Meridian - Kapitel VII

Meridian

by fightingthecage
übersetzt von cal_listo24
SigridLenz@aol.com



Titel: Meridian, Übersetzung aus dem Englischen, Kapitel VII
Autor: fightingthecage
Übersetzung: cal_listo24
Fandom: 24
Pairing: Jack, Tony
Genre: Drama
Zusammenfassung: nach Jacks Kommentar, die Kluft zwischen Jack und Tony scheint unüberbrückbar!
Word Count: 3368
Rating: R
Warnungen: Sprache, m/m slash
Anmerkungen: gehört alles 24, kein Geld, etc. ....
Meridian, Kapitel VII

Link zum wunderbaren Original von fightingthecage: http://community.livejournal.com/24_fanfic/64586.html


Er brauchte eine Weile, bevor er darüber nachdenken konnte, was als nächstes zu tun wäre. Sein Kopf wurde nicht klar, er war zu sehr angefüllt mit dem Schrecken über das, was er gesagt hatte. Den Ausdruck auf Tonys Gesicht würde er nie vergessen können, der rohe Schmerz, der totale Unglauben dem gegenüber, das er gehört hatte... er wollte sich übergeben. Oder weinen, oder irgendetwas, um zu versuchen das Gewicht loszuwerden, dass seine Brust erfüllte und seine Lungen so stark zusammendrückte, dass er glaubte, sie müssten zerplatzen.

Er musste ihm zeigen, dass es ihm leid tat. Er konnte nicht fort bleiben und einfach hoffen, dass Tony ihm vergeben würde, er musste mit ihm sprechen, bevor sein Zorn sich festgesetzt haben würde, und es unmöglich machte ihn zu erreichen. Aber er zögerte. Er konnte nicht geradeaus denken. Es war schlimm genug, ohne das alles zu versuchen ihm nahe zu sein, jetzt würde es noch eine Million Mal schwieriger sein. Er hatte ihn nie verletzen wollen. Es war das letzte in der Welt gewesen, dass er hatte tun wollen.

Er presste eine Hand gegen seine Stirn bis es schmerzte und versuchte den Schmerz zu benutzen um sich konzentrieren zu können. Entschuldigung. Das war das Wichtigste. Es war das Einzige, das zählte. Tony musste wissen, dass es ihm leid tat. Er hatte ein paar Minuten für sich gehabt, mit etwas Glück würde er sich beruhigt haben... . Jack zwang sich selbst nicht weiter darüber nachzudenken und ignorierte die Furcht, die in ihm eingeschlossen war. Ein Teil seines Verstandes jubelte, jetzt hast du, was du wolltest, gut gemacht, Jack, du hast ihn verloren..., der Rest von ihm rebellierte bei dem Gedanken, nein, ich kann das nicht ertragen, oh verdammt... und alles in ihm wusste, dass er geglaubt hatte, genau das zu wollen. Doch nun, da er der Aussicht gegenübertrat es wirklich erreicht zu haben... er schüttelte den Kopf und ging zur Tür. So hatte er es nicht gewollt. Er hatte ihn nicht verletzen wollen, besonders nicht auf diese Weise, vor allem anderen nicht damit. Sie hatten nie darüber gesprochen, und das war kaum überraschend - er wusste, dass es etwas war über das Tony vermutlich niemals sprechen würde. Und das konnte er nachempfinden.

Er merkte, dass er bereits wusste, wo er sich befand, obwohl kein Laut zu vernehmen war. Vor der Außentür hielt er an und versuchte sich zusammenzureißen, versuchte sich abzuhärten gegen das Verlangen hinauszurennen, ihn festzuhalten, zu versuchen ihn alles vergessen zu lassen. Tony würde ihn nicht in seine Nähe lassen, das wusste er. Aber das hielt ihn nicht davon ab, das zu wollen, was er wollte, und er verfluchte das Chaos, das er angerichtet hatte, bevor er die Tür öffnete und hinaus trat.

