Meridian - Kapitel III

Meridian

by fightingthecage
übersetzt von cal_listo24
SigridLenz@aol.com



Meridian, Kapitel III
Meridian, Kapitel III, Übersetzung aus dem Englischen
Autor: fightingthecage
Übersetzung: cal_listo24
Fandom: 24
Pairing: Jack/Tony
Genre: Drama
Word Count: 4384
Thema: Die Jungen entscheiden sich ein wenig auszuspannen, bisschen angst!
Rating: R
Warnungen: Sprache, angedeuteter Sex, m/m slash
Anmerkungen: gehört alles 24, kein Geld!

Link zum wunderschönen Original von fightingthecage: http://community.livejournal.com/24_fanfic/64586.html


Er lief am frühen Morgen, so wie er es immer tat, es war seine bevorzugte Tageszeit. Nicht wegen der üblichen Klischees, darüber, mit jedem Sonnenaufgang einen neuen Anfang zu wagen oder ein ähnlicher Unsinn dieser Art - sondern weil es einfach kühler war, als es später sein würde und manchmal auch eine Brise über das Meer wehte, die seinen nackten Oberkörper umspielte und es ihm erleichterte tief einzuatmen. Allerdings nicht heute, die Luft war still und nach fünf Meilen schien jeder Atemzug seine Lunge in Brand zu setzen. Er verlangsamte sein Tempo nach einer weiteren halben Meile, ging dann noch ein Stück und hielt schließlich inne um mit ein paar Dehnübungen im Sand zu beginnen.

Nach drei Meilen war er umgedreht, so dass er immer noch eine halbe Meile vom Haus entfernt war, als er die Übungen beendet hatte. Er betrachtete es eine Weile, fragte sich, wie er es öfter tat, ob er es jemals als ein “Zuhause” betrachten würde. Vielleicht, wenn es fertig wäre, aber das war noch weit weg, in ferner Zukunft - und möglicherweise niemals, so wie er sich momentan anstellte. Er wusste, warum er sich Zeit ließ und fürchtete sich nicht zuzugeben, dass ein Teil des Grundes der war, dass, wenn er damit fertig sein würde, ihm nichts mehr zu tun übrig blieb. Er würde nur darin herumirren, groß genug war es sicher. Im Augenblick konnte er es sich leisten auf Fernseher, Computer oder Telefon zu verzichten, es gab genügend anderes um sich zu beschäftigen. Aber sobald die Renovierung abgeschlossen sein würde, hätte er keine Entschuldigung mehr dafür, nicht wieder ein wenig mit der Welt in Kontakt zu treten - sich selbst von allem so abzuschneiden war nur erlaubt, so lange er es begründen konnte. Ein Einsiedler zu sein und sich nicht für die Geschehnisse in der Welt oder Dinge wie wer gerade Präsident war zu interessieren, nur weil man nicht danach gefragt werden würde, war nichts anderes als Faulheit. Zur Zeit gab es ihm einen Grund relativ glücklich zu sein, also beließ er es dabei.

Mit dem Boot war es etwas anderes. Er wollte mit ihr nicht herumtrödeln, deshalb verbrachte er jede freie Minute damit über sie nachzudenken. Sie war wie ein ungelöstes Puzzle, das nie aufhörte ihn zu quälen. Er wusste, dass er mehr als zielorientiert war, was sie anging und es machte ihm nichts aus... lediglich die Gründe dafür entglitten ihm immer noch. Vielleicht hatte er irgendeinen unterbewussten Gedanken, dass er mit ihr draußen auf dem Ozean etwas Freiheit finden könnte, aber er wusste, dass das Unsinn war, denn man trug seine Realität immer mit sich. Er wäre kein anderer Mann, nur weil er nicht mehr auf trockener Erde stünde und er war sich noch nicht einmal sicher, ob er das überhaupt wollte.

