Pairing: Skinner/Mulder
Rating: NC-17
Kategorie: BDSM-Slash
Warnung: Diese Serie enthält grafische Szenen der BDSM-Erotik
Inhalt: Mulders Drang nach immer extremeren Erregungen lassen ihn den ultimativen Spieler in DC aufsuchen – ein mysteriöser Top, der legendär in der BDSM-Szene ist. Doch Mulder muss einen hohen Preis für das bezahlen, was er will.
Disclaimer: Die Charaktere Mulder, Skinner, Scully etc. gehören Chris Carter und 1013. Die Geschichte und Ideen gehören der Autorin.
Bemerkungen der Übersetzerin: Die Übersetzung ersten vier Kapitel dieses 30-Teilers (Schätzwert!) stammen nicht von mir, sondern von Sonja. Ich habe nur ein paar Worte verändert, damit der Übergang zu meinen Übersetzungen nicht zu holprig ist. Ab Kapitel Fünf bin ich die Schuldige.
Kapitel 1: Der Vertrag
Inhalt: Nach einer langen Suche findet Mulder endlich jemanden, der ihm den extremen Thrill gibt, den er sucht – doch das hat seinen Preis.
"Die Wahrheit ist – offensichtlich, aber unbeachtet – dass sich die Dinge
mit aller Gewalt in Richtung ihres Platzes bewegen, aber sich ruhig in
ihrem Platz bewegen. Um es anders auszudrücken, alles hat seine wahre
Heimat, das passende Gebiet, und solange es nicht mit Gewalt
zurückgehalten wird, bewegt es sich dorthin mit dem sicheren Instinkt,
sein Heim zu finden."
J. Winterson
"Art And Lies"
Mulder saß an dem dunklen Eichenholztisch, seine nervöse Erwartung strafte seine lässige, entspannte Haltung Lügen. Er wollte einen ruhigen Eindruck vermitteln, gefasst, selbstsicher – mit anderen Worten, er wollte sich seiner sicher erscheinen und nicht wie ein Schlappschwanz.
Das Zimmer war geschmackvoll eingerichtet – nur ein Tisch und sechs Stühle. Keine Stühle, um darin zu entspannen, eher die Variante, die für gewöhnlich in Esszimmern steht. An den Wänden hingen einige Drucke – nichts erotisches, alles sehr erlesen und ausgesprochen stilvoll. Das hatte er erwartet. Er setzte sich aufrecht und fummelte an seiner Krawatte. Eine Wand wurde gänzlich von einem riesigen Spiegel bedeckt. Er war nicht dumm – er wusste, dass er durch den Spiegel beobachtet wurde. Beobachtet, eingeschätzt und beurteilt. Mulder hielt es nicht mehr aus, er rutschte unruhig hin und her. Das war ein wichtiger Augenblick. Er wollte ihn wirklich nicht versauen.
Sechs Jahre. Seit sechs Jahren spielte er dieses Spiel und er war gut darin. Verdammt gut. Sie würden niemand besseren finden. Er würde niemand besseren finden. Wenn Er nach dem besten Sub in Washington suchte, dann konnte Er die Suche jetzt beenden. Mulder war hier und Mulder war genau dieser Sub. Kein falscher Stolz – er war gut und er wusste es.
"Mr. Mulder."
Die Stimme drang zu ihm, klang blechern durch das Mikrophon. Tief, dunkel, so sinnlich, dass es Mulder fröstelte. Er schluckte und versuchte, nicht erschrocken und dadurch linkisch auszusehen. Er hatte jedes Recht darauf, hier in einem der exklusivsten Privatclubs in Washington zu sein und an einem Treffen teilzunehmen, das von den besten Spielern des Clubs für ihn vereinbart worden war. Ein Treffen, bei dem er endlich die Gelegenheit hatte, Ihm seinen Fall darzulegen.
