Meridian - Kapitel IX

Meridian

by fightingthecage
übersetzt von cal_listo24
SigridLenz@aol.com



Titel: Meridian, Übersetzung aus dem Englischen, Kapitel IX
Autor: fightingthecage
Beta-Leser: JessicaWrites
Übersetzung: ca_listo24
Fandom: 24
Pairing: Jack, Tony
Genre: Drama
Zusammenfassung: es wird nachgedacht!
Word Count: 1446
Rating: NC-17
Warnungen: Sprache, angst, m/m slash
Anmerkungen: gehört alles 24, kein Geld, etc. ....

Link zum wunderbaren Original von fightingthecage: http://community.livejournal.com/24_fanfic/64586.html


IX. Leer

Er fragte sich, wie Jack das aushielt. Während er auf seinem Rücken lag, und zu den Sternen auf blickte, wollte Tony nur fort von hier. Sand war in seinen Haaren und er konnte ihn an den Ellbogen kleben fühlen, die an jeder Seite seines Körpers ruhten. Die Finger hatte er über seinem Magen verschränkt und er spürte den Sand trocken und lose unter seinen Fußsohlen, die flach auf dem Boden ruhten. Und der Gedanke, dass er überall an ihm herab rieseln würde, sobald er aufstände, ließ seine Haut kribbeln.

Trotzdem bewegte er sich nicht. Tony hasste Klischees, aber er war gezwungen zuzugeben, dass er sich, wieder einmal, in der Mitte eines Solchen befand. Es war wirklich möglich taub zu sein, sich leer zu fühlen, nichts mehr in sich zu haben. Das hatte er bereits vor langer Zeit gelernt, ein paar Stunden, nachdem er entdeckt hatte, dass Nina sie alle betrogen hatte. Nicht sofort. Aber danach, als die Arbeit endlich getan war, und man ihm gesagt hatte, dass er nach Hause gehen sollte. Nachdem Jack ruhig gestellt worden war und im Krankenhaus seinen Weg durch die Trauer schlief... danach war nichts mehr übrig geblieben. Er war nach Hause gegangen, hatte geduscht, und dann ins Nichts gestarrt, nichts gefühlt, nichts gedacht, bis sein Körper das Kommando übernommen hatte und er zwölf Stunden später erwacht war. Ins Nichts.

Das war nicht das letzte Mal gewesen, dass er sich so gefühlt hatte. In den folgenden Jahren war es wieder und wieder passiert, ausgelöst durch Verletzungen oder Angst, Michelle, und dann, natürlich, das Gefängnis. Er hatte lernen müssen, dass er sich dort den Luxus der Taubheit nicht leisten konnte, denn, wenn sie einen unvorbereitet antrafen, ließen sie einen dafür bezahlen. Wenn man versuchte abzustumpfen, wurde man mit nur noch größerer Brutalität in die Wirklichkeit zurück gebracht. Man musste dabei bleiben. Und vielleicht war das der Grund dafür, dass er, nachdem er entlassen worden war, nicht damit aufhören konnte, sich kalt zu fühlen. Er hatte gespürt, wie er sich in sich selbst zurückgezogen hatte, als er das Gefängnis auf seinem Weg zur vermuteten Freiheit durchquert hatte. Und als er aus den Toren getreten war, hatte sich eisiger Schweiß über seinem Körper ausgebreitet. Er hatte sich ein Lächeln für Michelle abgerungen, aber er konnte sie kaum spüren, als sie ihn umarmte. Und wie er bald genug entdeckt hatte - jeden Tag ein wenig mehr - gab es kein Erwachen davon. Jeder Tag war wie der andere, und sie alle waren bedeutungslos.

Bis schließlich doch ein Funke eines Gefühls aufflammte, der von seiner Frau gehegt worden war, und von Jack, und er wurde wieder zurückgebracht in das Land der Lebenden. Und dann war Jack “gestorben” und... gut, er war nicht mehr ganz so taub. Eigentlich ganz genau das Gegenteil, denn danach wusste er, dass er ihn wieder sehen wollte, und das öfter, und dass er den Gedanken nicht ertragen konnte, dass er alleine in der Welt einher trieb. Also hatte er sich entschieden ihm zur Seite zu stehen.

Warum versuchst du mich auszuschließen, Jack?

Und jetzt... war es wieder da, das vertraute Gefühl, das er nicht einmal fertigbrachte zu hassen, denn er hatte nicht genug in sich, um so viel Gefühl erlauben zu können. Er starrte in den Himmel hinauf, hörte dem Meer zu, als sich die Wellen wieder und wieder und wieder brachen, und fragte sich, ob es jemals eine Zeit geben würde, in der er sich so fühlen würde, wie normale Menschen es gewohnt waren. Er hatte schon so oft gedacht, es wäre ihm gelungen dort hin zu kommen, und es festzuhalten, es zu behalten - und jedes Mal endete es wieder genau auf diese Weise. Wenn auch niemals zuvor Jack der Grund dafür gewesen war. Es war ein Schmerz, auf den er sich nie vorbereitet hatte, und er fragte sich, ob es einen Weg zurück geben konnte. Oder ob das hier die Anstrengungen der letzten beiden Jahre nichtig gemacht hatte und ihn genau dorthin zurückgeworfen, von wo aus er begonnen hatte.