Seine Shorts waren schweißgetränkt und es war unangenehm in ihnen zu gehen. Er blieb einen Moment stehen und ein winziger Luftzug brachte das Meer zu ihm. Er atmete tief durch die Nase ein und hielt die Luft an, bis der schwache Geschmack von Salz sich in seinem Hals bemerkbar machte. Dann atmete er wieder aus und fühlte sich leichter... er änderte die Richtung und lief zum Wasser, watete bis zu den Oberschenkeln hinein bevor er kopfüber in die nächste Welle tauchte, die groß genug war um sich darin zu verlieren. Manchmal tat er das, wenn das Gefühl der nackten Fußsohlen, die auf den Sand hämmerten, nicht ausreichten um seinen Geist zu befreien. Das Laufen erdete ihn, aber der Ozean verschluckte ihn und machte ihn wieder zu einem Teil von etwas Größerem. Er gab diesem Wunsch nicht sehr oft nach, aber konfrontiert mit der gegenwärtigen Wahl zwischen dem Wasser, das ihn mit etwas verband, oder Tony... fühlte er sich mit dem ersteren wohler.

Er hatte den Gedanken an Schlaf aufgegeben, sobald sich das erste Licht gezeigt hatte. Er hatte sein Ausbreiten von der Weite seines leeren Bettes aus beobachtet, die Laken um seine Beine gewickelt und aus dem nackten Fenster gestarrt, zugesehen wie der Himmel stetig lichter wurde. Er fand sich selber dabei es herbeizuwünschen, bis endlich die Spitze der neuen Sonne über den Horizont drängte, die Welt mit ihrem goldenem Feuer überflutete, Strahlen schimmernden weißen Lichts in den Himmel schickte und den wolkenlosen Himmel mit seiner blendenden Kraft versengte. Für eine Weile hatte er ruhig zugesehen, dann war er aufgestanden und hatte sich leise in das Badezimmer bewegt, alle knarrenden Bodendielen vermeidend. Er kannte jeden Zoll dieses Hauses und jedes Geräusch, das es machte, etwas, das er von Anfang an in sein Gedächtnis gebrannt hatte, für den Fall, dass unerwartete Besucher eintreffen sollten. In diesem Fall war es nützlich, denn er wollte Tony nicht aufwecken, das sanfte Schnarchen, das durch die Wand drang, erzählte ihm, dass es ihm nach all dem doch gelungen war einzuschlafen, trotz seiner Kommentare ein paar Stunden eher. Fünf Minuten später hatten seine Füße tiefe Spuren im feuchten Sand nahe des Wassers hinterlassen, der gleichzeitig versuchte ihn aufzuwecken und ihn zu erschöpfen... heute nacht musste er einfach schlafen können. Er war schon zu lange ohne ausgekommen.

Das Wasser war kalt und es wusch ihn sanft während er schwamm, erlaubte ihm seinen Körper hindurch zu ziehen, nahm ihn an, solange er es respektierte. Wenn er versuchte gegen eine Welle anzuschwimmen, die zu stark war, wurde er verwarnt und zurück an den Strand getrieben mit der Nase voller Salz. So durchschnitt er die Wellen, holte weit aus, zog beinahe an den Brandungsbechern vorbei, aber nicht ganz... als er beschloss, dass der Abstand weit genug war, drehte er um und begann sich zurücktreiben zu lassen in Richtung des Bootes, wobei er dieses Mal das Meer die Arbeit tun ließ und beinahe laut auflachte, während ihn das Gefühl überwältigte getragen und sicher dorthin zurück gebracht zu werden, wohin er gehörte.

