Ronon erzählt hatte. „Ich wollte Rodney nicht im Stich lassen. Ich hatte keine Ahnung, dass es so enden würde“, murmelte er.
„Dann musst du ihm das sagen“, drängte der General. „Wenn er gesund genug ist, es zu hören. Er ist kein Soldat, John, nicht wie du oder Teyla oder Ronon. Er hat deinen Schutz verdient.“
„Ich weiß“, nickte John.
„Und er gibt sich selbst die Schuld, weil sich diese Mission in einen derartigen Misserfolg verwandelt hat“, fügte der General hinzu.
John drehte sich zu ihm um und traf auf ein Paar ernster, brauner Augen, die seinen eigenen beunruhigend ähnlich sahen.
„Das klingt nicht nach Rodney“, meinte John mit einem Schulterzucken. „Immerhin reden wir hier von Mr. Arroganz.“
„Ich weiß.“ Der General zeigte ein schiefes Grinsen und schüttelte seinen Kopf. „Dauerte eine Weile, bis ich es herausfand. Doch wie arrogant er auch ist und wie engstirnig er sein kann, er tendiert immer dazu, seinen Anteil an jeder Schuld zu übernehmen, die herumgeht. Manchmal mehr als seinen Anteil.“
John überlegte einen Moment, nickte dann. Nun, wo er wirklich darüber nachdachte ... Rodney hatte nie gezögert anzuerkennen, wenn er etwas vermasselt hatte und eine Entschuldigung anzubieten.
„Hast du was dagegen, wenn ich dir eine Frage stelle ... wie wurdest du so jung zum General?“ wollte John wissen, weil das etwas war, das ihn wirklich beschäftigte.
„Ich denke, die Frage lautet nicht, wie ich zum General wurde, sondern wie es kommt, dass du deine eigenen Ambitionen betreffend so verwirrt bist“, antwortete der andere Mann mit einer erhobenen Augenbraue. „Sag du es mir, John. Warum bist du deiner Karriere wegen so ambivalent?“
„Ich habe ... Probleme mit der Kommandokette“, erklärte John, verzog sein Gesicht.
„Was ein anderer Weg ist zu sagen, du nimmst nicht gerne Befehle an. Na ja, verdammt, das tue ich auch nicht“, grinste der General. „Soll ich dir sagen, was ich sehe?“ fragte er sanft.
John verspannte sich, unsicher, ob er das hören wollte, doch er wollte nicht den letzten Respekt verlieren, den der andere Mann vielleicht noch für ihn empfand, indem er sich weigerte, seine Meinung anzuhören, daher nickte er.
„Okay, so sehe ich es: du bist gut. Du bist schnell, du sorgst dich um deine Leute und du hast ein exzellentes militärisches Denken“, sagte der General.
John nickte, wartete auf das Aber.
„Außerdem bist du faul“, setzte der General nach.
Wieder nickte John und seufzte. „Ja, ich weiß“, sagte er.
„Ich habe bemerkt, deine Personalakten und Ausrüstungs-Inventarlisten sind nicht so auf dem Laufenden, wie sie sein sollten“, sagte der General.
„Ja, ich hasse dieses Zeug“, zuckte John seine Schultern.
„Aber da ist noch etwas. Es ist nicht so sehr, dass du faul bist, sondern warum du faul bist. Schau, ich denke, dass du niemanden sehen lassen willst, wie sehr du dieses Zeug magst. Alles daran – dein Job, die Menschen hier ... sogar dich selbst. Es ist, als ob du dich aufhältst, damit sie nie das echte Du sehen – dieses“, der General tätschelte Johns Brust. „Den Menschen, der sich gerade über das Geländer übergeben hat. Du wirst nie die nächste Ebene betreten, bis du deine Emotionen kontrollieren kannst, John. Und um sie zu kontrollieren, musst du sie zuerst fühlen.“
„Ich fühle viele davon“, gab John zurück, fühlte sich im Moment ziemlich getroffen.
