Meridian - Kapitel II

Meridian

by fightingthecage
übersetzt von cal_listo24
SigridLenz@aol.com



Meridian, Kapitel II
Titel: Meridian, Übersetzung aus dem Englischen, Kapitel II
Autor: fightingthecage
Übersetzung: cal_listo24
Fandom: 24
Pairing: Jack, Tony
Genre: Drama
Zusammenfassung: nach Season 4 in Mexiko, Jack blockt ab, Tony verletzt sich.
Word Count: 6987
Rating: PG-15
Warnungen: Sprache, sexuelle Anspielungen, m/m slash
Anmerkungen: gehört alles 24, kein Geld, etc.. ....

Link zum wunderbaren Original von fightingthecage: http://community.livejournal.com/24_fanfic/64586.html


Tony hatte darum gebeten die Steaks zu braten, also frittierte er sie. Als er ihn gefragt hatte, ob er die Kartoffeln gebacken oder gestampft wollte, hatte er gemeint stampfen ginge schneller und darauf hingewiesen, dass sie beide hungrig waren. Er ging rüber zum Ofen um nachzusehen wie weit sie waren. Beinahe fertig, ok, so beschleunigte er den Garprozess, indem er zuerst die Mikrowelle benutzte, aber darum ging es nicht. Sein Kopf schmerzte in der Hitze der Küche noch stärker und er wünschte das alles wäre schon vorüber. Dieses Abendessen, dieser Tag, dieser Besuch. Er hatte sich daran gewöhnt, dass es ruhig war und nun war da oben ein Mensch, der die Dusche benutzte und durch die Zimmer rumpelte, die noch nicht einmal annähernd fertig waren. Außerdem mochte er es, wenn sie leer waren, und nun waren sie das nicht. Bei jedem Geräusch, ob der Duschvorhang zurückgezogen wurde, der neu und zu groß war, und der in der winzigen, kaputten Kabine an einem kleben blieb, wenn man sich umdrehte, ob die Spülung der Toilette lief, die einen weiten Riss auf ihrem billigen weißen Plastikdeckel hatte, oder ob das laute Summen erklang, das, wie er mit Sicherheit wusste, nie bis zu einem richtigen Singen anwachsen würde - all das erschien ihm wie ein Angriff auf seine Ohren, es war fehl am Platz und ungewohnt und zerrte an seinen Nerven.
Er erinnerte sich an die Zeit, als es angenehm gewesen war und als es verschwunden war, hatte er es vermisst. Aber jetzt war es fremdartig, und unwillkommen und die Frustration war beinahe zu groß um damit umgehen zu können.

Oberhalb der Treppe war es still geworden, aber auf den nackten Stufen erklangen Schritte. Er machte für sich eine gedankliche Notiz, um ihm zu sagen, dass an diesem Ort eine ganze Menge Nägel locker waren und er darauf achten sollte, aber das konnte bis zum Morgen warten.
Und dann war er zurück, all das glänzende, nasse Haar und die saubere Kleidung, erfüllte seine Sinne mit Farbe und Lebensfreude, so dass sich sein Magen zusammenzog und er sich nach dem scharfen Geruch von Farbe und Terpentin und dem vertrauten Gefühl von Staub und Holz an seinen Händen sehnte.

Er wandte den Blick ab und konzentrierte sich darauf eine der Kartoffeln auf einen Teller zu werfen, Gemüse dazu zu löffeln und eine Gabel in eines der Steaks zu stecken, um die Mahlzeit zu vervollständigen. Er hielt es ihm wortlos hin und erwartete, dass es genommen werden würde.

Tony sah es an und seufzte. Empfindlichkeit war kein Charakterzug, den er sehr oft an den Tag legte, aber wenn er sich auf diese Art verhalten wollte, so würde er ihm nachgeben. Für einen kleinen Moment wenigstens, bis er soweit wäre mit ihm zu teilen worin auch immer das Problem liegen mochte. Er nahm das Essen, aber ging nicht, sondern setzte es direkt auf dem Küchentisch ab. Ein mutwilliges Grinsen umspielte seine Lippen als er näher kam, die Augen auf den gebräunten Nacken geheftet. Ein paar Sekunden später und seine Hände ruhten leicht auf den Hüften, die er etwas früher still bewundert hatte. Der mild salzige Beigeschmack, der von der Haut ausströmte, war so betäubend, dass er nicht sofort bemerkte wie sich der Körper unter seiner Berührung versteifte. Seine Lippen befanden sich nahe an seinem Ohr, als er zum ersten Mal seinen Namen wisperte ( Jack...)...da gab es einen starken Ruck, und das zweite Steak, das lose an der Gabel, auf seinem Weg zum Teller balancierte, sprang hoch, schien zu schweben und fiel dann auf den Boden, landete im Staub, der den rauhen Holzfußboden bedeckte, den er immer noch nicht poliert hatte.