Er wurde auf dem Sand niedergelegt und fühlte sich nun besser, die Einsamkeit war diesmal willkommen. Er war noch nicht für eine weitere Runde mit Tony bereit, und dennoch wusste er , dass sie kommen würde und fürchtete die Anstrengung, die sie mit sich bringen würde. Aber jetzt, als seine Stimmung ein wenig leichter war, musste er sich selbst gegenüber widerstrebend zugeben, dass der Mann vermutlich eine Erklärung für gestern verdiente. Aber höchstwahrscheinlich würde er ohnehin im Laufe des Tages abreisen, er war sicher, dass er das tun würde, und das wäre in Ordnung, denn auf diese Art wäre es besser. Keine Wiederholungen des verzweifelten Geschreis vom letzten Mal, kein unbeschreiblicher Schrecken, wenn er allein zurück gelassen werden würde, keine Monate voller Schmerz und als einziger Lichtblick nur das Öffnen einer neuen Flasche. Leidvoll, ja, das würde es sein - aber es wäre auch schnell vorüber und darum ging es. Solange es schnell ging, würde er es durchstehen. Der Gedanke schmerzte, aber er war froh ihn gehabt zu haben, denn nun war er vorbereitet und er fühlte sich besser.

Er ging an Bord und versuchte etwas Wasser zu finden um das Salz abzuspülen, dass in feinen weißen Linien auf seinem Körper trocknete. Die harte Haut seiner Fußsohlen war mit Sand bedeckt, der gegen das trockene Holz an Deck kratzte und eine unangenehme Reibung erzeugte, die er dennoch genoss. Seine Augen wanderten umher, suchten nach Lebenszeichen, und als sie keine entdeckten, schlüpfte er aus seinen Shorts und hängte sie zum Trocknen an der Seite auf.
Er lächelte über die Wärme, die ihn umgab, als er nackt an Deck stand, schüttete warmes Wasser über sich und blickte auf das Meer hinaus. Die Sonne stand jetzt weit über dem Horizont und die Oberfläche des Ozeans glitzerte so stark, dass es richtiggehend weh tat lange darauf zu sehen. Die warme Luft umschmeichelte ihn und er merkte, wie seine Augenlider schwer wurden... das Lächeln weitete sich. Es war immer leichter hier draußen zu schlafen, und er würde den Wunsch seines Körpers gerade jetzt nicht bekämpfen. Ein Handtuch hing über dem Steuerrad, er nahm es und legte sich nieder, daran gewöhnt, sich ein wenig zu bedecken, so dass er nicht an den falschen Stellen von der Sonne verbrannt werden würde. Und dann lag er nur da mit den Händen unter seinem Kopf, starrte in den tiefblauen Himmel hinauf und fragte sich träge, ob er diesen Frieden wohl den ganzen Tag über aufrecht erhalten könnte. Er bezweifelte das, aber genoss es, solange er konnte. Ein Flugzeug flog weit über ihn hinweg, und sein weiches Dröhnen erreichte seine Ohren erst lange Zeit, nachdem der schmale weiße Streifen im Himmel vergangen war, es lullte ihn ruhig in den Schlaf und seine Augen schlossen sich. Und als es vorüber war, hörte er nichts mehr als die Wellen, die leicht gegen Holz und Sand schlugen, und ihm sagten, er könne für eine Weile los lassen, denn hier könnte ihn niemand verletzen. Er glaubte es und erlaubte sich selbst sanft in den Schlaf gewogen zu werden.

* * * * *

Tony stand genau dort, wo er einen Tag zuvor gestanden hatte, lehnte sich an die Seite und beobachtete. Der einzige Unterschied lag darin, dass er Saft anstelle von Bier hatte und seinen Kopf nicht auf den Arm stützte, weil dieser immer noch weh tat. Ein rasches Durchsuchen der Schubladen und Schränke in Küche und Badezimmer hatten keine Schmerztabletten zu Tage gefördert, und es war ihm auch nicht gelungen das Erste Hilfe Set zu finden. Also hatte er die Kühltasche mit Getränken gefüllt, etwas Obst für das Frühstück mitgenommen und war nach draußen gewandert. Es war ungefähr 10 Uhr morgens gewesen, als er erwacht war und er hatte sofort gespürt, dass Jack sich nicht im Haus befunden hatte, es fühlte sich anders an, wenn er nicht da war. Es existierte keine Spannung irgendeiner Art, das war der Unterschied. Er hatte einen Blick aus dem Fenster geworfen um nachzusehen, ob er auf dem Boot war, aber er hätte sich nicht zu quälen brauchen - auch ohne, dass er ihn entdeckt hatte, wusste er doch, dass er dort war.