Die Veranda wurde von den Lichtern aus dem Wohnzimmer schwach erleuchtet, die mild durch die schmalen Vorhänge nach draußen sickerten. Für einen kurzen Moment hielt er inne, ließ die sachte, nächtliche Brise auf seiner Haut spielen. Sie blies leise, bewegte die Hitze ohne sie zu erleichtern, erlaubte dem Meer ein Übermittler zu sein, der den Geruch des Ozeans über die landgebundenen Sinne brachte. Er atmete ein, schmeckte ihn, ließ ihn alles fortspülen mit Ausnahme der Angst. Er wollte sich an ihr festhalten, hätte sie auch niemals loslassen können. Sie war es, die ihn dazu brachte sich vorwärtszubewegen, obwohl er fürchtete, was er hören würde.

Endlich wand er sich um, seine Augen fanden sofort, was seine Eingebung ihm schon längst verraten hatte. Tony stand am Ende der Veranda, starrte in die Dunkelheit, die das Wasser zudeckte, ein Schatten an der Grenze des verblassenden Lichtes. Jack konnte nicht sprechen, die Anziehungskraft seines Körpers war beinahe unwiderstehlich, obwohl er wusste, dass er ihm nicht willkommen sein würde, er wollte ihn festhalten. Er zwang sich selbst den Wunsch aus seinem Kopf zu verbannen, machte sich bewusst, dass auch, wenn er nicht so etwas Furchtbares gesagt hätte, es dennoch niemals möglich gewesen wäre diese Hitze gegen seine zu spüren. Jetzt war nicht die Zeit für Heuchlerei.

Er wusste, dass seine Anwesenheit bemerkt worden war durch die Art, wie Tony schließlich hinuntersah auf etwas, das er in seinen Händen hielt. Obwohl er sich kaum bewegte, das Ausbleiben einer Reaktion sagte alles... und außerdem, er fühlte den Schmerz, der von ihm ausging. Er war stärker, als alles andere, das die Nacht mit sich trug, seine Wucht bedrängte ihn, wurde von ihm aufgesogen, überwältigte ihn, machte ihn krank. Er schloss seine Augen, und zwang sich zum Sprechen, obwohl er wusste, dass er nicht mehr als ein Flüstern herausbringen würde.

“Es tut mir leid.”

Er öffnete seine Augen, als er hörte wie ein tiefer Atemzug zitternd eingesogen wurde - konnte nicht erkennen ob es Ärger war oder Schmerz, der ihn flackern ließ. Wahrscheinlich beides. Seine Augen gewöhnten sich zunehmend an das Licht, sein Verstand lernte sich mit der Last der Konsequenz abzufinden, und er beobachtete, wie Tony beinahe unmerklich seinen Kopf schüttelte, hinunter starrte, und dann das T-Shirt anzog, das er in seinen Händen hielt. Erst als er es an hatte und die Arme fest vor seiner Brust verschränkt waren, drehte er sich um. Er sagte nichts. Er lehnte sich nur an das Geländer und starrte ihn an, und Jack fühlte sich bloßgestellt mit seinem Wunsch es wieder gut zu machen. Denn wenn Tony jetzt entscheiden würde zu gehen, gäbe es nichts, das er einwenden könnte, er würde ihm nichts vorwerfen... aber er konnte den Gedanken nicht ertragen. Nicht so. Und es wollte ihm immer noch nichts einfallen, das er sagen könnte.