Stille trat ein. Tony fühlte sich, als würde er einen Block Marmor halten, also ließ er ihn am Ende los. Er trat zurück und beobachtete die Statue vor ihm, aber Jack bewegte sich nicht. Er starrte lediglich hinunter auf den Boden, betrachtete leer das ruinierte Stück Fleisch.

“Es tut mir leid.”

Er wurde mit einem Schulterzucken belohnt, einem, das zu sagen schien, dass er nicht mehr als genau so etwas erwartet hatte. Er legte die andere Kartoffel auf seinen Teller, ergriff die Butter und ging hinüber zum Esstisch, das Fleisch hatte er anscheinend vergessen.

“Schau, nimm meines!”

“Es spielt keine Rolle. Ich bin nicht so hungrig.”

Erbitterung begann ihn zum ersten Mal zu erfüllen. Das hier hatte er nicht erwartet. Es fiel ihm ein, dass er es vielleicht hätte tun sollen, aber sein Kopf war zu voll gewesen von den Erinnerungen an die langen, heißen Tage, die sie an diesem Platz gearbeitet hatten, am Strand, im Ozean, sich faul darüber unterhaltend ob Jack einen Hund haben sollte, sich gegenseitig betreffend der Frage neckend, wer am folgenden Tag welche Arbeit übernehmen sollte, eine immerwährende Konversation, die ebenso gegenstandslos wie amüsant war, denn am Ende arbeiteten sie doch immer an allem zusammen. Und er erinnerte sich an die Abende voller ruhiger Entspannung, die sich endlos auszudehnen schienen, bis die Hitze, die sie am Tage erstickt hatte, ihnen die Treppe hinauf gefolgt war, und überwältigt wurde von dem Feuer, das sie jedesmal durch ihr bloßes Zusammensein zu erzeugen schienen.

Er nahm ein scharfes Messer und schnitt sein Steak in zwei Teile, ging zum Tisch hinüber und schob die eine Hälfte auf Jacks Teller. Dann setzte er sich und griff nach der Butter, ohne auch nur einmal nach ihm zu sehen und gleichzeitig ohne es zu wagen ein Wort zu sagen.

* * * * *

Jack starrte auf das Steak herab und zum ersten Mal an diesem Tag, spürte er den Drang zu lächeln. Er kämpfte es herunter, und versuchte es auszugleichen, indem das verdammte Fleisch ohne Kommentar zu essen begann. Er konnte Tonys Frustration spüren und wusste nicht, was er tun sollte. Wenn es ihm zu viel wurde, verließ er den Tisch um Salz zu holen, und dann wegen mehr Gemüse. Er war bereits zum dritten Mal aufgestanden, als Tony aufgab und seufzte, seinen Teller wegschob und, verdammt noch mal, einfach fragte.

“Was ist das Problem?”

Er beobachtete Jacks Gesicht, wie es sich zu dem Essen hinunter beugte, das er nicht wirklich aß. Aber sobald er die Frage gehört hatte, schossen seine Augen empor und fixierten die gegenüberliegende Wand, während sein Mund sich leicht verzog. Also gab es ein Problem - eines, das er zumindest sich selbst gegenüber auf irgendeine Art bestimmt, wenn auch vielleicht noch nicht in einen bewussten Gedanken umgewandelt hatte. Er kannte diesen Blick gut, es war derselbe, den er bekam wenn sein beinahe ausschließlich logisch funktionierendes Gehirn aussetzte und von Gefühlen überrannt wurde. Und wenn es jemals einen Mann gegeben hatte, der seine eigenen Gefühle nicht einordnen konnte, so sah er ihm genau in diesem Augenblick ins Gesicht.
Ich könnte jetzt gehen, das weißt du, Jack... . Die Feststellung lag ihm bereits auf der Zungenspitze, aber er konnte sie sich im letzten Moment verbeißen, und war froh das getan zu haben. Denn er hätte das nur gesagt um eine Antwort von ihm zu erhalten, und das wäre grausam - und der verstockte Bastard würde ihm wahrscheinlich erzählen ja, das wäre genau das , was er wollte. Und erbittert und verwirrt, wie er sich gerade fühlte, wollte er auf keinen Fall abreisen - er betete nur, dass Jack irgendwo unter dem vielen Eis das Gleiche fühlte.