Er aß ruhig einen Apfel, denn er wollte ihn nicht wecken und er setzte auch keinen Fuß an Bord, denn nach gestern abend wusste er nicht, ob es ihm gestattet sein würde. Er würde nicht davon ausgehen, dass dem so wäre und einfach an Deck springen, er wusste, dass dieses Boot wichtig für Jack war, auch wenn er das nie zugegeben hatte.
Er hatte einen Einfall wie sie die Dinge für die verbleibende Zeit vereinfachen könnten, aber wenn er sich damit nicht anfreunden konnte, würde der heutige Tag hart werden. Gestern war mit Sicherheit seltsam gewesen, und nicht direkt ein Spaß. Aber heute würde Jack ein wenig mehr mit ihm sprechen, dessen war er sich sicher - und er war sich ebenso sicher, dass er von ihm erwartete beleidigt zu sein und abzureisen. Er hatte viel darüber nachgedacht, bevor die Erschöpfung der Reise und der Stress ihn letztendlich in den frühen Morgenstunden gezwungen hatten einzuschlafen, und er war zu dem möglichen Schluss gekommen, dass er aus Gründen hier nicht willkommen war, die auf ihre Art Sinn ergaben. -
Jack war gezwungen gewesen alle Bänder zu kappen, und daran erinnerte Tony ihn und möglicherweise hatte er den Eindruck nicht loslassen zu können, solange sie sich noch sahen. Vielleicht war er egoistisch gewesen, indem er einfach angenommen hatte sein Besuch würde als eine gute Sache betrachtet werden - aber er hatte dies nur angenommen, weil - nun, wie könnte die Art auf die sie fühlten jemals schlecht sein? Aber vielleicht hatte er nicht genügend darüber nachgedacht. Es war wirklich irrelevant, da er es im voraus ohnehin nicht hatte wissen können, und wenn er es getan hätte, wäre er auf jeden Fall auch hier herunter gekommen.

Jack zuckte im Schlaf und Tony lächelte. Sein Kopf ruhte auf einem Arm, zur rechten Seite gewendet, der andere Arm lag über seinem Bauch. Das kleine Handtuch, das ihn bedeckte, ließ ihn nur noch unverhüllter, bloßgestellter aussehen. Eine Seite war verrutscht und setzte eine kleine Stelle der weißen Flanke den Elementen aus. Sie war schon gerötet und Tony verzog seinen Mund - das würde sicher eine Weile weh tun. Vermutlich hätte er keine After-Sun-Lotion bei sich.

Also... Jack würde wahrscheinlich entweder von ihm erwarten, dass er abreiste, oder ihn geradeaus darum bitten. So oder so, er würde es nicht tun - er hatte eine Menge wichtiger Neuigkeiten weiterzugeben, aber er würde sie nicht mit ihm teilen, bevor der Kerl aufgehört hätte so ein Arschloch zu sein. Niemals würde ihr Verhältnis auf diese Art enden, nicht nach all dem, das sie zusammen durchgestanden hatten. Er hatte ihn schon ein paar Mal beinahe verloren - in der Hauptsache durch die Arbeit und die zahllosen selbstmörderischen Situationen, nach denen er regelrecht Ausschau zu halten schien - aber als Jack Bauer offiziell gestorben war... das hatte den Ausschlag gegeben. Er hatte ihm das nie gesagt, aber nahm an, dass er es vielleicht irgendwie wusste. Zu dieser Zeit hatte er sich der Erkenntnis gegenüber gesehen, dass der extrem zufällige Sex, den sie zu sehr seltenen Gelegenheiten miteinander teilten... dass er ihn vermissen würde. Dass er Jack selbst vermissen würde, verstand sich von selbst, denn ihre Zusammenarbeit und ihre Freundschaft hatte sich damals schon seit Jahren gefestigt... aber die sexuelle Verbindung, das war nie etwas Ernsthaftes gewesen. Bis er der Aussicht gegenübertreten musste, dass er sie nie wieder haben würde - und dann, ganz plötzlich war die Wahrheit auf ihn eingestürmt. Dass sie nur deshalb zufällig gewesen war, weil sie die unausgesprochene Vereinbarung hatten, dass sie nicht verschwinden würde. Niemals. Und darum war es etwas geblieben, dass drei oder vier Mal im Jahr passierte, ohne dass Bedingungen daran geknüpft waren.