Tony beäugte ihn mit vorgetäuschter Verachtung, blickte ihn gnadenlos an, gab ihm keine Möglichkeit sich zu verstecken, schob die Last absichtlich dorthin, wo sie sein sollte. Er konnte das. Er konnte an der Oberfläche kühl erscheinen, sein Gesicht ruhig halten, nicht zulassen, dass es auseinanderfiel; Er konnte der Mörtel sein, der etwas Zersplittertes zusammenhielt, der Lackanstrich, der das Holz schützte, die Kruste über der kochenden Lava. Darin war er gut. Darin war er bereits seit Jahren gut. Aber er machte sich selbst nichts vor - er konnte es nicht lange durchhalten. Es würde nicht andauern. Wie auch immer diese Szene enden würde, sie würde schnell vorübergehen müssen. Es wäre nicht viel vonnöten um den Lack aufplatzten zu lassen, und wenn er es tat, dann läge alles offen. Und er konnte den Gedanken nicht aufhalten, dass, noch vor zehn Minuten,genau das ihn Ordnung gewesen wäre. Er wäre froh gewesen Jack gegenüber offen sein zu dürfen. Aber jetzt musste er sich selbst schützen, er wusste nicht, ob er es konnte, nicht wenn sein eigener Schmerz auf einen Spiegel traf und direkt zu ihm zurück geworfen wurde, nicht wenn er sein bloßgestelltes Ich sah, das nur zehn Fuß von ihm entfernt stand. Sie waren so verschieden, er und Jack, und zur selben Zeit, waren sie sich ähnlicher, als es ihnen jemals lieb wäre, auf jeden Fall in Situationen wie diesen. Sie teilten mehr, als sie jemals erkannt hatten.

Er sah zu wie er sich unbehaglich unter seinem Blick wand, die Finger seiner rechten Hand rieben leicht gegeneinander, eine vertraute Geste, die von blankliegenden Nerven und gereizten Sinnen erzählte. Er konnte sehen, wie er versuchte etwas zu sagen, und hätte ihm beinahe geraten sich die Mühe zu sparen. Es gab nichts, das er hätte sagen können. Aber er behielt es für sich, sah ihn nur an, konzentrierte sich darauf alles in seinem Inneren zu behalten, nicht nach außen dringen zu lassen wie schwer der Felsen in seinem Magen wog, wie kein Teil seines Verstandes es glauben konnte, dass Jack , und Jack vor allen anderen Menschen so etwas zu ihm gesagt hatte... von jedem anderen wäre es leichter zu ertragen gewesen. Dann hätte er sich abgewendet, sich zurückgezogen - aber ruhig, so dass sie nicht die Genugtuung haben würden die Wirkung auf ihn zu bemerken. Und wenn es jemand wäre, der ihm etwas bedeuten würde, dann hätte er ihn vielleicht geschlagen.

Aber bei ihm, da gab es keine Verteidigung. Auch wenn er sich nicht gegen ihn gedrängt hätte, pochend vor Verlangen, in sein Ohr geatmet hätte, ihn sanft berührt, versucht hätte ihm zu zeigen, was er fühlte... auch ohne das alles, hätte es ausgereicht um ihn zusammenbrechen zu lassen. Er hatte nie daran gedacht einen Schutzwall aufzubauen, wenn er mit ihm zusammen war, denn es war ihm niemals in den Sinn gekommen, dass es nötig gewesen wäre. Und jetzt hatte er das Gefühl, als würde er nie wieder normal atmen können, nie wieder ohne Schmerzen gehen, ihn nie wieder ansehen zu können ohne den Schlag aus dem Nichts zu erwarten.

Er unterdrückte es so gut er konnte, hob es für später auf, wenn er in Einsamkeit zusammenklappen würde. Jetzt war noch nicht die Zeit dafür. Wenn er es jetzt täte, würde Jack ihn berühren, und er würde um sich schlagen, denn das Letzte, mit dem er jetzt würde umgehen können, war Nähe. Oder Freundlichkeit. Er wusste es ohne darüber nachdenken zu müssen, also unterdrückte er es, konzentrierte sich statt dessen darauf, wie die blauen Augen in dem schwachen Licht dunkel wirkten, wie die Luft in seinem Nacken die feuchte Haut belästigte, darauf wie der Sand sich in einer Ecke der Veranda angesammelt hatte, wie das nicht enden wollende Verstreichen der Zeit durch das Strömen des Wassers an die Küste wiederholt wurde, zählte hinunter bis diese Szene vorüber sein würde, schneller, es wird vorüber gehen..., aber das war dumm, denn die Wellen würden sich nicht beeilen und die Dinge brauchten so lange wie sie brauchten. Und wenn das hier nicht bald vorüber sein würde, dann würde er genau hier zu Boden stürzen, denn die Bilder, die vor wenigen Momenten durch seinen Verstand geblitzt waren, drohten nun wiederzukommen, genau jetzt, während er Jack anstarrte, und er konnte sie nicht wieder zulassen, nicht jetzt, wollte diese Schreie nicht wieder hören, ganz besonders, da es seine eigene Stimme war, die in seinem Kopf erklang. Er hatte das Gefühl, dass, wenn er sie hören würde, sie auch für Jack zu hören wäre, und das wollte er nicht. Er konnte das nicht teilen. Nicht mit dem Menschen, der es ausgelöst hatte. Er wollte über die Ironie grinsen, aber sein Gesicht war gefroren, und außerdem war es nicht lustig. Jack hatte es einmal in Ordnung gebracht, und jetzt war er der Einzige, der es auf diese Art wieder zurückbringen konnte. Niemand anders hatte diese Macht. Er hatte geglaubt, dass er ihm damit trauen könnte.

