Meridian - Kapitel VI

Meridian

by fightingthecage
übersetzt von cal_listo24
SigridLenz@aol.com



Titel: Meridian, Übersetzung aus dem Englischen, Kapitel VI
Autor: fightingthecage
Beta-Leser: JessicaWrites
Übersetzung: cal_listo24
Fandom: 24
Pairing: Jack, Tony
Genre: Drama
Zusammenfassung: Tony will Antworten, Jack stößt ihn etwas zu hart zurück!
Word Count: 5210
Rating: R/NC-17
Warnungen: Sprache, m/m slash
Anmerkungen: gehört alles 24, kein Geld, etc. ....
Meridian, Kapitel VI

Link zum wunderbaren Original von fightingthecage: http://community.livejournal.com/24_fanfic/64586.html


Er beobachtete ihn während des Abendessens, konnte nicht anders. Er hatte sich abweisend verhalten, seitdem er eingetroffen war, aber heute nacht schien es anders zu sein. Jetzt wirkte er... er würde sagen... traurig. Niedergeschlagen wäre wohl ein besseres Wort dafür, aber es würde auch nicht ganz passen.

Er hatte ihm ein Sandwich zum Boot hinunter gebracht, nachdem er zurückgekehrt war, und war überrascht gewesen ihn nicht bei der Arbeit zu finden. Jack war dagesessen, mit einem Bier in der Hand und hatte auf das Meer hinaus gestarrt. Er hatte ihm dann einfach das Essen gegeben und eine Minute gewartet, aber nur ein leises “danke” und nicht mehr, als Antwort erhalten. Sein Körper war müde erschienen und er hatte erst angefangen zu essen, nachdem er sich umgedreht hatte und gegangen war - es war ein wenig beunruhigend gewesen.

Er hatte den Nachmittag mit Lesen am Strand verbracht, um Jack etwas Raum zu geben, aber gleichzeitig ein Ohr offen gehalten für Anzeichen von Bewegung oder Aktivität. Es hatte keine gegeben, das Sonnenlicht hatte auf seinem Haar geglitzert, als er neben dem Steuer gesessen hatte ohne irgendetwas zu tun. Am Ende hatte er es aufgegeben zu lesen, war nur dagelegen und hatte vor sich hin gedöst und versucht die Traurigkeit abzuschütteln, die ihn seit seiner Wanderung durch das Haus am Morgen, erdrückt hatte. Der kleine Streit um das Geld hatte ihn nur kurzzeitig wütend gemacht, der Zorn war verschwunden, als er in den Ort gegangen war, und übrig geblieben war nur die Frage, warum es Jack für notwendig hielt sich so zu verhalten. Aber er brauchte sich nicht mehr zu wundern, es war ganz offensichtlich, was er versuchte. Ob er wirklich glaubte, dass, sich mies zu verhalten ausreichen würde, um ihn fort zu jagen? Und warum nur wollte er das überhaupt? Er verstand es nicht.

Jack hatte sich gerührt, als die Sonne im Sinken begriffen war, und er war gezwungen gewesen ihm auf seinem Weg zurück ins Haus zu folgen. Er war einen Moment stehen geblieben und hatte den Eindruck erweckt, als wollte er etwas sagen, worauf er ihm zur Hilfe geeilt war, indem er gefragt hatte, ob er kochen solle. Jack hatte ihn mit einem kleinen Lächeln angesehen.

“Bist du in Stimmung für Pasta.”

Das hatte ihm ein aufrichtiges Lächeln entlockt, weil Jack sich daran erinnert hatte, dass er immer darauf bestanden hatte zu kochen, wenn Pasta auf dem Speiseplan gestanden hatte. “Ja, macht`s dir was aus?”

“Nein. Du weißt, ich mag das.”

Er hatte noch etwas gezögert und dann gesagt, dass er eine Dusche nehmen würde. Er hatte ihn alleine gehen lassen, so als wollte er ihn nicht bedrängen, hatte es für unmöglich erachtet in dieser Nacht aus irgendeinem Grund auf ihn böse zu sein. Er schien besiegt zu sein. Er wollte ihn festhalten und ihn an seiner Brust einschlafen lassen, so wie sie es gewohnt gewesen waren - es verursachte ihm körperlichen Schmerz, dass es nicht möglich war. Also hatte er ein paar Minuten lang den Sonnenuntergang betrachtet und die aufsteigende Verzweiflung bekämpft, die in seinem Bauch rumort und sich dann in seiner Brust niedergelassen, sich auf sie gesenkt und das Atmen erschwert hatte. Und er hatte entschieden, dass es so nicht weitergehen konnte, Jack würde mit einer Erklärung herauskommen müssen. Sogar, wenn es etwas sein sollte, das er nicht hören wollte, alles war besser als das. Er kam nicht zurecht mit der Vorstellung von Tagen des Schweigens und des Schmerzes und er fühlte, dass er das auch nicht musste. Wenn geradeheraus zu fragen nichts bewirkte, dann gab es vielleicht einen anderen Weg.