Aber dann war Jack fort gewesen. Und die stillschweigende Abmachung war gebrochen worden, und er verfluchte sich selbst dafür, dass ihm das nicht klar gewesen war, solange er daran noch etwas hätte verändern können. Er wusste, dass es dumm war, denn wäre Jack nicht gegangen, dann hätte er es vermutlich nie so gesehen... und ohnehin gab es eine Menge wofür er dankbar sein konnte. Wenn Jack jemals in Wirklichkeit getötet worden wäre, hätte er keine Gelegenheit mehr gehabt die Sache in Ordnung zu bringen. So wie es gelaufen war, war er mit ihm in vorsichtigem, telefonischen Kontakt geblieben, und sie hatten zugestimmt sich zu treffen, nachdem sich der Aufruhr ein wenig gelegt haben würde. Es hatte dreiundzwanzig Stunden gedauert, bis er bei ihm angekommen war, denn er fuhr Teile der Strecke wieder zurück und bewegte sich in Kreisen vorwärts um seine Spuren zu verwischen... aber endlich hatte er Süd Mexiko erreicht, und eine Stunde später waren sie im Bett gewesen. Er hatte dem Gott, an den er noch nicht einmal geglaubt hatte, in dieser Nacht so viele Male gedankt, dass er annahm, es würde ihm niemals vergönnt sein in den Himmel einzutreten.

Jack versteifte sich wieder und Tony erkannte die Anzeichen des langsamen Überganges von Schlaf zum Wachzustand. Er war immer wieder davon fasziniert, wenn er dies an Jack beobachten konnte, denn hier war ein Mann, der innerhalb eines Augenaufschlages aus dem tiefstem Schlaf zu vollkommener Munterkeit erwachen konnte, sollte die Situation es von ihm verlangen. Aber wenn das nicht der Fall war, war es niedlich die verschiedenen Stufen zu betrachten - er würde sich ein wenig bewegen, dann anfangen zu zappeln, im Schlaf zu brummeln und wieder weg zu driften... . Dann würde sich der ganze Prozess wiederholen, bis er ungefähr zwanzig Minuten später, nachdem er endlich seine Augen geöffnet haben würde, seufzen und sie wieder schließen würde. Aber dann war es jedesmal bereits zu spät, der Verstand war schon erwacht und so konnte es keine Ruhe mehr geben. Und wenn er den Vorteil hatte, dass sich ein Körper gegen den seinen presste, so wachte er immer auf, bereit für das Spiel - und er würde nicht aufhören zu schmeicheln, bis er seinen Willen bekommen hätte und jeglicher Widerstand gebrochen sein würde. Natürlich konnte Tony, was das anging, nur aus eigener Erfahrung sprechen, aber es war auch nicht so, als ob Jack nicht praktisch zu jeder Tages - oder Nachtzeit der Idee zu spielen gegenüber offen sein würde. Etwas, das er von sich selbst ebenso gut behaupten konnte, wenn er ehrlich war.

Er wartete ein paar weitere Minuten und tatsächlich, die Augen wurden aufgeschlagen, ein kleiner Seufzer war zu hören und dann schlossen sie sich wieder. Aber er hatte Tony bereits gesehen, also blieben sie diesmal geschlossen. Er trank seinen Saft in ein paar Schlucken aus, ließ Jack noch einen Moment länger so tun als ob und sagte dann einfach: “Du verbrennst dir die Haut.”