Er baute eine weitere Mauer um diesen Gedanken und verschloss ihn. Vielleicht später. Wenn der Mörtel bröckelte, würde er ausrasten, so war alles, das er tun konnte die Dinge zusammen zu halten. Also behielt er den Lack an seinem Platz, und versuchte die Tatsache zu verstecken, dass das Innere nach außen drängte.

Jack wurde unruhig, Tony hatte sich nicht bewegt, hatte seine Entschuldigung nicht angenommen. Er wusste nicht, was er noch sagen sollte. Er griff in seine Tasche und zog eine verbeulte Packung Zigaretten und ein altes Feuerzeug heraus, nahm eine und bot sie ihm zurückhaltend an, fragte sich, ob er sie überhaupt durch diesen Flecken Licht zwischen ihnen erkennen konnte. “Zigarette?”

Er erhielt keine Antwort und zog die Hand langsam zurück, drehte die Zigarette zwischen steifen Fingern, aber zündete sie nicht an. “Tony bitte, es tut mir leid. Du weißt, ich habe nicht gemeint... “ Er brach ab, denn es gab keine Möglichkeit den Satz zu beenden. Er ahnte, was Tony gerade durchmachte, zumindest einen Teil davon... er hatte den Ausdruck auf seinem Gesicht gesehen und wie er sich an Dinge erinnerte, an die er geglaubt hatte, nie wieder denken zu müssen. Sein Magen drehte sich um, schmerzte ihn, weil er Schmerz verursacht hatte, wollte ihn lindern, aber wusste nicht wie. Er trat einen Schritt vor und fühlte wie Tony zurückwich, weg von ihm, ein unmittelbarer Reflex, der nun ständig bestehen konnte, soweit er es wusste. Er stoppte und sagte einfach, ohne darüber nachzudenken, “Möchtest du darüber reden?”

Er verwünschte sich selbs,t noch bevor das spöttische Schnauben ihm aus der Dunkelheit entgegen klang. Natürlich wollte er das nicht. Aber dann war er an der Reihe zu erstarren, Wörter wurden wie Pfeile auf ihn abgeschossen, in einem Ton, der zornig und abweisend war, und ein wenig höher und unsicherer, als er normalerweise wäre, all das zur gleichen Zeit.

“Möchtest du über Salazar sprechen, Jack?”

Die Wellen trafen zehn mal den Strand, bevor er sich wieder bewegen konnte, und als er es konnte, schluckte er und fühlte seinen Herzschlag in dem Klumpen in seinem Hals. Touché... Er senkte seine Augen auf die Zigarette, mit der er irgendwie immer noch spielte, platzierte sie schließlich zwischen seinen Lippen und entzündete sie vorsichtig, konzentriert. Der lange Zug, den er nahm, war bedächtig und wohlüberlegt, auch beruhigend, als Tonys trockenes “Nein” seine eigene Frage beantwortete. Ein “ich denke nicht” brauchte nicht hinzugefügt zu werden.