Das Abendessen war die meiste Zeit ruhig verlaufen, sogar die Atmosphäre war drückend. Jedes Mal, wenn ihm etwas eingefallen war, was er sagen wollte, schien es auf einmal irrelevant. Er war sich nicht sicher, ob Jack es überhaupt versuchte, in erster Linie starrte er auf seinen Teller , während er sich unerschütterlich durch sein Essen arbeitete. Er wartete absichtlich, bis er fast fertig war, bevor er etwas sagte.

“Ich hab mir ein Buch geliehen. Hoffe es macht dir nichts aus.”

Kalte Augen starrten ihn an. “Du bist in meinem Zimmer gewesen?”

“Ja.” Er konnte fühlen, dass dieses Eindringen nicht erwünscht war, konnte ebenso davon ausgehen, dass Jack es schon gewusst hatte. Vor dem Abendessen war er oben gewesen. “Entschuldige, ich musste etwas tun.”

“Du hast nicht daran gedacht, dir etwas mitzubringen?

“Nein, das habe ich nicht. Ich nahm an, ich würde entweder mit dir arbeiten, oder wir wären im Bett, wie beim letzten Mal.” Es konnte nicht schaden ehrlich zu sein. Er fühlte sich auf einmal krank davon, um diesen Kerl herumzutanzen. Sollte er ruhig die Wahrheit hören. Er verdiente es auch nicht so behandelt zu werden.

Jack sah auf seinen Teller hinunter, zwirbelte seine Gabel herum und ließ sie gegen das billige Porzellan quietschen. “Gut, davon hättest du nicht ausgehen sollen. Und frag das nächste Mal, wenn du etwas borgen willst.” Er antwortete nicht. Es gab nichts anderes in dem Haus, das er borgen konnte. “Also, hat´s Spaß gemacht herumzuschnüffeln?”

“Was meinst du?”

“Du hast in allen Zimmern Spuren hinterlassen, Tony. Ich hab nachgesehen, nachdem mir der Fußabdruck in meinem aufgefallen war. Hast du nach etwas Bestimmten gesucht?”

“Ich wollte nur sehen, welche Fortschritte du gemacht hast. Viel hast du nicht getan, oder?”

“Nicht deine Sache.”

“Ist es nicht?”

“Nein.”

Dem konnte er nicht direkt widersprechen. So sehr dieser Ort sich auch einmal angefühlt hatte, als würden sie ihn teilen, Jack war der Besitzer. Und in diesem Moment fühlte er sich wie der unwillkommenste Gast der Welt. Er musste wissen was los war, er konnte nicht noch mehr davon ertragen. Jacks Stimme war wieder kalt, keine Spur mehr von dem Zögern, das er am Strand wahrgenommen hatte. Vielleicht war er sauer darüber, dass er in seinem Zimmer gewesen war und wollte das deutlich machen, aber sie beide wussten, dass darin nicht das eigentliche Problem bestand.

“Hast du jemand anderen kennen gelernt?”

Er sah überrascht aus, aber zögerte nicht. “Nein.”

“Nimmst du wieder Drogen?”

Seine Mundwinkel zuckten leicht. “Warum hast du mich das nicht gefragt, bevor du hier alles auf den Kopf gestellt hast? Ich hätte dir eine Menge Zeit sparen können.” Er fing Tonys halb versteckten Ausdruck von Überraschung auf, gemischt mit Belustigung, und erklärte. “Du hast dir kein Buch aus dem unteren Badezimmer ausgeliehen, Tony.”

“Ich hätte doch auf die Toilette gehen können.”

“Nicht, wenn die Spülung nicht funktioniert. Wie auch immer, du warst auch im Abstellraum.” Es entstand eine Pause, die beinahe angenehm zu nennen wäre. “Und um deine Frage zu beantworten, nein. Ich nehme keine Drogen. Nicht, dass du das wirklich geglaubt hättest.”

“Dann sag mir worum es geht?”

Das Schweigen wurde nur von Jacks Gabel unterbrochen, die über den Teller schlitterte. Das leichte Gefühl der Entspannung, das sich gerade eingestellt hatte, verschwand wieder, so zerbrechlich wie ein Spinnennetz in einem Wirbelsturm, und die Spannung war in voller Intensität wieder da. Er lehnte sich zurück und beobachtete sein Gesicht, suchte einen Hinweis darauf, was in ihm vorgehen konnte. Aber Jack war zu gut in diesen Dingen, er wusste, wie er Gefühle verstecken konnte, wenn er es wirklich wollte. Sein Gesicht zeigte nichts, überhaupt nichts. Er konnte noch nicht einmal in seine Augen sehen, also gaben sie auch nichts preis. Alles, das er seiner Körpersprache entnehmen konnte, war seine Anspannung, und das war keine Überraschung.