“So soll es auch sein.”

Auch an den weißen Stellen?”

Eine Hand tastete suchend nach unten, dann seufzte er und bedeckte sich selbst wieder anständig. Er öffnete immer noch nicht die Augen, aber nach eine paar Minuten fragte er, “Könntest du mir bitte meine Shorts geben?”

Tony gehorchte, ging zu ihnen und warf sie ihm hinüber. Jack rollte herum, so dass er ihm seinen Rücken zuwandte, dann stand er auf, so dass nur von hinten nackt gesehen werden konnte. Er zog selbstbewusst seine Shorts hoch, und drehte sich gerade rechtzeitig, um die Wasserflasche aufzufangen, die ihm zugeworfen wurde. Er saß auf dem Deck und lehnte sich gegen die Bootsseite, begutachtete Tony argwöhnisch ohne Anstalten zu machen ihn an Bord einzuladen. Er nahm an, dieser Zeitpunkt wäre so gut wie jeder andere, um ihm seine Idee zu unterbreiten.

“Also, ich habe nachgedacht. Ich weiß zwar nicht, was hier das Problem ist und ich weiß auch, dass ich dich nicht zwingen kann, es mir zu sagen. Ich dachte mir, vielleicht könnten wir noch einmal von vorne anfangen, ich werde nicht fragen, wir werden nicht darüber sprechen, wir könnten einfach nur etwas herumhängen. Zumindest für heute - ich kann das nicht die ganze Zeit tun, aber nach gestern, glaube ich, dass wir eine Pause brauchen könnten. Und ich möchte nicht mit dir kämpfen.”

Er wartete auf eine Reaktion, aber Jack trank nur lange Zeit ruhig weiter. Er leerte die Flasche, setzte sie ab und ließ ein paar Minuten verstreichen. Dann rieb er mit den Fingern seine Stirn und atmete tief aus. “Tony, die Idee nur herumzuhängen klingt gut für mich, ich will auch nicht kämpfen müssen - aber mach nichts Dummes mehr, wie letzte Nacht, okay?

“Mir den Arm aufschneiden?”

“Nein - ich meinte versuchen mich... “ Er sah auf einmal peinlich berührt aus. “... zu versuchen mich anzumachen. Ich will das nicht, verstehst du?”

“Nicht wirklich, nein. Und wenn ich mich richtig erinnere, das einzige Mal, dass du angeturnt warst, hatte ich keinen Finger an dich gelegt. Das hast du alles selbst getan.” Er sah zu, als Jacks Gesicht sich unmittelbar verdunkelte und konnte nicht anders als lachen. “Sieh mal, es wird schon gut gehen. Wir sind uns schon mal auf die Nerven gegangen, das ist schon beinahe normal. Das wird doch ein Kinderspiel für uns.” Er lachte äußerlich, während sich sein Inneres zusammenkrümmte und fragte... Warum?! Warum darf ich dich nicht berühren?! Ich weiß, dass du es dir auch wünscht... .
Jack gab immer noch keine Antwort und er hob seine Hände in gespielter Niederlage. “In Ordnung, wir machen es auf deine Art. Ich verspreche, ich werde dich nicht sexuell belästigen. Aber du könntest eine Minute erübrigen um mir zu erzählen, warum, wenn du dazu geneigt wärest. Gewöhnlich mochtest du es.”

“Ist es so schwer zu glauben, dass ich mich weiter entwickelt habe?”