Es half, irgendwie. Er konnte nicht leugnen, dass dieser Kommentar eine Menge Erinnerungen hervorrief, die er nicht wieder besuchen wollte, aber sie zwangen ihn einen Schritt zurückzutreten. Er konnte nicht mit ihnen umgehen, damit, was geschehen war, und mit Tony zur gleichen Zeit, und es war offensichtlich, dass in dieser Nacht keinerlei Unterhaltung mehr stattfinden würde. Und jetzt... ging auch das in Ordnung für ihn. Er wollte nur noch sicher gehen, dass er eine Sache wusste.

“Abgesehen von allem anderen - ich möchte nur, dass du weißt, dass es mir leid tut, OK? Ganz ehrlich.”
Er fühlte, dass er den Kopf drehte und ein wenig seine Wange kratzte. “Ja.”

Es war seltsam, wie man sich am Rande eines Kollaps befinden konnte, und im nächste Moment vollkommen taub schien. Natürlich hatte er das schon zuvor erlebt, aber es überraschte ihn doch immer wieder. Er fragte sich, ob es jemals eine Zeit geben würde, in der er das nicht mehr würde fühlen müssen, denn sicherlich mussten andere Menschen nicht regelmäßig mit so etwas umgehen? Natürlich bestand auch immer die Möglichkeit, dass er eines Tages gefühllos bleiben würde.

Er drehte sich um und ging ins Haus zurück. Eine kleine Tasche war rasch mit einer Wasserflasche, Zahnbürste und einem T-Shirt gefüllt. Auf seinem Weg zurück durch die Küche, zögerte er einen Moment, fügte dann eine der Whiskey Flaschen hinzu. Als er wieder auf der Veranda auftauchte, hatte sich Tony kein bisschen bewegt, mit Ausnahme seiner Augen, die auf den Boden vor ihm starrten.

“Ich werde auf dem Boot schlafen. Nimm das Bett, wenn du willst, es dürfte bequemer sein.”

Der dunkle Kopf schnellte nach oben und er wurde durchdrungen von der Art, wie die Augen leuchteten. Er fragte sich ob sie voller Wasser gewesen waren, bevor er herausgekommen war, oder ob sein letzter, dummer Kommentar das ausgelöst haben konnte.

“Nimm das Bett? Zur Hölle mit dir, Jack.”

Er sah ihn an, und ihre Blicke trafen sich für eine lange Minute. Und Jack musste gehen, denn wenn er nicht zusammenbrechen und ihn festhalten konnte, dann konnte er auch nicht in seiner Nähe sein. Noch nicht. Und Tony wollte ihn hier nicht, das konnte er sehen. Also nickte er und ging, fort vom Haus, das er gelernt hatte zu hassen, fort von dem Einzigen, das es überhaupt erträglich machte.

Tony sah ihn gehen, hielt die Fassade aufrecht, kämpfte darum, als ginge es um sein Leben. Er wollte nicht fühlen, von dem er wusste, das er es fühlen würde, er war an diesem Ort schon gewesen und er wusste wie schlimm es dort war. Und er wusste, dass es dieses Mal schlimmer sein würde, denn er war in keinster Weise darauf vorbereitet gewesen... es lauerte in den dunklen Ecken seines Geistes, wartete bis es sicher war, versteckte sich in den Schatten bis die Bahn frei war. Er sah Jack in der Dunkelheit verschwinden, wartete bis die niedergeschlagene Gestalt von der Nacht verschluckt worden war, bevor er allen Schutz fallen ließ. Der Lack schmolz, die Schultern sanken und er trat blindlings zurück, ohne anzuhalten, bis seine Rücken an das Haus stieß. Dann lehnte er sich daran, spürte den Stein sicher und unbeweglich hinter ihm, er würde nirgends hingehen. Er würde ihn die ganze Nacht stützen, wenn es nötig sein sollte.