"Sie haben eine Menge Schwierigkeiten auf sich genommen, um den Weg zu mir zu finden, Mr. Mulder. Ich würde gerne wissen, warum." Die Stimme war glatt, aber die Aufforderung enthielt einen leicht strengen Unterton hinter der höflichen Fassade.
"Danke, dass Sie damit einverstanden waren, mich zu empfangen, Sir", erwiderte er im gleichen höflichen Tonfall.
Es herrschte kurzes Schweigen.
"Mr. Mulder, Sie verfolgen mich nun schon seit über einem Jahr. Schließlich dachte ich, dass es leichter ist, Sie persönlich zu treffen, als Ihnen auszuweichen."
"Sie sind mir ausgewichen …? Warum, Sir?" fragte Mulder stirnrunzelnd.
"Etikette, Mr. Mulder. Ich bin mir Ihrer Anwesenheit in der Szene durchaus bewusst – wer ist das nicht? Sie haben mit jedem Dom in dieser Stadt gespielt."
"Es gab keine Beschwerden, oder?" fragte Mulder, seine Stimme nur andeutungsweise herausfordernd.
"Nein. Keine. Außer über Ihr rasch ersterbendes Interesse. Sie haben eine Tendenz dazu, Ihre Tops zu konsumieren und dann zum Nächsten zu wechseln, Mr. Mulder." Die Stimme klang fast belustigt.
"Ich fand keinen von ihnen … interessant genug, um zu bleiben." Mulder zuckte mit den Achseln.
"Ach, und was lässt Sie glauben, dass ich Ihren speziellen Anforderungen genüge?" fauchte die Stimme.
Mulder zögerte. Das Ganze lief nicht so, wie er es geplant hatte.
"Ich habe keine speziellen Anforderungen … ich will nur …", er zögerte erneut. Wie konnte er es erklären? Er spielte seit Jahren in dieser Stadt, hatte sich von einem enthusiastischen Neuling zu einem erfahrenen Experten verwandelt und der Thrill war so vergänglich. "Ich brauche mehr", flüsterte er. "Nach jeder Session erreiche ich das High, aber es wird von mal zu mal schwieriger, es zu erreichen, schwieriger, es zu erhalten. Ich bin gut trainiert – Sie werden es erregend finden, mit mir zu spielen."
"Um die Erregung geht es hier nicht. Die Erziehung ist die Frage", erwiderte die Stimme trocken.
Mulder blickte direkt in den Spiegel und wünschte sich, er könnte den Mann dahinter sehen.
"Geben Sie mir einen Grund, warum ich mich mit Ihnen abgeben sollte."
"Sie sind eine Legende. Jeder weiß von Ihnen, aber kaum einer weiß, wer Sie sind. Sie sind der beste Spieler …"
"Und Sie glauben, dass Sie nur den besten verdienen?" forderte die Stimme ihn heraus.
"Ja. Nein! Ich meinte nur … dass ich etwas brauche." Mulders Stimme erstarb. Er konnte nicht damit anfangen, sein Bedürfnis zu erklären, den großen klaffenden Abgrund, den er füllen musste.
"Sie sprechen viel über sich selbst und Ihre Bedürfnisse", stellte die Stimme fest.
"Wenn Sie mich akzeptieren, dann kümmere ich mich auch um Sie und Ihre Bedürfnisse", fügte Mulder hastig hinzu. "Ich bin ein Spieler, Sir. Ich weiß zu gefallen. Wenn Sie mich als Ihren Sub annehmen, Sir, dann werde ich mein Bestes geben, um Ihnen zu gefallen und werde Sie glücklich machen. Sehr glücklich." Er blickte in den Spiegel und senkte seinen Kopf ein klein wenig – eine Herausforderung, ein Versprechen, eine Andeutung dessen, was folgen würde, wenn der Mann einfach Ja sagen würde.
Er sagte es nicht.