“Ich hab´s dir heute morgen gesagt, ich habe mich weiterentwickelt.”
Der Ton war sanft, aber das musste nicht bedeuten, dass er log. Auch nicht, dass er die Wahrheit sagte. “Ich glaube dir nicht.”
“Es spielt keine Rolle, was du glaubst, Tony.” Er fing an die Teller zusammenzustellen. “Ich werde das hier aufräumen, warum genießt du nicht das Buch, auf das zu borgen du so wild warst.”

Er stand auf und ergriff sein Handgelenk. Jack hielt für einen Moment in seiner Bewegung inne, aber sah ihn nicht an. “Ich helfe dir.” Er zeigte auf das Geschirr, aber sie beide wussten, was er meinte. Jack schüttelte den Kopf und schien wieder traurig.

“Ich komme zurecht.”

Er sah ihm nach, die Enttäuschung war größer als je zuvor. Er beantwortete direkte Fragen leicht, mit Ausnahme derjenigen über sie beide. Es gab keinen Zweifel darüber, dass er die Wahrheit über die Drogen sagte, und darüber, dass es niemanden anderes gäbe - aber verdammt! Das hatte er auch schon vorher gewusst. Er biss in schweigendem Ärger die Zähne zusammen, zum ersten Mal wirklich wütend. Ja, das tut weh. Ja, es ist verwirrend. Und ja, ich möchte es auch nicht noch schwerer für dich machen. Aber um Himmels willen, Jack, ich habe es nur bis zu diesem Punkt geschafft, geduldig zu sein. Du wirst mir sagen, worin das Problem besteht, du Mistkerl. Ich kann diese Stille nicht für immer ertragen...

Es gab wirklich nur noch eine Sache, die er tun konnte. Er wusste, dass es ihn aufbringen würde, nach dem, was er an diesem Morgen auf dem Boot gesagt hatte, aber es wäre möglicherweise das Einzige, das dieser Kälte ein Ende setzen konnte. Mittlerweile gingen ihm die Einfälle aus.

* * * * *

Jack wusch die Teller langsam, versuchte den Prozess hinauszuziehen, als wäre er ein Kind, das versuchte eine Strafe vor sich her zu schieben. Das heiße Wasser stach in seine schmerzenden Hände und der Seifenschaum strömte vom Spüllappen über die Bereiche, an denen die Haut durchgescheuert war, drang in die offenen Stellen, bis sie sich über die achtlose Behandlung beschwerten. Aber er zögerte es immer noch hinaus, so lange er konnte, sein Verstand grübelte darüber nach, was als nächstes zu tun wäre.

Aus seiner Sicht war es immer noch früh, die Sonne war vor einer Weile untergegangen, und das letzte natürliche Licht war verblasst, aber er hatte am Morgen geruht, und fühlte sich nicht schläfrig. Er wusste, dass Tony auch spät aufgewacht war und noch nicht zu Bett gehen würde, also blieb die Frage, was sie tun sollten, wie ein verstockter Nebel in seinen Gedanken hängen, bereit ihn mit Vorschlägen zu überfallen, was er gerne tun würde. Er bekämpfte sie so gut er konnte, aber er hatte den ganzen Tag dagegen angekämpft und jetzt war nicht mehr genug zu tun um seine Hände oder seine Gedanken zu beschäftigen. Er seufzte, und ließ das Wasser ablaufen, sah zu wie es Schritt für Schritt versank und fühlte sich, als würde es seinen Widerstand mit sich nehmen. Er war sich nur zu bewusst, dass er noch vor nicht allzu langer Zeit diese Hausarbeit schon längst beendet hätte und sie sich jetzt im Schlafzimmer befinden und auf eine lange Nacht vorbereiten würden, wobei Schlaf das letzte wäre, an das sie denken würden.

Die Dunkelheit draußen war vollkommen und er konnte nichts durch das Fenster erkennen, würde es auch nicht können, wenn die schwache Glühbirne in der Küche ausgeschaltet wäre. Er wünschte, sie wäre es, wünschte, er könnte in den Schatten stehen, unsichtbar sein und nicht dieses Problem haben. Es wurde allgemein angenommen, dass er gut darin wäre seine Gefühle zu verbergen, aber das war nicht wahr, denn jedes Mal, wenn Tony sich ihm auf mehr als zehn Meter näherte, leuchtete er auf wie eine brennende Fackel und fühlte sich kurz vor der Explosion. Der Druck es zu verbergen, zerriss ihn innerlich. Und es lagen noch Stunden vor ihm, bevor er würde schlafen können, und hier gab es keinen Ort, an dem er sich verstecken konnte.