Seine Augen fielen auf den Tisch und es überraschte ihn, dass er bis jetzt noch nicht wahrgenommen hatte, wie vertraut ihm dieses Möbelstück war. Sehr vertraut - sie hatten zusammen drei Tage lang daran gearbeitet. Er lächelte, als die Erinnerung ihn einholte. Jack war eines Tages in den Ort gefahren um Lebensmittel zu besorgen und hatte ihn zurück gelassen, da er keine Aufmerksamkeit auf die Tatsache lenken wollte, dass er gelegentlich Besuch von einem anderen Amerikaner bekam. Er war zum ersten Mal hier gewesen, aber sie hatten beide gehofft, dass er noch viel öfter kommen könnte, es war unnötig gewesen, das auszusprechen.

Jack war bereits seit Ewigkeiten fort gewesen, und er hatte angefangen sich Sorgen zu machen, für gewöhnlich war der Mann der schnellste Einkäufer der Welt. Er hatte die befestigte Seite des Hauses abgeschritten, sich zwischen Werkbänken, Farbkübeln und Werkzeugen - von denen die meisten immer noch den Ort in Unordnung brachten, wie er bemerkte - einen Weg gesucht, und versucht nicht daran zu denken was hätte passiert sein können. Er erinnerte sich an die beinahe schmerzhafte Erleichterung, die ihn erfasst hatte, als er den Lärm des Trucks gehört hatte und er war geradeaus zur Tür gegangen, nur um von Jacks Anblick begrüßt zu werden, der ihn wie verrückt halb verborgen vom Steuer angegrinst hatte, während dieser riesige hölzerne Esszimmertisch mit alten Seilenden und ausgefransten Schnüren horizontal auf die Ladefläche gebunden war. Er war nicht in der Lage gewesen sein eigenes Grinsen zu stoppen, und die Art wie er seinen Kopf bei diesem seltsamen Anblick schüttelte, insbesonders als Jack ein wenig zu abrupt auf die Bremsen trat und die ganze Angelegenheit beinahe durch das Fenster hinter ihm gekracht wäre. Der Tisch war danach schräg über eine Seite gerutscht und hatte dem Kotflügel einen hübschen Kratzer verpasst, aber Jack hatte nur gestrahlt und erklärt, dass er ihn vor einem Antiquitätengeschäft entdeckt hatte und er perfekt war.

Tony hatte ihn sich genauer angesehen und das beschädigte Holz bemerkt, die Beulen und Kratzer, sowie die Tatsache, dass zumindest in einem Bein Holzwürmer waren.
Aber er hatte es nicht erwähnt, da er die Begeisterung nicht hatte ruinieren wollen. Jedenfalls hatte Jack in seinem Blick gelesen und gelacht, und ihn dann in eine freundliche Umarmung gezogen und gesagt, es würde ihnen etwas zu tun geben. Und dann hatte es eine halbe Stunde gedauert bis sie ihn lediglich durch die Eingangstür geschafft hatten und weitere drei Tage bis sie das Holz abgeschliffen, behandelt und poliert hatten. Drei volle Tage, und sie waren großartig gewesen, erfüllt von Lachen und Wettstreiten, wem wohl der lahmste Witz einfallen würde, und Auseinandersetzungen um Baseball oder Diskussionen um wichtige Themen wie “Wenn du mit irgendeiner bekannten Persönlichkeit aus Sport, Geschichte oder Film kämpfen, sprechen oder Sex haben könntest, wen würdest du wählen...?” Und es hatte lange Unterbrechungen für Bier und Sandwiches gegeben. Und Zukunftsplanung. Viel Zukunftsplanung von der Art wie man sie machte, wenn man Zeit hatte und es heiß war, und man wusste es würde ein später geben und noch ein später danach, und es würde noch besser werden, wenn man sich jetzt ein wenig zurückhalten und abwarten könnte....