"Nein, Mr. Mulder. Sie geben Ihr Bestes für sich selbst und wenn mir das gefällt, befriedigt es mich sicherlich auch. Aber abgesehen davon würden Sie mich – so wie Sie sich ganz offensichtlich fühlen – mit einem Gefühl der Leere zurücklassen. Ihr Angebot ist … inakzeptabel."
Mulder sank zusammen, fühlte sich, als hätte ihm gerade jemand in den Magen geboxt. "Bitte, Sir … geben Sie mir eine Chance", flüsterte er.
"Nein." Die Stimme war überraschend freundlich. "Sie hätten nicht hierher kommen sollen, Mr. Mulder. Wenn ich an Ihnen Interesse gehabt hätte, dann hätte ich Sie selbst ausgewählt und Sie hätten sich diese … Erniedrigung sparen können."
"Oh, haben Sie das noch nicht gewusst? Ich bin ein Masochist. Ich blühe auf, wenn ich erniedrigt werde", fauchte Mulder verbittert.
Ein trockenes Lachen drang aus dem Mikrophon.
"Masochismus", sagte die Stimme. "Würden Sie gerne die Erklärung aus dem Lexikon hören?"
Er herrschte kurzes Schweigen, Mulder vermutete, dass es eine rein rhetorische Frage war.
"Masochismus. Hauptwort. 1. (Psychiatrie) Ein abnormer Zustand, in dem Vergnügen – besonders sexuelles Vergnügen – durch Schmerz, Erniedrigung oder Dominanz etc. von einer weiteren Person ausgeführt, erreicht wird."
Mulder schloss seine Augen und sah sich selbst vor seinem geistigen Auge, herabhängend, gefesselt, die Zick-Zack-Linien, welche die Peitsche seines letzten Meisters auf seinem Körper hinterlassen hatte. Er durchlebte den Schmerz erneut, die Erniedrigung, eine Erregung, die ihm fast den Atem raubte, und sein Schwanz reagierte und wurde beinahe sofort hart.
"Passt diese Beschreibung zu Ihnen, Mr. Mulder? Sehen Sie sich selbst als abnorm?" fragte ihn die Stimme in fast sanftem Tonfall.
"Nein", erwiderte Mulder unwirsch. "Ich weiß, wer ich bin und ich habe mich so akzeptiert."
"Wirklich? Soll ich fortfahren? 2. (Psychoanalyse) Die Tendenz zur Selbstzerstörung. Wie zum Beispiel heute hierher zu kommen?" kommentierte die Stimme in trockenem Tonfall. "Machen Sie das in Ihrem Alltag, Mr. Mulder? Suchen Sie den Tod und den Schmerz, versinken Sie nicht allzu bereitwillig in Ihrem eigenen Leid?"
Mulder öffnete seinen Mund und sah sich selbst in Hunderten unterschiedlichen Situationen – von Zügen herunter springend, auf der Flucht vor explodierenden Bomben, auf der Suche nach seiner vermissten Schwester, sie findend, nur um dann von ihr abgewiesen zu werden. Er schloss seinen Mund und nickte, verbarg sein Gesicht in seinen Händen.
"3. Die Tendenz, Vergnügen am eigenen Leid zu empfinden, was – so denke ich – Sie gerade tun", lachte die Stimme.
"Mr. Mulder, fangen wir noch einmal von vorne an. Erzählen Sie mir von Ihren Erfahrungen. Erzählen Sie mir, wie Sie von Ihren ersten sadomasochistischen Erfahrungen bis zu meiner Tür gelangt sind und dann werde ich Ihnen erzählen, ob ich bereit bin, meine Meinung zu ändern."
Mulder setzte sich aufrecht, zitterte am ganzen Leib. Er fühlte sich verstanden, er fühlte sich, als ob dieser Mann ihn kannte und verstand, und das machte ihm Angst. Es erinnerte ihn an …
"Phoebe", sagte er leise. "Eine ehemalige Freundin. Ich traf sie, als ich 18 Jahre alt war. Sie fesselte mich für gewöhnlich … und war grausam zu mir. Es … erregte mich."