Vielleicht sollte er gehen und auf dem Boot schlafen. Das dürfte das Sicherste sein. Aber er würde warten müssen, bis Tony zu Bett gegangen sein würde, bevor er die Flucht ergreifen konnte. Denn der Gedanke an den Schmerz in seinem Gesicht, wenn er jetzt hinausginge, der Gedanke, dass er wissen würde, dass er davonlief, machte ihn krank. Es hatte seine gesamte Stärke erfordert nicht zusammenzubrechen und sich für sein voriges Verhalten zu entschuldigen, jedes Mal, wenn er den Schmerz sah, den er verursachte und die Enttäuschung, wenn er ihn wieder abwies... wollte er schreien. Und ihn dann packen, und halten und ihn nicht mehr los lassen.

Er stützte seine Hände auf das Waschbecken, suchte nach etwas kühlender Erleichterung durch das Metall. Aber er hatte kein Glück, es war erhitzt, wie immer und es gab keinen Weg dem zu entkommen. Wärme umgab ihn, die Nacht war erstickend wie immer, sogar noch mehr, da das Blut ununterbrochen in seinen Adern kochte. Er schloss seine Augen und hörte es durch ihn hindurch brausen, Flüssigkeit des Lebens, gefangen, ohne einen Fluchtweg, hämmernd nach Erleichterung suchend. Er fühlte, dass er in seinem Rhythmus vibrierte, es sang in seinen Ohren, zu laut in der Stille des Zimmers. Und außerhalb dieser Türen gab es nichts, das ihm helfen konnte, die Welt war still und schlief, die Luft bewegte sich nicht und es gab keine Ablenkung mehr. Nur ihn, und im Nebenraum Tony, die einzigen Menschen weit und breit. Und der einzige Mensch, dem er nicht nahe sein konnte.

In seinem Nacken stellten sich die Haare auf. Es gab eine Erschütterung seines Gleichgewichts und ein Schauder durchfuhr ihn. Er öffnete nicht die Augen, aber fluchte leise vor sich hin, als seine Haut ihn verriet, indem sich eine Gänsehaut über die Oberfläche ausbreitete. Er fühlte Augen auf seinem Rücken, sie kamen aus dem Nirgendwo, und er baute müde wieder die Barrieren auf, die sie abhalten sollten. Er konnte jetzt nicht nachgeben. Er rief sich die Erinnerungen an seinen letzten Zusammenbruch wieder ins Gedächtnis, zwang alles Gute hinfort. Das musste er, wollte er eine Chance haben. Und sein Blut schrie, rann gewaltig durch ihn hindurch, pumpte schneller, härter, und er fühlte, wie die Luft um ihn herum vor Verlangen summte, dem er sich nicht erlauben würde nachzugeben. Sein Kopf sank und er starrte auf das Metall unter seinem Händen, klammerte sich daran fest und betete um Stärke.

Tony lehnte im Türrahmen und sah zu wie er sich, in der Sekunde, in der er seine Anwesenheit spürte, in sein Innerstes zurückzog. Er schien die Luft um sich herum einzusaugen und festzuhalten, sie als Mauer zu benutzen, alles zu tun, um sich zu schützen. Sein Körper war starr vor Spannung, und, verdammt, nichts davon ergab einen Sinn. Der Mann kämpfte so offensichtlich darum zu widerstehen, es war klar, was er wollte. Er sagte nichts, beobachtete nur, seine Augen sogen ruhig auf, wie Jack die Schultern in Abwehr krümmte. Das gedämpfte Licht der Glühbirne verlieh dem Raum einen gelben Schein, wie Zeitungen, die zu lange in der Sonne gelegen waren. Die Luft zwischen ihnen war schwer, er schloss einen Moment die Augen und konnte fühlen wie Jack sich seiner Anwesenheit bewusst war, konnte fühlen wie er widerstand, spürte etwas wie Furcht von ihm ausgehen. Und das schmerzte, denn zwischen ihm und Jack hatte es immer so etwas wie Sicherheit gegeben. Vielleicht nicht in ihrer Situation, aber untereinander, wenn es nur sie beide waren - er wusste, dass er nie absichtlich verletzt werden würde. Im Feld würde Jack ihn töten, wenn er das müsste, aber in der Stille ihrer geteilten Einsamkeit... nein.