Er brachte sich selbst in die Gegenwart zurück und ließ eine Hand zärtlich über die Oberfläche des Tisches gleiten. Als er diesen Holzklotz zum ersten Mal gesehen hatte, war er alt und besiegt gewesen - aber er würde niemals die Erleichterung vergessen können, die er empfunden hatte, als er Jack damit vorfahren gesehen hatte und er gewusst hatte, dass alles in Ordnung war. Und er hatte es gespürt an der Art und Weise wie er sich danach gefühlt hatte, dass all die nagenden Ängste, die ihn wegen ihrer Beziehung geplagt hatten, von diesem Moment an verschwunden gewesen waren, weil es keine Möglichkeit gegeben hatte die Stärke dieses Gefühls zu leugnen. Es hätte ihn beinahe überfahren. Und auch in den folgenden Tagen war alles perfekt gewesen. Und danach.... er seufzte schwer und fuhr wieder mit den Fingern über den Tisch. Die Oberfläche schimmerte. Zu der Zeit als er aufgebrochen war, hatten sie ihn fertiggestellt, und er war von absoluter Vollkommenheit, ganz anders als sie es an diesem letzten Tag gewesen waren. Er sah sich im Zimmer um, nahm sich zum ersten Mal während dieser Reise die Zeit sich wirklich umzusehen... und er sah, dass das alte Sofa von einer Staubschicht bedeckt war, der Kamin immer noch neue Steine benötigte, keine Teppiche auslagen, jede Wand neue Regale gebrauchen könnte, Tapeten und Anstrich, und das Chaos der herumliegenden Werkzeuge überall verheerend war... aber inmitten all der Unordnung stand dieser Tisch in Vollendung und er war immer noch perfekt. Jack hatte dafür gesorgt.

Und die Frustration zerstreute sich wie Rauch im Wind, und er wusste, dass er bleiben würde, weil er keine andere Option hatte.

* * * * *

Jack ignorierte die Frage, da er nicht wusste, wie er sie beantworten sollte. Mehr noch, er fühlte sich schuldig so kindisch gewesen zu sein. Und zur selben Zeit wusste er, dass Tony der einzige Mensch in der Welt war, bei dem er sich kindisch benehmen durfte, weshalb er sich schlecht vorkam, weil er dieser Laune nachgab. Und dann war er zornig, denn Tonys Anwesenheit hier verursachte in erster Linie diese Gefühle - und zusätzlich noch mehr. Er war müde und absolut ungeübt darin mit diesen Dingen umzugehen.

Diese langen Finger malten langsame Striche über die Oberfläche des Tisches und er beobachtete sie, wünschte sie würden damit aufhören, da sie die Oberfläche verschmieren könnten, aber zur selben Zeit fasziniert von ihnen. Er fragte sich, ob Tony sich an den Spaß erinnerte, den sie beim Renovieren gehabt hatten, aber er war zu schüchtern um danach zu fragen. Das würde vermutlich zu einer Unterhaltung führen und das war nicht Teil des Planes, also versuchte er die Tatsache zu verbergen, dass er ihm zusah. Aber seine Gedanken wanderten weiter, erinnerten an die Zeiten, als diese Fingerspitzen über seine Haut gewandert waren und ihn wieder zum Leben erweckt hatten, jede Nacht von neuem. Und auch an jedem Tag, zu jeder Zeit, jede Minute, sogar wenn sie nicht zusammen waren. Und er erinnerte sich daran, wie es sich angefühlt hatte, als sie nicht mehr da gewesen waren und sein Inneres krampfte sich so stark zusammen, dass er dachte, er müsste sich übergeben. Also sah er endlich weg und wusste, dass er für diese Nacht genug hatte. Vielleicht würde er all dem nach etwas anständigem Schlaf gegenübertreten können, aber in der letzten Zeit war es zu einem deutlichen Mangel daran gekommen, also würde er sich nicht darauf verlassen können.