Tony lag im Sand, hasste es und wollte frei sein. Zum ersten Mal seit langer Zeit, zog er ernsthaft in Betracht, ob das bedeuten würde jetzt aufzustehen und fortzugehen. Und einfach niemals wieder zu kommen.

* * * * *

Jeder, der ihn erblickte, würde denken, er wäre eingeschlafen. Die Tränen hatten aufgehört, er hatte nicht viele davon vergossen. Sein Körper hätte es einfach nicht erlaubt, er war zu angespannt, zu angefüllt mit all dem anderen. Eine Träne zu viel und die ganze Sache würde sich auflösen, und das konnte er sich nicht leisten. Er konnte es nicht zulassen von jemand anderem aufgelesen zu werden, denn, sobald derjenige gegangen wäre, würde er wieder auseinander fallen.

Also blieb er sitzen, gefangen in der gleichen Position, die Arme eng um seine Beine geschlungen, den Kopf auf seine Knie gelegt, die Augen geschlossen. Die Wellen schlugen rhythmisch wie immer und er versuchte auszuatmen, wenn sie an die Küste trafen, richtete sich nach ihrem Rhythmus, als könnte es dadurch leichter werden, obwohl seine Lungen durch die Stärke seines eigenen Griffes zusammen gequetscht wurden.

Sein Verstand war leer, obgleich er versuchte sich zu konzentrieren. Er war oft genug in ähnlichen Situationen gewesen, wenn es einfach zu viele Dinge waren, als dass man sie alle auf einmal hätte verarbeiten können. Eigentlich sogar sehr oft, gewöhnlich während der Arbeit. Dann hatte er immer mit der nächsten, verzweifelten Aufgabe weitergemacht, alles andere beiseite gestoßen und die Dinge vorangebracht, alle Gefühle für einen späteren Zeitpunkt weggeschlossen. Am Ende des Tages hatte er immer den Preis dafür bezahlt, aber nur so konnte es funktionieren. Wie damals, als er gedacht hatte, Kim wäre gestorben, oder als er zugesehen hatte wie die Wachen im Gefängnis ermordet worden waren, weil er den Gefängnisaufstand ausgelöst hatte, oder als er gewillt gewesen war Kate für den Mikrochip zu opfern. Und dann, als er Paul hatte sterben lassen, vor seiner Frau, um einen Verbrecher am Leben zu erhalten.

Aber hier gab es nichts zu tun. Nichts, das er tun konnte. Nichts, an dem er arbeiten konnte, um sich davon abzulenken, wie sehr es schmerzte, keine Möglichkeit seine Aufmerksamkeit in eine andere Richtung zu lenken. Die einzige Hoffnung, die er hatte, lag darin genau so sitzen zu bleiben, die Beine verkrampft, der Rücken schmerzend, die Hände taub von dem Druck der Umklammerung, denn die Alternative wäre sich auf Tony zu konzentrieren, und darauf, was er in diesem Moment durchstand. Oder andernfalls... seine Gedanken zurück wandern zu lassen nach Kolumbien und in dieses Bett, dessen Laken getränkt waren mit Blut und Schweiß und dem Geruch von Sex, der die Luft erfüllte und von dem er niemals schien entfliehen zu können, völlig egal, wie lange er das Fenster geöffnet ließ. Seine Gedanken wurden unterbrochen von dem tiefen Kichern in seinem Ohr, von der Stimme, die ihm sagte, er wäre nichts als ein Spielzeug, und der Erkenntnis, dass, in manchen Nächten, das auch der Wahrheit entsprach, und dass er seine Mission verraten hatte, weil es nur einen Weg gegeben hatte damit umzugehen, und der hatte darin bestanden Heroin zu benutzen um sich zu befreien und um überhaupt funktionieren zu können.

Wird mir vergeben werden für die Dinge, die ich getan habe?

Auch das hatte er sich gefragt, in manchen Nächten, wenn er auf der halbzerfallenen Veranda gesessen und an einem Bier genippt hatte, weil es besser gewesen war, als der Verlockung des Whiskeys zu erliegen. Auch jetzt durchkreuzte der Gedanke seinen Geist, aus dem Nichts entstanden, und er überraschte ihn nicht einmal. Denn das Geschehene war beinahe so schlimm, wie einige der anderen Dinge, die er getan hatte. Ein Mensch mehr, der durch ihn verletzt worden war, und durch die Entscheidungen, die er getroffen hatte.

Beinahe so schlimm? Schlimmer. Weil es dieser Mensch war.

Nein.

Nein.

Und als er da saß, an nichts dachte, und sich auf den Schweiß konzentrierte, der ihm den Nacken hinunterlief, das dünne, farbbefleckte T-Shirt, das an seinen Rücken klebte, da gewann er die Erkenntnis, dass, anders, als all die anderen Male, er sich dieses Mal vielleicht am Ende keine Gedanken über Vergebung machen musste. Vielleicht musste er jetzt über Vergebung nachdenken. Und es gab nur einen Menschen, der sie ihm gewähren konnte.

Seine Augen blieben geschlossen. Das bedeutete... etwas zu tun, das er nicht tun wollte. Aber zu guter Letzt, könnte es das wert sein, das dabei herauskommen würde.

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