Er wollte nur verstehen. Wenn er ihm nur sagen würde, was los war, sie könnten es in Ordnung bringen. Warum sagte er, dass er ihn nicht mehr wollte, wenn es so offensichtlich nicht wahr war. Seine Augen beobachteten weiterhin den unbeweglichen Rücken vor ihm, während er mit gekreuzten Armen und einem Stein in seinem Magen gegen den Türrahmen lehnte. Vielleicht würde es nicht klappen. Aber er erinnerte sich daran, was er vorher entschieden hatte - dass alles dem hier vorzuziehen wäre. Sogar, wenn er Jacks Worte nicht hören wollte, wenigstens würde er Bescheid wissen. Er stieß sich vom Rahmen ab und kam ruhig näher.

Jack fühlte die Annäherung, öffnete seine Augen und fluchte. Er wollte sich umdrehen und sich bewegen, die Arme vor der Brust verschränken und sich zurücklehnen, sicherlich würde er die Botschaft verstehen und ihn allein lassen? Und er hatte ihm an diesem Morgen geradeheraus gesagt, dass er so etwas nicht versuchen sollte, dass er seine Hände fortnehmen solle. Er fragte sich, ob Tony wusste warum, fragte sich, ob er herausbekommen hatte, dass er seine Hände bei sich behalten sollte, weil er nicht glaubte ihnen widerstehen zu können. Er fühlte jeden Schritt, den der Mann auf ihn zu kam und sein Blut bewegte sich mit jedem von ihnen schneller. Seine Nerven schienen sich zu dehnen und zu versuchen seine Haut zu durchbrechen, und die Lust in seiner Magengrube machte ihre Anwesenheit begierig geltend, als er vorhersah, was kommen würde, obwohl er unfähig war sich zu bewegen und es aufzuhalten.

Sein Nacken wurde starr. Sie waren genau hier, diese Hände. Sie berührten seine Haut. Er hatte ihn gebeten, das nicht zu tun, und er tat es trotzdem. Ein Teil von ihm revoltierte, Zorn marschierte in immer schnelleren Schritten, exerzierte in seinem Kopf, versuchte sich durch den Nebel der Sehnsucht hindurch zu kämpfen, bis zu einem Ort, an dem er gehört werden konnte... aber er ging verloren und verwirrte sich, als Finger langsam begannen seine Muskeln zu bearbeiten, lange Finger sanft probten und kneteten und über seine sonnengebräunte Rüstung glitten, die bereits zerschlissen und verbeult war aufgrund seiner eigenen hart gekämpften Schlachten. Und anstatt die Spannung in ihm zu lösen, veränderten die Finger sie nur, und machten es schlimmer, verwandelten sie in diese Art von Spannung, die nicht mehr zu kontrollieren war. Sie arbeiteten sich langsam von seinem Nacken aus die Schultern entlang, die irgendwie aufgehört hatten zu schmerzen nach den Anstrengungen der letzten Tage. Sie ließen ihn im Stich, indem sie sich weigerten ihm weiter Schmerz zuzufügen, statt dessen wurden sie schmiegsam und weich, luden die Eindringlinge zum Bleiben und zum Fortführen ihre Arbeit ein. Und als sie über die Flächen fuhren und sich auf den langsamen Abstieg, der die Arme hinunter führte, einließen, schien ihre Selbstbeherrschung zu zerbrechen, einzelne Stränge traten hervor, während sie über die farbige Tinte auf seinem festen Bizeps strichen, und er wusste, dass es nur noch Sekunden dauern konnte, bevor der Kampf härter werden würde. Tony würde hier nicht aufhören.

Und er verzweifelte, weil er nach seiner Stimme suchen musste, um das zu beenden, er musste es. Alle Sehnsucht der Welt würde diese Situation nicht ändern können und er wusste, dass er nicht haben konnte, was er sich wünschte. Es gab keinen Ausweg. Weil das alles hier unmöglich , und nichts fair war, nichts jemals fair war, aber so lief es nun einmal... . Und doch war es so schwer sich daran zu erinnern warum, wenn alles, das er auf der Welt wollte, in dieser Sekunde genau hier bei ihm war. Die stillen Flüche kamen verzweifelter, denn die Hitze in seinem Rücken brachte seinen Kopf zum Schwimmen, und dann schlangen sich Arme vorsichtig um seine Taille, langsam, versuchten ihn nicht zu erschrecken, aber gleichzeitig beharrlich. Er wusste was als Nächstes kommen würde und Panik flackerte auf, er musste seine Stimme finden, bevor es passierte, er musste...

Zu spät. Es war soweit. Ein leises Wispern in sein Ohr, Atem, der geisterhaft über seiner Haut schwebte, die bei der leisesten Berührung erzitterte und er konnte fühlen wie die Vibrationen tief in der Brust des Mannes entstanden, die noch nicht ganz seinen Rücken berührte...