Seine Knie gaben langsam nach und er ließ sich an der Wand hinab gleiten. Er hatte geglaubt, dass er weinen würde, hatte es schon seit einer Weile auf eine verschwommene Art bekämpft, sobald er den Klumpen in seinem Hals als das erkannt hatte, was er war. Aber jetzt, wo er frei war um zusammenbrechen, fand er heraus, dass er es nicht konnte. Der Schmerz war noch da, das Gift, das durch seine Venen rann, die Schwere, die sich durch seinen Körper kämpfte... er schien ihn nicht los lassen zu können. Es war, als ob Jack die Verzweiflung mit sich genommen hatte, als er gegangen war, als hätte er ihm die Fähigkeit genommen den Schmerz mit Tränen fort zu waschen. Er hatte den Spiegel mit sich genommen, und jetzt konnte er nichts mehr sehen, wusste nicht, was er fühlen sollte. Er war nur taub, völlig unfähig zu verstehen was geschehen war und nicht bereit der Tatsache gegenüberzutreten, dass es keine Rolle spielen mochte. Alles, das sie durchgemacht hatten könnte sinnlos gewesen sein - denn genau jetzt, war er nicht mehr sicher bei Jack. Und wenn er das nicht war, dann gab es keine Möglichkeit es je mit einem anderem zu sein.

Die Dunkelheit schien von seinem Platz auf der Veranda aus undurchdringlich, und er hoffte, dass Jack da draußen zurecht käme. Er war es schließlich gewöhnt, oder nicht?
Sich zu verstecken, zu verschwinden, wenn es notwendig wurde. Aber dieser Ort war sein Versuch gewesen einen sicheren Hafen zu schaffen, und genau das war es auch für ihn - zu wissen, dass dieser Ort existierte, dass er dort war... es hatte ihm immer ein Gefühl von Freiheit gegeben. Und jetzt war es verschwunden, und Jack entschwand ebenfalls, ließ ihn mit nichts als schmerzhaften Erinnerungen zurück, den entfernten Schreien, die durch ihn hallten, wenn er alleine träumte und der gewaltigen, klaffenden Lücke, die nur ein Mensch hatte füllen können. Er lehnte den Kopf auf seine Knie, schloss die Augen und ließ es zu, dass die Vergangenheit ihn überwältigte. Jack war gegangen und konnte es nicht aufhalten, zur Hölle, er hatte es verursacht, so sicher wie er es beim letzten Mal geheilt hatte, als es noch frisch gewesen war. Also gab es niemandem, der ihm hierbei helfen konnte, und er könnte es genauso gut noch einmal durchstehen, die Bilder würden nicht einfach so weg gehen, das wusste er aus Erfahrung. Und wenigstens gab es hier auf der Veranda ein Licht, er konnte sehen, dass er nicht mehr in der Hölle gefangen war, wenn er es nur fertig brachte seine Augen zu öffnen.

Wasser sickerte endlich an geschlossenen Augenlidern vorbei, ein langsames Tröpfeln, das nicht einmal lange genug andauerte, um als Weinen bezeichnet zu werden. Es war dieses mal anders, denn er hatte keine Tränen für das, was ihm genommen worden war, kein panisches Schluchzen, nach einem Albtraum, der ihn diese ganze Prüfung noch einmal durchleben ließ... nein, dieses Mal vergoss er Tränen um Jack, der ihn verlassen hatte und nun da draußen in der Dunkelheit war, vor seinen Blicken verborgen. Es wurde ihm klar, als er seinen Kopf hob, und seine bereits trocknenden Augen öffnete, dass - ja, er konnte sehen, dass er nicht mehr gefangen war... aber so wie es sich anfühlte, konnte Jack das nicht. Es spielte keine Rolle, ob er sich in der Nacht oder am Tag versteckte, für ihn war jetzt alles das selbe.

Es war eine geringe Offenbarung, aber er würde nun auch nicht darüber nachdenken. Und schon gar nicht hier, allem ausgesetzt. Er richtete sich auf und ging hinein, hielt nur einen Moment inne um die Lichter auszuschalten, bevor er sich der Treppe zu wandte. Und als sein Fuß die unterste Stufe erreichte, zögerte er, wartete einen Moment und ging dann zur Tür zurück. Die Glühbirne auf der Veranda flackerte müde, als er den Schalter umlegte... es sollte ein Licht leuchten, das Jack helfen konnte seinen Weg nach Hause zu finden.

---------------------------------------------------

Zurück/Back