"Gut. Erzählen Sie weiter", befahl die Stimme.
"Sie spielte mit mir. Und das ziemlich gut. Sie flirtete mit anderen Typen, um mich eifersüchtig zu machen. Manchmal mochte sie es, wenn ich mich mit ihnen prügelte. Ich gewann immer … außer einmal." Er brach ab, starrte in die Luft.
"Was passierte?"
"Sie ging mit dem anderen Typen weg. Verbrachte die Nacht mit ihm – schlief mit ihm." Mulder ballte seine Hände zu Fäusten. "Ich hatte verstanden. Ich musste der Beste sein, der Stärkste, um sie halten zu können. Sie war der Preis, der Dom, und ich war ein Nichts. Ich existierte nur, um ihr zu dienen."
"Erregte Sie das?"
Mulder seufzte. "Ja. Oh, Gott, ja. Aber ich hasste es dennoch. Ich konnte die Ungewissheit nicht ertragen. Wir trennten uns. Eine Zeitlang hatte ich ganz normale Freundinnen, und dann fing ich an, in Washington zu arbeiten. Ich … ich konnte Phoebe nicht vergessen, also ging ich in die Sado/Maso-Szene. Am Anfang spielte ich nur mit Frauen. Und dann, eines Tages, übergab mich die Frau, mit der ich spielte, einem Typen – zwang mich, seinen Schwanz zu lutschen. Eigentlich hätte es die ultimative Erniedrigung sein sollen … aber es gefiel mir. Männer sind härter, kräftiger … die Dominanz ist stärker. Ich brauche das, muss mich aufgeben. Ich bin ein starker Mensch. Jemand muss mich besitzen, der stärker ist als ich", sagte Mulder leise. "Danach suchte ich mir Männer aus. Ich habe mich selbst nie als homosexuell betrachtet, aber ich mag es, von Männern dominiert zu werden."
"Ich verstehe." Die Stimme klang nachdenklich.
"Ich fühle mich … außer Kontrolle", fuhr Mulder fort. "Das ist es, was mich anspricht. Ich kann mich selbst nicht kontrollieren oder mein Leben. Es gibt da ein paar Dinge, die mir passiert sind … tja, sagen wir einfach, dass ich mehr als einmal bloß nur wegen des Thrills mit meinem Leben gespielt habe. Ich habe mich noch nicht entschieden, ob ich leben will. Ich wache jeden Morgen auf und frage mich, ob heute der Tag ist, an dem ich sterben werde. Das ist jeden Tag eine neue Entscheidung. Ich habe das Leben nicht gewählt. Es ist einfach passiert. Rein zufällig. Der Tod wird wahrscheinlich auf die gleiche Art kommen.
Beim Sex – bei Sado/Maso-Sex – übernimmt jemand anderer die Entscheidung für mich. Sie kontrollieren mich … und für ein paar Stunden kann ich mich von dieser Entscheidung zurückziehen. Ich kann sie nicht treffen. Ich bin nicht frei dafür. Ich gehöre ihnen."
Mulder stand auf und warf einen bitteren Blick in Richtung des Spiegels. "Tja, danke, dass Sie mich empfangen haben. Auch wenn Sie mir meine Bitte nicht erfüllen", sagte er, "und dafür, dass ich mir alles von der Seele reden durfte. Ich hoffe, Sie haben sich gut amüsiert."
"Es war … faszinierend", ließ sich die Stimme vernehmen. "Ich finde Sie interessant genug, um meine Entscheidung zu überdenken."
Mulder blieb auf dem Weg zur Tür stehen, versteifte sich und drehte sich herum, sein Herz klopfte rascher. "Sie nehmen mich? Sie nehmen mich als Ihren Sub?" fragte er.
"Nein." Die Stimme war leise, ruhig.