Er zwang sich die Worte auszusprechen während er an die Wand starrte. “Ich bin zerschlagen. Ich werde duschen und dann schlafen gehen.” Es gab keine Antwort und er stand gerade auf und trug die Teller zur Spüle um sie zu säubern. Ohne sich umzusehen wusste er, dass Tony ihm gefolgt war und das Geschirrtuch aufgenommen hatte, bereit abzutrocken, genau so wie sie es beim letzten Mal gemacht hatten. Es war ein weiterer ihrer kleinen laufenden Scherze gewesen, die nächtliche Auseinandersetzung darüber wer den Abwasch machen und wer abtrocken würde. Sie beide hassten das Abtrocken, und so hatten sie sich natürlich immer abgewechselt - allerdings niemals ohne davor eine spielerische kleine Diskussion zu führen. Und dann natürlich die Bestechungsversuche im Verlauf des Tages... Wenn du aufstehst und den Kaffee machst, verspreche ich heute nacht abzutrocknen... verdammt Tony, wenn du mich zwingst aus dem Bett aufzustehen und den Kaffee zu machen, dann wirst du in dieser Woche jede Nacht abtrocknen... und Hände bewegten sich langsam und er ertappte sich selbst dabei zuzustimmen, dass, ja, wenn Tony nur weitermachen würde, so würde er aufstehen und den Kaffee machen ( jedenfalls nach einer Weile ) und nein, er würde auch sicher nicht jede Nacht das Geschirr abtrocknen müssen....

“Lass es, sie werden von alleine trocknen.”

Plötzlich war da dieser überwältigende Drang zu erklären, dass er nicht versuchte sich gerade wie ein Arschloch zu verhalten... es war nur so, dass er die Dinge nicht auf die selbe Art tun wollte auf die sie es gewohnt gewesen waren, denn dann würden sie auch so enden, wie sie es früher getan hatten. Und das konnte er nicht wieder zulassen. Aber er hörte Tonys enttäuschten kleinen Seufzer und fühlte sich irgendwie wie ein Bastard - und dann auch wieder zornig, denn, verdammt noch mal, er hatte ihn, vor allem anderen, nicht eingeladen. Er war einfach aufgetaucht und konnte nicht erwarten, dass die Dinge automatisch genauso wären wie sie es zuvor gewesen waren. Und er war froh, dass ihn dies zornig machte, denn den nächsten Teil hatte er gefürchtet, er war notwendig, aber gleichzeitig schmerzvoll. Er drehte sich um und lehnte sich gegen den Küchentisch, sah, dass Tony auf seine Hände herabsah mit denen er das Handtuch wieder und wieder umdrehte, in endlos kreisenden Bewegungen den Gegenstand um die Finger wand, die er liebte...

“ Komm mit, ich zeige dir dein Zimmer.” Die Worte auszusprechen schmerzte, aber nicht so stark wie es schmerzte den Kummer in Tonys Augen zu sehen, als er aufsah und ihn anstarrte.
Zu seinem Schrecken, sah er, dass er herüber kam. Er merkte, dass er sich nicht bewegen konnte, als das Handtuch achtlos auf den zerbrochenen Küchentisch geworfen wurde, während sich der Abstand zwischen ihnen verringerte. Er lehnte sich zurück, aber Tony näherte sich nichtsdestotrotz, stützte seine Hände auf den Tisch, eine zu jeder Seite seiner Hüften, so dass er ihm nicht entkommen konnte. Er weigerte sich ihn anzusehen und hasste es, dass sein Herz ihn verriet.

( das tat es immer, damit hörte es nie auf )

es begann in seiner Brust zu springen und ließ ihn seinen Atem anhalten, als jeder Nerv in seinem Körper auf die Hitze des Mannes antwortete, der es nicht erlaubte, dass ihre Körper sich vollständig berührten. Er drehte seinen Kopf vollkommen zur Seite und blinzelte zweimal, wobei er versuchte die Mauern aufrecht zu erhalten, weil sie alles waren, womit er sich schützen konnte. Er schloss heftig seine Augen, als Lippen leicht sein Ohr berührten und das Wispern ihn durchdrang, tödlich, weil es so sanft war.

“Erzähl mir worum es geht, Jack...”

Die Lippen bewegten sich bis zu seinem Hals, nur für eine Sekunde, berührten ihn leicht, und er konnte es nicht ertragen. Er wollte seine Hände bewegen und sie auf die breite Brust vor ihm legen, ihn wegstoßen und ihn anschreien er solle verschwinden... aber er wurde gewaltsam heimgesucht von Bildern, die zeigten wohin dieser Weg führen würde. Er würde es versuchen und ihn schlagen, aber seine Hände würden ein eigenes Leben entwickeln, sie würden die Schultern hinauf wandern und eine würde in dem Haar verschwinden und dann würden sie sich küssen, und er wäre verloren, es wäre zu spät...