„Dann besitze sie“, sagte der General, legte den Satz zwischen sie, als ob er eine Herausforderung wäre. „Ich sehe dich an und sehe jemanden, der seit langer Zeit vermieden hat, die Verantwortung für seine Gefühle zu übernehmen. Ich weiß nicht, warum, aber ich kann verstehen, dass es in deiner Gesellschaft auf diese Art einfacher sein könnte. Ihr habt all diese dummen Regeln, um dafür zu sorgen, dass jeder weiß, was er tun und wie er sich anderen gegenüber verhalten muss. Aber wenn du einfach sein könntest, wer du bist, wer du wirklich bist, und diesen Raum in deinem Inneren erleben könntest, dann würdest du nichts von diesem Mist brauchen. Du hast großartige Instinkte, John – das habe ich in dieser unterirdischen Kammer gesehen – aber es ist beinahe, als ob du diesen Teil von dir fürchtest. Du hältst dich zurück. Ich habe es gefühlt und dein Team muss es auch spüren. Und bis du zugibst zu sein, wer du bist und dem nachgehst, was du willst, wirst du es nie zum General schaffen.“
„Sprichst du hier von Rodney?“ fragte John misstrauisch.
„Unter anderem, aber nicht nur von ihm“, nickte der General. „Er ist allerdings Teil des Ganzen. Falls du ihn willst, musst du ihm nach. Das habe ich getan.“
Er lehnte sich zurück und legte mit einem schiefen Lächeln seine Hände hinter seinen Kopf.
„Er war in allen möglichen Schwierigkeiten, als ich ihn das erste Mal traf. Er war unglücklich und, Junge, hatten wir alle darunter zu leiden!“ Er grinste. „Er geriet die ganze Zeit in Schwierigkeiten und wurde diszipliniert – was nicht schön für ihn war – und ich fand mich immer mehr zu ihm hingezogen. Nachdem ich das erst mal herausgefunden hatte, war es relativ einfach. Ich kam ihm nahe und er stieß mich weg. Das machten wir ein paar Mal, bevor ich deutlich mit ihm werden musste. Danach erkannte er endlich, ich meinte es ernst mit ihm und spielte nicht nur und ließ mich ran. Er hatte auf viele Arten ein beschissenes Leben, bis ich ihn kennen lernte. Niemand hatte ihn je geliebt, daher ist es kaum überraschend, wie misstrauisch er mir gegenüber anfangs war. Als er erkannt hatte, dass ich ihn liebte und nachdem er lernte, mir tatsächlich zu vertrauen, beruhigte er sich und geriet nicht mehr in Schwierigkeiten. Es war nicht alles einfach oder ruhiger Seegang und es war nicht nur er, der das schwierig fand.
Anfangs fühlte ich mich ziemlich genau wie du jetzt; meine Emotionen waren so stark, sie ließen mich außer Kontrolle geraten, daher musste ich daran arbeiten – hart, weil es bestimmt nicht einfach war. Nun kann ich es kontrollieren. Du hast meine Selbstbeherrschung gesehen, als dieser Bastard ihn als Geisel nahm.“
„Dein Rodney tat genau, was du ihm gesagt hast“, erinnerte sich John. „Das hat mich beeindruckt. Mein Rodney hätte nie so seine Augen geschlossen und mir einfach vertraut unter diesen Umständen.“
„Na ja, wir haben daran gearbeitet“, antwortete der General. „Wir haben eine Menge Übungen durchgemacht und eine davon ist das Was tun, wenn ein hässlicher Wilder ein Messer an deine Kehle hält-Szenario. Rodney wusste also, was ich von ihm erwartete und er tat es.“
„Ich bezweifle wirklich, dass ich Rodney überzeugen könnte, an diesen Dingen zu arbeiten“, seufzte John.
„Nicht, so lange du derart widerstreitende Gefühle hast“, schoss der General zurück. „Du hältst alles zurück, John. Es ist beinahe, als ob du Angst hast zuzugeben, dass irgendetwas wirklich wichtig für dich ist. Nicht deine Karriere, nicht Rodney, gar nichts. Vielleicht hast du gute Gründe dafür – keine Ahnung, wo unsere Lebenserfahrungen differieren – aber ich meine nur, falls du mehr willst, falls du es zum General schaffen und Rodney haben willst und alles sein willst, was du sein kannst, dann musst du anfangen zuzugeben, dass du es willst und du musst aufhören, dich deiner Gefühle zu schämen.“
„Es ist ... Unser Universum ist komplizierter, denke ich“, seufzte John.
Der General nickte. „Na schön, das streite ich nicht ab“, grinste er.
In diesem Moment ertönte Carsons Stimme in Johns Funkgerät. „Colonel Sheppard? Ich habe Neuigkeiten über Rodney.“
John sprang auf seine Füße.
„Bin unterwegs“, antwortete er, nickte dann dem General zu. „Danke für die Aufmunterung“, sagte er.