Mulder sank zusammen.
"Ich hatte nicht in Betracht gezogen, Sie als Sub zu nehmen, Mr. Mulder. Das würde mir nicht gerecht und hat bis jetzt ja auch für Sie offensichtlich nicht funktioniert. Ich ziehe jedoch in Betracht, Sie als meinen Sklaven zu nehmen."
"Was?" Mulder schritt zum Spiegel.
"Sie wissen, was ich meine, Mr. Mulder. Sie sind seit mehreren Jahren in der Szene", schalt ihn die Stimme sanft. "Sie sollen nicht mein zweimal-in-der-Woche-Fick werden. Das würde mich nicht interessieren und würde Ihnen auch nichts bringen. Wenn Sie sich wirklich wünschen, mit mir zu spielen, dann müsste es ein eher permanentes Arrangement sein. 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche."
"Was ist mit meiner Arbeit?" fragte Mulder ungläubig.
"Ich habe keine Problem damit, wenn Sie mit Ihrer Arbeit fortfahren – solange Sie mich über alles auf dem Laufenden halten. Sie würden dennoch mit mir leben – ich verfüge über spezielle Unterkünfte für Sklaven – und ich würde Sie mit einem Piepser ausstatten. Ich erwarte, dass Sie mir immer zur Verfügung stehen, wann und wie auch immer ich Sie benutzen will, angefangen damit, dass Sie mir Ihren Arsch darbieten, um ihn voll zu kriegen, bis hin zum Einkaufen."
"Dabei könnte mir meine Arbeit im Wege stehen", murmelte Mulder und wünschte sich, dass sein Schwanz in seiner Hose nicht steinhart wäre.
"Sie müssten dafür sorgen, dass dies nicht passiert." Die Stimme klang unbesorgt. "Ich ziehe es vor, wenn meine Sklaven am Ende des Tages etwas Interessantes zu erzählen haben. Ich erwarte von meinen Sklaven, dass sie repräsentativ aussehen, gut gepflegt sind, höflich, intelligent, gebildet, charmant und amüsant. Es ist keine leichte Lebensart, Mr. Mulder. Es kommt nicht in Frage, dass mein Sklave herumsitzt und darauf wartet, dass ich die ganze Arbeit mache. Ich erwarte, unterhalten und sexuell befriedigt zu werden und dass sich jemand ganz allgemein um mich kümmert. Sie sind mein Kammerdiener, mein Koch und meine Putzhilfe – alles ohne Bezahlung – zusätzlich zu der Aufgabe, mein Bett für mich zu wärmen."
"Klingt anstrengend", kommentierte Mulder.
Ein trockenes Lachen ertönte. "Sie werden entschädigt. Aber Sie sollten sorgfältig über eine solche Übereinkunft nachdenken. Setzen Sie sich, Mr. Mulder. Ich lasse Ihnen meine Regeln hineinbringen und dann können Sie selbst entscheiden, ob sie für Sie annehmbar sind oder nicht."
Mulder tat wie ihm geheißen, wortlos, mit trockenem Mund. Er war über die Richtungsänderung erstaunt. Er hatte gedacht, dass er wüsste, worauf er sich einlassen würde, als er hierher gekommen war. Er würde diesen Top aller Tops, diesen Überdom, für sich gewinnen und dann bekommen, was er brauchte, wenn er es brauchte – zu seinen Regeln. Nicht zu denen eines anderen. Er mochte die Richtung, in die sich alles plötzlich bewegte, überhaupt nicht … aber dennoch … dennoch zitterte sein Körper vor Erregung bei dem Gedanken daran, dass jemand vollständig von ihm Besitz ergriff. Es war wie die Art von Beziehung, die er mit Phoebe gehabt hatte, nur dass es keiner von ihnen beiden jemals näher erläutert hatte.