“Das dauert jetzt lang genug... “ Gib nach, Jack, ich kann dir helfen. Und, bei Gott, ich will dich...
Jack behielt seine Augen geschlossen, fühlte den endgültigen Verrat seines Körpers, als die Arme sich leicht um seine Taille zusammenzogen, das Blut, das wie übererregtes Kind umher gesaust war, hatte endlich die Tore durchbrochen, es floss schreiend durch jede seiner Adern, sammelte sich dickflüssig in seinen Leisten, zwang seine Haut hartnäckig sich zu dehnen um seinem Verlangen Raum zu geben. Er versuchte es zurückzuhalten, ihm zu erklären, dass es nicht erlaubt war... Aber wem wollte er etwas vormachen, da waren Lippen an seinem Hals, saugten leicht, und alles, das er tun konnte, war nicht laut zu seufzen und vollkommen in diesen Armen zu schmelzen... er kämpfte dagegen, wusste, dass wenn er es nicht tat, alles verloren sein würde, und nichts mehr übrig wäre um ihn zu retten.

“Tony, bitte...”

Er wusste nicht, ob sein Flehen falsch interpretiert worden war, aber er merkte, dass er sich nicht dagegen wehren konnte, zurück an diese Brust gezogen zu werden. Haut presste sich gegen Haut und er konnte den Herzschlag hinter sich spüren, so schnell wie sein eigener, er hämmerte durch ihn hindurch und die Lippen wurden fordernder an seinem Hals, zwickten ihn leicht, verursachten kleine saugende Geräusche, arbeiteten sich hoch bis zu dieser Stelle hinter seinem Ohr, dieser Stelle, von der Tony wusste, dass ihn wild machte. “Bitte, hör auf... “

Er wusste nicht, ob er es laut ausgesprochen hatte oder nicht, denn er konnte nichts mehr hören, außer dem Blut, das pochte, konnte nichts fühlen, außer dem langsamen Streichen über seinen feuchten Bauch, den Fingern, die sein Haar durchkämmten, den sanften Lippen auf ihm und dem Aufschlagen in seinen Leisten, dem Rhythmus der Bass - Trommel, auf den fast alle seine Gedanken zu marschierten, als sein erregter Penis gegen den Stoff seiner Shorts stieß und Aufmerksamkeit forderte.

“Lass mich, Jack. Ich will es.”

Seine Stimme war schwer vor Erregung und er merkte, dass sich Tony nicht nur mit seiner Brust gegen ihn presste, da lehnte sich etwas unverwechselbar Hartes gegen ihn und er hatte eine neue Schlacht zu schlagen mit dem Versuch, nicht zurück zu stoßen. Die Lippen schlossen sich um sein Ohrläppchen und zogen daran, dann saugten sie und er erstickte einen Seufzer, und versuchte einen Gedanken zu formen, sogar als ein Finger langsam seinen Nabel umkreiste und harte Schockwellen des Vergnügens in den Schmerz darunter schickten. Es verzehrte beinahe alles und er musste es aufhalten. Musste... aber verdammt... sein Gesicht schmiegte sich in sein Haar, er liebte das, und Tony wusste es... eine Hand bewegte sich an seinem Körper hinauf und begann mit einem harten Nippel zu spielen, zwickte ihn sanft und er musste sich beinahe selbst berühren um die Empfindungen zu kontrollieren, die aus seinem Bauch direkt in seinen Schwanz schossen. Er widerstand, aber er fühlte Tonys Lächeln in seinem Nacken... Zorn flackerte wieder in ihm auf... er hatte ihn gebeten das nicht zu tun...

“Nein. Tu das nicht... oh Gooooott... .” Seine Worte verwandelten sich in ein Stöhnen, das er nicht mehr kontrollieren konnte, als eine Hand tiefer glitt und leicht seinen Hüftknochen zu streicheln begann, die empfindliche weiße Haut zuckte heftig unter der Berührung, und das war es, das ihn aufweckte, das war es, als er in Panik geriet, denn genau das war es, etwas mehr und er wäre verloren... es war wie der Katalysator, der ihn antrieb, denn auf einmal ertrank er in den Erinnerungen an all die Zeiten, an denen er das nicht gehabt hatte, die Zeiten, in denen er wach
gelegen hatte, sich zusammenkrümmend und versuchte hatte nicht vor Verzweiflung zu schluchzen, weil diese Hände fort waren. Die Abende, an denen er sich selbst bis zur Besinnungslosigkeit betrunken hatte, weil das die einzige Möglichkeit gewesen war etwas Schlaf zu finden und die schmerzende Einsamkeit abzustumpfen, die ihn lebendig verschlang. All die Tage, die er dieses Haus angestarrt hatte, das viel zu groß für eine Person war, aber das er nie würde teilen können... und wenn das so weiterging, würde er durch all das noch einmal gehen müssen, und das konnte er nicht. Dieses Mal würde es ihn umbringen... .