“Sag mir, dass du das nicht willst.”

Er behielt seine Augen geschlossen und log verzweifelt, er wusste, dass er darin gut war. Die Worte mussten schnell hervorgebracht werden oder sie würden überhaupt nicht kommen.

“Ich will das nicht.”

Und Tony erstarrte, und er konnte fühlen, dass er ihn verletzt hatte, aber es wollte ihm keine Möglichkeit der Erklärung einfallen. Er hoffte nur, dass er ihm glaubte, denn es wäre schlimmer, wenn er wüsste, dass er log.

Er fühlte sich zurückversetzt in diesen Morgen, an dem er erkannt hatte, dass diese Worte niemals die Wahrheit sein würden. Zurück, als alles noch so beiläufig gewesen war wie es nur hatte sein können. Ein Zusammentreffen vielleicht alle drei Monate, und es hatte nicht viel bedeutet, es war nur eine gemeinsame Hilfe bei den verschiedenen Problemen, die sie beide hatten. Er hatte in seinem Büro in der CTU gesessen und sich gefragt wie lang es wohl her gewesen war, seitdem sie sich das letzte Mal bei ihm getroffen hatten, und müßig überlegt, ob es ihn überhaupt kümmern würde, wenn es jemals wieder geschehen sollte. Es war nie etwas gewesen worauf er sich verlassen hatte, es war selten geplant - manchmal hatte es einen kurzen Blick am Tag zuvor gegeben, der ihn hatte wissen lassen, dass eine Möglichkeit bestünde, wenn er es wollte, aber keine große Sache... und er hatte ihn die untere Etage überqueren sehen, in Richtung der Stufen, die zu seinem Büro führten, mit einer Akte in seiner Hand, mit derjenigen, von der er gewusst hatte, dass sie ihn nach Columbia schicken würde, für eine sehr lange Zeit. Er erinnerte sich daran, dass die Klimaanlage stark aufgedreht war, und ihm in seinen Hemdsärmeln kalt war und dann kam Tony herein, und er hatte nicht direkt ängstlich ausgesehen, aber auch nicht glücklich. Und er hatte gesagt, dass die Mission genehmigt worden war, dass er im März aufbrechen würde, und alles woran er hatte denken können, war, ...das sind noch beinahe vier Monate. Wir können uns vorher noch oft sehen, richtig? Er hatte wohl verdutzt ausgesehen, denn Tony hatte geseufzt und diese Finger, die er gelegentlich auf seinem Körper genossen hatte, reichten nach oben und knöpften sein Hemd am Kragen auf, und er ertappte sich selbst plötzlich dabei wie er ihm zuhörte, während er versuchte nicht auf das Stückchen enthüllte Haut zu starren oder darüber nachzudenken, dass ihm klar war, wonach genau dieses besondere Fleckchen schmeckte. Und er hatte gewusst, dass jedesmal, wenn Tony ihn wollen würde, er da sein würde, und das würde sich niemals ändern.

Sie hatten es nicht geschafft sich noch einmal zu sehen, bevor er zu dieser Mission aufgebrochen war. Der ganze Betrieb war geschäftig mitten in den Vorbereitungen, und dann war auch noch Weihnachten. Er hatte sich freiwillig dafür gemeldet über die Ferien zu arbeiten und hatte seine Zeit damit verbracht alleine in seinem Büro zu sitzen, die Klimaanlage zu hoch aufgedreht um dem Drang nach einem zusätzlichen Fix zu widerstehen, der ihm helfen würde all das hinter sich zu bringen, denn jeder andere war mit seiner Familie hier gewesen oder mit der Familie seiner Angehörigen... (Tony ist gerade hier mit Michelles Eltern, ich wette er betrinkt sich hemmungslos...) und danach hatte er vorgegeben arbeiten zu müssen. Kim war nach Norden gefahren um bei Carol zu bleiben und etwas Ski zu fahren, und zu Hause hatte es nichts für ihn gegeben, mit Ausnahme einer Flasche Scotch und einer glänzenden neuen Nadel, die er gerade gelernt hatte zu benutzen.