Die Frage hing im Raum wie ein Fels an einem dicken Seil. Er sah in Jacks Gesicht und es war schrecklich ruhig, so als hätte er eine Entscheidung getroffen, und bekräftigte diese lediglich. Und er weigerte sich zu glauben, dass es wahr sein könnte, auch wenn es im Augenblick schwierig war es nicht zu tun. Er versuchte sich selbst daran zu erinnern, dass Jack ein meisterhafter Lügner war. Er sagte sich, dass dieser Mann jahrelang undercover gearbeitet hatte, und das Leben, das er jetzt führte - es war nichts anderes als ein permanenter Einsatz, das war alles. Und das war der Grund, warum er all das so geradeheraus sagen konnte.

Er fühlte wie sich sein Magen zusammenballte, und seine Luftröhre verschloss sich für einen Moment, wie in Selbstverteidigung. Er hatte mit “Ja” antworten wollen, aber er konnte das Wort nicht herausbekommen. Und es war vermutlich auch gerade jetzt ohnehin die falsche Antwort, denn er weigerte sich Jack gegenüber zuzugeben, dass dies so leicht vorüber sein würde. Dank sei Gott für gefühlsmäßige Erwiderungen. Er fühlte noch die Unruhe, die ihn auch nicht verlassen würde, sie kreiste ständig in seinem Kopf herum. Er erinnerte sich daran, als Jack ihm gesagt hatte, es ginge ihm gut als er aus Kolumbien zurückgekehrt war, seine Antwort damals war auf genau die gleiche Art geäußert worden, wie diese hier. Sie waren in Jacks Apartment gewesen, es hatte eigentlich nur ein freundschaftlicher Besuch sein sollen um nach ihm zu sehen, weil er so müde schien - und dann hatte er gesagt, dass es ihm gut ginge, und er hatte in die umwölkten, blauen Augen gesehen... und ihn dann fest in die Arme geschlossen, in die erste Umarmung gezogen, die sie jemals geteilt hatten, bis er nachgegeben und es zugelassen hatte, dass ihm etwas Trost gespendet wurde, nur ein wenig, weil die Lüge niemals offensichtlicher gewesen war. Er war es gewohnt gewesen das für Jack tun zu können. Aber dieses Mal... er war sich nicht sicher. Und er fürchtete sich.

Er zuckte mit den Schultern, und schluckte den Klumpen in seinem Hals herunter. “Lass uns einfach sagen, dass ich es kaufe, ok? Für den Preis eines ruhigen Tages.”

“Es wäre noch leichter, wenn du es einfach akzeptieren würdest, Punkt.”

Klingt nicht so. Aber hey... “ Er hob wieder seine Hände, die sich dieses Mal schwer anfühlten. “... lass uns das für den Moment vergessen. Darf ich heute an Bord kommen? Ich habe Obst zum Frühstück mitgebracht.”

* * * * *

Er hatte geflucht, als er seine Augen geöffnet und Tony dort stehen gesehen hatte. Zu schlafen war nett gewesen, aber das über einige Zeit einsickernde Bewusstsein nicht mehr allein zu sein, bedrängte ihn, ob er nun wach war oder nicht. Er hatte innerlich geflucht, weil er nicht mehr allein gewesen war. Und weil er unter anderen Umständen aufgewacht wäre, sobald jemand sich dem Boot um mehr als fünfzig Yards genähert hätte. Die Tatsache, dass Tony schon eine Weile hier gewesen war, und er weitergeschlafen hatte... .

Er wusste nicht, ob es möglich sein würde ihn um sich zu haben und dennoch vorzugeben, dass er nicht darüber nachdenken würde wie sie zusammen gewesen waren. Es schien seltsam, dass er es gerade vorgeschlagen hatte, wie eine groteske Charade und von Schauspielerei hatten sie nie viel gehalten. Darin bestand doch die Anziehungskraft, oder nicht? Zumindest ein Teil von ihr.