„Gern geschehen – und denk daran, Rodney die Sache auf der Mission zu erklären“, fügte er hinzu.
John runzelte seine Stirn. Das würde nicht gerade einfach sein und er zog es vor, diese Art von Konversationen zu vermeiden. Selbst nach Duranda hatte er sich große Mühe gegeben, um Rodney auszuweichen. Nur des Wissenschaftlers hartnäckige Entschlossenheit, ihn aufzuspüren, hatte ihn gezwungen, die Unterhaltung zu führen, die John wirklich nicht haben wollte. Er nahm an, das war es, was der General mit Zurückhaltung meinte und er straffte seine Schultern, entschied, dass der General recht hatte – es war Zeit, Stellung zu beziehen.
***
„Er hat eine Gehirnerschütterung, deshalb muss ich ihn vierundzwanzig Stunden hier behalten, aber ich habe die Wunde genäht und wir haben den Großteil seines verlorenen Blutes ersetzt. Jetzt hat sich sein Zustand sehr verbessert“, berichtete Carson John, als er in der Krankenstation eintraf.
Forschend betrachtete er John, vielleicht überrascht von seinem Verhalten vorhin.
„Dass Sie ihn wach gehalten haben, war eine gute Sache“, setzte er sanft nach. „Das war unter diesen Umständen genau das Richtige.“
„Verdammt, das hat er selbst fertig gebracht“, meinte John mit einem Schulterzucken, erinnerte sich an den starrsinnigen Ausdruck in Rodneys blauen Augen, während er zitternd in seinen Armen gelegen hatte. „Ich habe ihn bloß daran erinnert, das ist alles. Er ist derjenige, der dort durchgehalten hat.“
„Na schön, sie können jetzt zu ihm. Nicht lange, nur ein paar Minuten.“
John nickte und wanderte zum Bett hinüber.
„Hey, Rodney“, sagte er.
Der Wissenschaftler sah immer noch blass aus, doch seine Augen waren nun lebendiger und wenigstens sprach er wieder. Sein Arm war an seinem Oberkörper fixiert und eine saubere Bandage bedeckte seine Stirn.
„Colonel“, sagte Rodney steif, nickte ihm zu.
John seufzte, erinnerte sich an Rodneys schläfrige Wärme, während er sich im Puddle Jumper an ihn geschmiegt hatte und sehnte sich danach, diese Intimität zurück zu erhalten. Er fragte sich, ob Rodney sich deswegen schämte, wie er ihn gehalten hatte, war jedoch nicht vollkommen sicher, an wie viel sich der Wissenschaftler erinnert, brachte das Thema daher nicht auf.
„Wie fühlen Sie sich?“ fragte er.
„Fein. Ich habe eine Gehirnerschütterung. Und Sie hatten recht – Carson ist nur einen Hauch besser als Ronon bei dieser ganzen einen böse verrenkten Arm fixieren-Sache“, schnaubte Rodney.
John grinste. „Also keine Anästhesie?“
„Nein. Hier geht es zu wie im Mittelalter“, beschwerte sich Rodney lautstark, als Carson vorbeiging.
„Jammern Sie immer noch wegen Ihres Armes?“ erkundigte sich Carson, ein Grinsen zupfte an seinen Mundwinkeln.
„Ah ja, Doktor Tod hier scheint zu denken, es ist amüsant, schwer verletzte Menschen zu misshandeln und ihnen unnötige Qualen und Leiden zu verursachen“, schnappte Rodney.
Lächelnd legte John eine Hand auf Rodneys Arm. „Auf jeden Fall klingen Sie viel besser“, bemerkte er.
„Tja, nicht Dank Ihnen“, sagte Rodney, warf John einen Blick zu und sah dann wieder weg.
John sah diesen selben verletzten Ausdruck in seinen Augen, den er auch schon im Jumper bemerkt hatte.
„Sie haben recht. Deswegen möchte ich mich entschuldigen“, sagte er entschieden.
„Wirklich?“ Rodney sah ihn misstrauisch an.
„Ja. Ich habe einen schweren Entscheidungsfehler begangen, als ich Ronon befahl, bei dem anderen Rodney zu bleiben. Ich wollte Sie nicht im Stich lassen – das ist das letzte, was ich vorhatte, glauben Sie mir.“
John hoffte, dass sein Ton seine absolute Ehrlichkeit wiedergab. Er glaubte es, weil der Schmerz aus Rodneys blauen Augen verschwand und durch etwas ersetzt wurde, das aussah wie ... Überraschung.