Tony wusste, dass er kämpfte, aber er konnte auch fühlen, dass sein Widerstand beinahe gebrochen war. Er fühlte sich schuldig ihn so drängen, aber zur selben Zeit wusste er, dass es auf lange Sicht besser war Jacks Widerstand zu brechen... und wie auch immer, aufzuhören war schon bald nicht mehr in Betracht zu ziehen. Jacks Geruch füllte seine Nase, sein Geschmack war in seinem Mund und sein Körper war hart gegen den Seinen, vibrierte vor unterdrücktem Verlangen, seine Sinne waren erfüllt... er drängte sich gegen Jack, nur ein wenig, nur um ihn wissen zu lassen, wie sehr er ihn wollte, und er konnte kaum das Stöhnen unterdrücken, dass aus seiner Kehle zu quellen drohte.

Jack versuchte etwas Stärke in seine Stimme zu legen, aber er wusste nicht, ob es funktionieren würde, denn er war jetzt vollkommen in seinen Armen eingewickelt, wurde beinahe von ihnen aufrecht gehalten, als jede Faser seines Körpers nach der Berührung schrie, die anfangen würde die Erlösung aufzubauen.

“... weg von mir Tony, ich kann nicht... .”

“... du brauchst das, lass mich... .” Er fühlte einen kleinen Stoß nach vorne und Tony war groß in seinem Verlangen, er konnte es genau spüren. “... will dich Jack... “

Er konnte nicht denken. Tony wollte ihn, und er wollte gewollt werden... aber es würde weh tun, er würde wieder zurück gelassen werden. Die Panik wurde stärker, sie vermischte sich mit dem heißen Pulsschlag des überwältigenden Verlangens, und Verwirrung regierte. Alles, was er wusste, war, dass er hier heraus musste. Dies war der engste Kontakt, den er innerhalb der letzten fünf Monate gehabt hatte und auf einmal konnte er damit nicht mehr umgehen. Er war nicht sicher. Er konnte mit diesen Gefühlen niemandem trauen, er würde benutzt werden, man würde auf ihm herum trampeln, und er konnte das nicht wieder tun...

Er ergriff die Panik und konzentrierte sich darauf, versuchte verzweifelt sie zu kontrollieren. “Lass mich los... “

Die Antwort war ein weiterer kleiner Stoß und eine Hand, die auf seiner Hüfte ruhte, schien das Fleisch stärker zu massieren, besitzergreifender, und plötzlich ging sein Atem schnell aus Angst, nicht aus Vergnügen, und das Zimmer erschien sehr hell. Er fühlte Verwirrung hinter sich, als seine Reaktionen sich veränderten, und er hoffte, dass es ausreichen würde, denn sein Blut pulsierte jetzt nicht mehr auf gute Art, jetzt trieb es ihn zum Kampf und er wand sich ein wenig, wusste, dass es falsch aufgefasst werden konnte, aber er versuchte nur frei zu kommen und nicht um sich zu schlagen... er hörte ein Stöhnen und fluchte.

Tony fühlte wie Jack sich in seinen Armen bewegte, wie er sich gegen seine Leisten presste, und Elektrizität durchfuhr ihn, er stöhnte, als er die Reibung fühlte, die seinen Verstand für eine Sekunde ausblendete. Alles, an das er denken konnte, war, wie richtig es sich anfühlte, Jack wieder in den Armen zu halten, es war alles, was er wollte und er schien nachzugeben... er ließ sich von seinem Instinkt leiten, dachte, er wäre willkommen, und wollte nur Freude bereiten.

Ein Blitzstrahl durchfuhr ihn und er versuchte nicht in den Knien nachzugeben, als er verwirrt hinuntersah... und sich zu winden begann, denn Tonys Hand umfasste die große Ausbuchtung zwischen seinen Beinen und drückte zu und verdammt, es war perfekt, aber er konnte es nicht, sein Atem kam in raschem panikartigem Krächzen und er hatte keine andere Wahl, als das Handgelenk zu ergreifen und es wie wahnsinnig wegzuziehen. “Aufhören... verdammt, hör auf... !”

Die Realität durchschnitt den Dunst in seinem Kopf, er wurde aus seinem Nebel der Lust herausgesogen, als er erkannte, dass Jack die Kontrolle verlor, allerdings nicht auf gute Art. Er konnte die Panik spüren, die jetzt von ihm ausging und hörte sofort auf sich gegen ihn zu bewegen, Verwirrung überwältigte alles, mit Ausnahme des Verlangens sicher zu gehen, dass er in Ordnung war. “Jack, was ist das Pro... “

Jack merkte nicht, dass Tony aufgehört hatte seine Hände zu bewegen und sich gegen ihn zu pressen, er achtete nicht darauf, dass seine Stimme besorgt klang. Er hörte kaum seine Stimme, eine große Wolke hatte sich über ihn gesenkt und er brauchte nur Raum, irgendetwas um frei zu sein. Er kämpfte gegen die Gestalt hinter ihm, die ihn einengte, aber sie bewegte sich nicht, verdammt, sie bewegte sich nicht...