Die Tür öffnete sich und ein Diener trat ein. Er hielt ein Blatt Papier in der Hand und legte es vor Mulder auf den Tisch. Dann brachte er einen silbernen Füller und ein Tintenfass, zusammen mit einer Schreibunterlage und stellte es direkt neben Mulders rechte Hand. Er verließ das Zimmer, ohne ein Wort zu sagen.
Mulder blickte auf das sorgfältig getippte Dokument und las.
Vertrag zur Versklavung
Unterschrift:
"Auf gar keinen Fall." Mulder legte den Füller hin, stand auf und marschierte wütend zum Spiegel. "Sie sind völlig krank. Ich kenne Sie nicht einmal – ich habe Sie noch nicht mal gesehen. Das ist lächerlich."
"Dagegen ist nichts einzuwenden", erwiderte die Stimme freundlich. "Es war nett, Sie kennen zu lernen, Mr. Mulder. Bitte schließen Sie die Tür, wenn Sie hinausgehen."
"Verdammt." Mulder trat wütend gegen die Wand. "Mein Besitz? Mein Herz, meine Seele …?"
"Ich vermute, dass es weder Ihr Herz ist, noch Ihr Geist, worüber Sie sich so aufregen, Mr. Mulder. Der Teil, der Ihnen Angst macht, ist – so vermute ich – Ihre Seele."
"Das spielt keine Rolle. Sie können nicht wirklich eine andere Person besitzen. Das ist verrückt."
Mulder schlug seinen Kopf gegen den Spiegel und stand für einen Augenblick gequält davor, lehnte seinen Kopf und seine Unterarme gegen die glänzend polierte Oberfläche. Er brauchte das. Er brauchte das wirklich. Nur er – und er vermutete der Mann hinter dem Spiegel ebenfalls – wussten, wie sehr ihn dieser Vertrag erregt hatte. Es war der ultimative Thrill. In einem Stadium der absoluten Unterwerfung zu leben.
Er kannte sich selbst einfach zu gut. Während der Sexspielchen tat er nur so, als wäre er unterwürfig, um zum Orgasmus zu kommen. Unter den Bedingungen, die in dem Vertrag angegeben waren, wäre das jedoch unmöglich. Das war die Wirklichkeit. Es machte ihm Angst. Es erregte ihn. Ein klaustrophobischer Teil von ihm tobte bereits bei dem Gedanken an die Einschränkung, doch sein Schwanz pochte in der Erwartung, vollständig der Besitz von jemand anderem zu sein.
Mulder sah auf, in seine eigenen Augen, in die Augen des Mannes hinter dem Spiegel. "Und was ist mit Ihnen?" fragte er schließlich leise. Er konnte kaum glauben, dass er dieses Gespräch ernsthaft fortführte. "In diesem Vertrag steht eine Menge über meine Pflichten – was ist mit Ihren?" Er deutete in Richtung des Dokumentes.
"Gute Frage." Die Stimme klang, als würde ihr Eigentümer lächeln.
Die Tür öffnete sich und der Diener kehrte zurück. Er legte ein weiteres Blatt Papier auf den Tisch und ging leise wieder hinaus. Mulder ging langsam zum Tisch zurück, neugierig, hasste sich dafür, dass er an dem ganzen Vorgang so interessiert war. Er hatte nicht die Absicht zu unterschreiben. Er konnte einfach nicht. Aber dennoch...
Vertrag des Meisters
Ich habe diesen Vertrag des Meisters gelesen und in seinem ganzen Ausmaß begriffen. Ich nehme diesen Sklaven als mein Eigentum an, seinen Körper sowie auch seine Besitztümer, und werde mich um ihn nach bestem Wissen und Gewissen kümmern. Ich kümmere mich um seine Geborgenheit und sein Wohlergehen und bilde ihn aus, erziehe und bestrafe ihn als Sklave. Ich bin mir der durch diese Vereinbarung auferlegten Verantwortung bewusst und versichere, dass dem Sklaven, solange er sich in meiner Obhut befindet, kein Leid geschehen wird. Ich bin mir ebenfalls der Tatsache bewusst, dass ich jederzeit von diesem Vertrag zurücktreten kann.