„Ich weiß, Sie sind kein Militär und Sie brauchen unseren Schutz. Ich denke, es liegt nur daran, dass Sie sich auf Missionen immer so gut behaupten, dass ich das vergessen habe“, sagte John.
Rodney sah selbstzufrieden aus, wie eine Katze, die die Sahne geklaut hatte.
„Herzlichen Dank, Colonel“, sagte er, sein Kinn schob sich auf diese vertraute Art vor, dass John ihn packen und küssen wollte. „Ich denke, die Grundlagen habe ich sehr gut gemeistert, wenn ich das selbst sagen darf. Natürlich ist das keine Raketenwissenschaft, daher fand ich es ehrlich gesagt immer ziemlich einfach, aber trotzdem ...“
„Trotzdem gibt es noch eine Menge Dinge, an denen wir arbeiten müssen“, unterbrach ihn John geschickt. „So, ich denke, wenn es Ihnen besser geht, werden Sie Ihren Vorteil aus ein paar Trainings-Einheiten mit mir ziehen.“
„Was?“ blinzelte Rodney.
Das war eindeutig nicht die Richtung, wohin er dachte, dass die Unterhaltung führen würde.
„Das ist richtig. Der General hat Dr. Sheppard ein paar ziemlich interessante Techniken beigebracht, so ...“
„Das wette ich“, schnaubte Rodney.
„Militärische Techniken“, betonte John. „Und er hat sie sehr gut angenommen. Wenn er das kann, sehe ich keinen Grund, warum Sie es nicht schaffen sollten.“
„Oh, Gott. Irgendwo war eine Falle und ich bin geradewegs reingetappt“, stöhnte Rodney. „Das muss daran liegen, dass ich beinahe gestorben wäre. Mein Gehirn ist immer noch schwach von dem Blutverlust.“
„Sie machen das schon“, grinste John, tätschelte seine Hand. „Carson, wann wird Rodney gesund genug sein, um seine erste Trainingseinheit mit mir zu machen?“
Carson kam am Fußende des Bettes zum Stehen und betrachtete Rodney einen Moment.
„Das wird wahrscheinlich Monate dauern – eine schwere Kopfverletzung wie diese“, sagte Rodney, starrte Carson bedeutungsvoll an.
„Och, mein Freund“, strahlte Carson. „Sie werden nur ein paar Tage hier sein und am Ende der Woche wieder leichte Tätigkeiten ausführen. Geben Sie ihm zehn Tage, Colonel, und er gehört ganz Ihnen“, meinte Carson fröhlich. „Und wenn ich das sagen darf, es ist eine exzellente Idee, Colonel. Rodney könnte ein regelmäßiges Workout vertragen. Er hat einen sehr hohen Pulsschlag und Training würde seinen Stress deutlich abbauen, denke ich.“
„Verräter“, zischte Rodney, doch Carson lächelte ihn bloß fröhlich an und verschwand.
John drehte sich zu ihm um.
„Zehn Tage, also“, sagte er zu Rodney. „Ich reserviere den Übungsraum für unsere Einheiten. Wir können mit einer Stunde täglich beginnen und uns vielleicht von da hocharbeiten.“
„Eine Stunde?“ Rodney sah fassungslos aus. „Ich kann nicht jeden Tag eine Stunde erübrigen. Ich bin ein sehr beschäftigter Mann, Colonel. Die wissenschaftliche Abteilung läuft nicht von allein, wissen Sie!“
„Sie können eine Stunde früher aufstehen“, schlug ihm John freundlich vor. „Wir können es machen, bevor Sie Ihren geschäftigen Arbeitstag beginnen.“
„Aber ...“
Offensichtlich fand Rodney keine Antwort darauf und er sank in sein Kissen zurück. „Oh, verschwinden Sie einfach“, fauchte er John an.
Erneut schenkte ihm John ein breites Grinsen und beugte sich dann nahe heran.
„Ich bin wirklich froh, dass Sie noch bei uns sind, Rodney“, wisperte er vollkommen ehrlich direkt in Rodneys Ohr, bevor er auf seinem Absatz kehrt machte und die Krankenstation verließ. Als er einen Blick zurück warf, bemerkte er, dass Rodney den schwächsten Hauch eines schiefen, kleinen Lächelns auf seinen Lippen hatte.
Nächstes Kapitel: Außer Kontrolle
---------------------------------------------------