“Tony, nimm deine Hände von mir.”

“Ich bin nicht... “

Es rutschte ihm heraus. Er konnte sich nicht helfen. “Nimm deine Hände von mir, du Arschloch, ich bin keine deiner verdammten Gefängnishuren, Tony...”

...

...

Das hatte er nicht. Er hatte das nicht gesagt... Aber das hatte er.

Zeit stand still und Jack fror fest, sein Verstand begriff mit einem Mal, was sein Mund gerade gesagt hatte. Die Wirklichkeit überwältigte ihn und brachte eine Welle von Übelkeit mit sich, bis ihm kalter Schweiß ausbrach. Das Licht des Zimmers schien so grell wie Neon und er hielt etwas Schweres, Kaltes und Festes in seiner Hand... lange Sekunden vergingen, während sich nichts bewegte, die Luft schien voller Eiszapfen, und er hielt seinen Atem an, seine Muskeln wie Stein, sein Gehirn erschreckend leer und die Sekunden tickten weiter und weiter und weiter... .

Am Ende hörte er Tony ausatmen, er fühlte es in seinem Nacken und der Schmerz durchströmte ihn, und erfasste ihn wie ein Zug, der in seinen Körper raste... er stellte fest, dass er sich bewegen konnte, nur ein wenig und er sah was er festhielt - es war Tonys Handgelenk und es war eiskalt und die Finger waren zu einer Faust zusammengeballt, so fest, dass sie überall weiß war.

Er ließ langsam los, hatte Zeit zuzusehen, wie die Farbe dorthin zurückkehrte, wo seine Finger es so fest umklammert hatten, bevor es mit großer Vorsicht zurückgezogen wurde, jede Bewegung maßvoll und kontrolliert. Und er war nicht mehr gefangen, denn Tony wich zurück, langsam, und er musste sich umdrehen und ihn ansehen, denn wenn er es nicht tat, würde er ihn nie wieder sehen.

Er hielt seinen Kopf gesenkt, aber wand sich um, dann zwang er sich aufzusehen. Die Übelkeit wurde stärker in dem Moment, in dem er sein Gesicht erblickte - es war totenbleich und die Qual, die aus jeder Pore seines Körpers zu strömen schien, war überwältigend. Seine Gesichtszüge waren beinahe leer, als könnte er nicht glauben, was er eben gehört hatte, und Jack wusste sofort, dass er sie beide endlich, ohne die Möglichkeit einer Wiedergutmachung , zerstört hatte. Er konnte nicht sprechen aus Angst und Demütigung. Tony sah ihn nicht an, er sah durch ihn hindurch, seine Augen sahen Dinge, die Jahre her waren, Dinge von denen er gedacht hatte, er würde hier vor ihnen sicher sein... er wusste nicht, was er tun sollte. Es gab nichts, das er sagen konnte, aber er wusste, dass er es versuchen musste.

“Es tut mir leid.”

Sein Flüstern verletzte seinen Hals, es rieb über den Klumpen, der hier seinen Wohnsitz bezogen hatte und fühlte sich an, als würde er Messer darüber ziehen. Und Tony bewegte sich nicht, er wusste nicht, ob er ihn hören konnte, oder nicht. Er trat einen Schritt vorwärts, wollte es durch eine Umarmung vertreiben, aber wusste, dass ihm das nicht erlaubt sein würde. Sobald er sich bewegte, wich Tony zurück und eine eisige Hand schloss sich um sein Herz und drückte zu.

“Tony? Es tut mir so leid... “

Für einen weiteren langen Moment, der eine Ewigkeit zu dauern schien, war nichts zu hören. Jack bewegte sich wieder vorwärts, einen winzigen Schritt, und erhielt endlich eine Reaktion. Tony hielt eine Hand in die Höhe, und er blieb sofort stehen.

“Wenn du näher kommst, du wertloses Stück Junkie - Scheiße, dann reiße ich dir den Kopf von deinen verdammten Schultern, das schwöre ich bei Gott.”

Er erbleichte unter diesem Blick und musste die Augen senken. Und dann war Tony fort, aus dem Zimmer verschwunden, ließ nichts zurück außer einem Raum, erfüllt von Schmerz und dem wildesten Zorn, den er jemals gefühlt hatte.

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