Unterschrift:
Mulder schloss seine Augen und lehnte seinen Kopf zurück, dann öffnete er sie wieder und blickte an die weiße Decke, doch auch dort fand er keine Antworten. Dieser Vertrag sprach ein tiefes Bedürfnis in ihm an. Der Vertrag des Meisters handelt davon, dass sich jemand um ihn kümmerte, ihn bestrafte … ihn beschützte. Die Benutzung des Wortes Geborgenheit hallte in seinem Kopf wider. Er fühlte sich nicht geborgen oder geliebt. Es kümmerte sich niemand um ihn. Er trieb einfach so dahin. Er wollte Frieden. Würde er ihn durch diesen Vertrag bekommen?
"Ich sehe, dass Sie den Vertrag beenden können, wann immer Sie wollen, aber ich nicht", bemerkte er bitter.
"Es wird Zeiten geben, in denen Sie in Versuchung geraten werden, voreilig zu handeln – und es später bereuen", entgegnete die Stimme.
"Das bezieht sich normalerweise auf verheiratete Paare, nicht auf Verträge für Sklaven", murmelte Mulder ironisch.
Erneut ertönte ein trockenes Lachen. "Wenn Sie sich fragen, ob es da einen Unterschied gibt, dann glauben Sie mir, es gibt einen ganz wesentlichen. Wie auch immer …" Die Stimme war nachdenklich. "Ich habe nicht die Absicht, einen unwilligen Sklaven zu behalten. Wenn Sie wünschen, unseren Vertrag zu brechen, dann höre ich mir Ihre Argumente an und werde sie sorgfältig prüfen – obwohl ich Ihren Wunsch vermutlich ablehnen werde. Rein rechtlich habe ich keinen Anspruch auf Sie – die Gesetze dieses Landes garantieren Ihre Freiheit, außer natürlich in Bezug auf Ihr Eigentum, das mit übereignet wird. Es könnte sein, dass ich es Ihnen freiwillig zurückgebe, wenn ich den Vertrag beende. Es ist zu bezweifeln, dass ich das tun würde, wenn Sie sich entscheiden, ohne meine Erlaubnis zu gehen. In diesem Fall würde ich Sie nicht wieder als meinen Sklaven aufnehmen. Dies würde auch mit sich bringen, dass Sie sich ein neues Spielfeld suchen müssten. Niemand in dieser Stadt spielt mit dem Besitz eines anderen Mannes ohne dessen Erlaubnis – und es ist außerordentlich unwahrscheinlich, dass ich die Erlaubnis geben würde."
"Verdammt, das ist völlig absurd. Das ist Ihnen doch wohl hoffentlich klar?" Mulder schlug mit seiner Faust auf den Tisch. "Es geht hier um Sex, nicht um den Alltag. Ich kann und werde mich nicht so aufgeben."
"Nein! Das tut mir leid. Sie werden niemals finden, was Sie suchen, Mr. Mulder, genau aus diesem Grund."
"Ich suche nicht danach, der Sklave von jemand anderem zu sein", protestierte Mulder.
"Nein, da stimme ich Ihnen zu. Aber wenn Sie genau das tun, dann finden sie vielleicht, wonach Sie suchen." Die Stimme klang fast gleichgültig.
"Bekomme ich denn nicht wenigstens die Möglichkeit zu sehen, auf wen ich mich einlasse?" fragte Mulder. "Sie hatten die Möglichkeit, die Ware zu begutachten – wie steht es mit mir?"
"Ich denke nicht. Ich ziehe es vor, unerkannt zu bleiben, wenn Sie sich entscheiden, den Vertrag nicht zu unterschreiben. Sie haben nach mir gesucht, denken Sie daran. Ich habe Ihnen gegenüber keinerlei Verpflichtungen."