Er nickte auf Tonys Frage und ging sicher, dass sein Widerstreben klar erkennbar war. Das alles fühlte sich falsch an. Ihn hier zu haben. Ihn wieder auf dem Boot zu wissen. Ihn nicht während der Nacht haben zu können. Es fühlte sich alles falsch an, aber die Aussicht auf etwas Anderes verursachte Schmerzen. Er wusste nicht was er tun sollte und konnte auch nicht zur Arbeit zurückkehren. Er wusste nicht wie sie diesen Tag ausfüllen sollten, und alle anderen ignorieren. Er konnte den Gedanken nicht ertragen, dass Tony ihm helfen könnte etwas aufzubauen, das er doch niemals teilen würde.

Er akzeptierte den Apfel, der ihm entgegengehalten wurde und beobachtete seinen Rückzug. Er saß ebenfalls auf dem Deck, die muskulösen Beine in seinen schwarzen Basketball Shorts und der flache Bauch, der bleich aussah aus Mangel an Sonne. Er fror. Die Sonne schien doch auch in L.A., richtig? Aber er fragte nicht, denn er wollte keine Unterhaltung über sein Leben in Gang bringen. Der Verband befand sich immer noch an seinem Arm, und er rollte in Gedanken mit den Augen, bevor er auf den glänzenden Apfel herabsah, den er hielt, halb grün, halb rot, und er fragte sich ob Eva sich so gefühlt haben konnte, als die Schlange sie in Versuchung geführt hatte. Darüber hatte er sich schon immer Gedanken gemacht. Wenn Gott nicht gewollt hätte, dass sie den Apfel aß, warum hatte er ihr dann davon erzählt? Schien eine grausame Art zu sein das Mädchen zu testen, auch wenn es etwas über den freien Willen aussagte, und über die Schwäche menschlicher Wesen.
Sein Verstand zog von selbst Verbindungslinien und er versuchte sie zu ignorieren. Diese Situation war vollkommen verschieden. Eva hatte nicht gewusst, dass sie vertrieben werden würde, wenn sie nachgab. Oder doch? Vielleicht hatte sie es doch gewusst, er konnte sich nicht mehr erinnern. Auf jeden Fall wusste er was geschehen würde, wenn er nachgäbe, weswegen er es wählte seine Widerstandskraft zu testen. Er verbannte die Stimme der Schlange aus seinem Kopf, diejenige, die ihm einreden wollte einfach zusammenzubrechen und zuzugeben, dass er Angst davor hatte zurückgelassen zu werden, dass er es nicht ertragen konnte, wenn Tony hereingeschneit kam, ihm zeigte wie es war glücklich zu sein, und dann wieder weiterzog, zurück zu seinem Leben, zu seiner Arbeit ( was auch immer er gerade tun mochte ), ihn allein zurückließ um damit fertig zu werden, dass, was für Tony ein cooler Urlaub war, sich in die reine Hölle verwandelte, sobald er nicht mehr da war. Die Stimme flüsterte ihm ein, dass es die spätere Hölle wert wäre, jetzt im Himmel zu sein. Aber er musste sich selbst fragen - wenn Eva gewusst hätte, dass sie vertrieben worden wäre, würde sie es dennoch getan haben? Nur für diesen kurzfristigen Genuss? Hätte die Logik ihr Verlangen besiegt? Und wenn sie die Konsequenzen im Vornherein gekannt hätte... nun gut, wenigstens wäre ihre Schwäche dann mit Sicherheit ihr eigener Fehler gewesen.

Er spielte mit der Idee. Und dann erinnerte er sich an die entscheidende Tatsache - an die von der er immer gedacht hatte, dass sie irgendwie ausschlaggebend gewesen wäre. Die Tatsache, dass Adam auch für das gelitten hatte, was sie getan hatte, er war ebenfalls verbannt worden. Das konnte auch für ihn nicht gerade schön gewesen sein, aber es war nicht so, als hätte er sie verlassen können. Er grinste bei diesem bizarren Gedankengang. Ja, er war an sie gebunden gewesen, oder nicht? Und an was für eine Familie. Sie hatte schließlich Mord und das alles erfunden. Kein Wunder, dass die Welt so beschissen war.

Er biss in den Apfel. Er schmeckte gut.

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