"Wie steht es mit Handeln?" fragte Mulder verzweifelt.
Er verhandelte immer erst, bevor er sich auf ein Spiel einließ. Er und sein zukünftiger Partner besprachen, welche sexuellen Praktiken sie erregten und wie weit der Top gehen durfte. Er war so erfahren darin, dass er unbekümmert über Themen reden konnte, die andere Menschen als furchtbar peinlich empfunden hätten. Es war eine Methode in der Szene, um die Sicherheit zu garantieren – aus guten Gründen.
"Es gibt keine Verhandlungen. Es gibt nur den Vertrag", lautete die Antwort. "Wenn Sie mein Sklave sind, dann gehören Sie mir. Darüber gibt es keine Diskussionen. Sie müssen lernen zu vertrauen … sich zu unterwerfen."
"Also auch keine Codewörter?" fragte Mulder und verzog sein Gesicht.
"Richtig, Mr. Mulder. Keine Codewörter", entgegnete die Stimme trocken.
Mulder lief in dem Zimmer auf und ab, dachte fieberhaft nach. Scheiße, dieser Mann konnte absolut jeder sein – verdammt, er könnte sogar der Krebskandidat sein, der alte Bastard. Nicht, dass es ihn groß beeindrucken würde, wenn er es wäre. In dem Fall würde er einfach gehen und nicht mehr zurückkommen. Was kümmerte es ihn, dass er dann in dieser Stadt nie wieder würde spielen können, wenigstens hätte er seine Integrität bewahrt. Abgesehen davon gab es für ihn keinen Grund mehr, in dieser Stadt zu spielen. Er hatte bereits jeden Top ausprobiert und ja, er hatte sie konsumiert, wie dieser Mann so treffend bemerkt hatte.
Er fühlte sich, als würde er die Kontrolle verlieren, immer größere Risiken suchend, immer intensivere Thrills … und das hier … das war das ultimative Risiko, der ultimative Trip in unbekanntes Terrain, der ultimative Thrill. Wenn er dieses Papier unterzeichnete, könnte alles mit ihm geschehen. Beim Sex hätte er keine Kontrolle oder die Sicherheit eines Codewortes. Er wäre der Gnade seines Meisters gänzlich und vollständig ausgeliefert. Vierundzwanzig Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche … Scheiße, aber dieser Mann erinnerte ihn an Phoebe. Er schien sich in seinem Gehirn festgesetzt zu haben. Er wusste genau, wie er ihm gleichzeitig Angst einjagen und ihn erregen konnte.
"Ja", flüsterte er.
Schweigen
"Ich sagte, meine Antwort lautet ja, verdammt!" schrie er.
"Der Füller liegt auf dem Tisch", erwiderte die Stimme ungerührt angesichts des Zornesausbruchs.
Mulder trat an den Tisch und setzte sich. Er nahm den Füller und schloss seine Augen. Er sah Scullys Gesicht vor seinem geistigen Auge. Sie sah ihn mit gerunzelter Stirn an, schrie ihn an, fragte, wie – verdammt noch mal – er so etwas Dummes tun konnte. Er sah Skinner, über ihm thronend, ihn anschreiend, ihn fragend, wie er seine Karriere nur für so etwas Verrücktes riskieren konnte. Er öffnete seine Augen wieder, versuchte, ihre Gesichter zu verdrängen, ihre Stimmen, ihre Besorgnis. Wie könnte er ihnen das jemals erklären? Er konnte nur darauf hoffen, dass dieser Mann, dem er sein Leben übergab, gütig war und ihn irgendwie von dem Rand des dunklen Abgrunds, auf den er sich zu bewegte, zurückhalten würde.
Mulder brachte die Spitze des Füllers auf das Papier – und legte mit der Unterschrift sein Leben in die Hände eines anderen Menschen.
Ende des ersten Kapitels
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