* * * * *

Dieses Zimmer war genauso wenig fertiggestellt wie die anderen es waren. Tatsächlich glaubte er, nicht ein vollständig renoviertes Zimmer gesehen zu haben, oder auch nur einen Gegenstand ( ...mit Ausnahme des Tisches... ) seit er hier eingetroffen war. Er hätte gedacht, dass die Renovierungsarbeiten viel weiter fortgeschritten wären, als sie es in Wirklichkeit waren. Im Gegenteil, der Platz sah kein bisschen anders aus, als damals vor fünf Monaten, als er ihn verlassen hatte. Vielleicht hatte Jack ein wenig locker gelassen, sich Zeit genommen - und dennoch...

Er stand auf und wanderte hinüber zum Fenster, richtete seine schwarzen Shorts während er sich bewegte, denn die Hitze ließen sie an seiner Haut kleben. Die Dunkelheit draußen schien vollkommen, was nicht überraschend war, da es hier keine weiteren Häuser gab und nur der Ozean vor ihm lag. Er konnte hören, wie sich die Wellen rhythmisch an den Klippen brachen und hin und wieder stellte er sich vor, er könne Wasser gegen Holz klatschen hören, gegen Jacks Boot, um welches er sich so stark bemühte. Es war vermutlich gut, dass er sich um irgendetwas bemühte.

Er kratzte gedankenlos an seinem Gesicht und versuchte den stumpfen Schmerz zu ignorieren, der in seiner Magengrube nagte, indem er seine Aufmerksamkeit auf das Fenster richtete. Normalerweise machte ihm die Hitze nichts aus, aber heute nacht war sie unerträglich und schien eine schwere Decke über seine ohnehin müden Gedanken zu werfen. Etwas Luft wäre schön und er zog hart am Fenster, versuchte es nur einen Spalt oder mehr zu öffnen. Es war steif und bewegte sich fast nicht, offensichtlich war es zu irgendeinem Zeitpunkt in der Vergangenheit geschlossen bemalt worden. Er hoffte es ein wenig öffnen zu können, es knarrte unter seinen Fingern und er konnte es krachen hören, als die Versiegelung ein Bruchstück auseinander klaffte. Winzige Flocken fielen und hefteten sich an seine klebrige Haut... aber es funktionierte nur so weit und verweigerte dann jede weitere Bewegung. Er stieß einen erbitterten Atemzug aus, er hatte nicht mehr als ein paar Millimeter Fortschritte gemacht und nun war ihm heißer als zuvor. Er beabsichtigte das Licht anzuschalten und nach einem Schraubenzieher zu suchen um es zu lösen, aber er wollte Jack nicht stören. Nicht dass er ihn unbedingt aufwecken wollte, oder auch neugierig darauf wäre wie er reagieren würde, wenn er es täte, aber er wollte es sicher nicht riskieren.

Er berührte das Glas mit den Fingerspitzen und lehnte sich ruhig vorwärts, seine Stirn an der Fensterscheibe ausruhend. Sie war nicht kühl, aber es war eine Veränderung. Seit ein paar Stunden hatte er nun versucht zu schlafen, aber es war ihm nicht gelungen. Er hatte auf dem Feldbett gelegen, dass Jack für ihn vorbereitet hatte, und hatte sich gefragt was er wohl so Schlimmes getan haben konnte. Es war ihm nie in den Sinn gekommen, dass es ihm nicht erlaubt sein würde in das Bett zurückzukehren, in dem sie praktisch tagelang gelebt hatten, eine Zeit lang, und es tat weh von dort zurückgewiesen zu werden. Er hatte aufgehört die vielen Nächte zu zählen in denen er in L.A. und in letzter Zeit in Chicago wach gelegen hatte, und sich gewünscht hatte, er könnte in Jacks Bett sein, anstatt in seinem eigenen - und nun war es genau hier neben ihm, nur eine dünne Mauer zwischen ihnen und es wurde ihm kein Zugang gewährt. Und er wusste nicht warum. Er hatte auf das Geräusch der Dusche gehört, während er versucht hatte zu schlafen, die Müdigkeit hatte in seine Augenlider gebissen, sie kratzig gemacht, aber er hatte sie nicht geschlossen halten können. Sie hatten sich ihm einfach verweigert. So war er gezwungen gewesen zuzuhören, wie Jack sich zu Schlafen fertig machte, hatte versucht die Erinnerungen daran abzublocken als sie dies gemeinsam getan hatten und wie sie darüber gelacht hatten, dass sie sich die Zeit nahmen die Shorts anzuziehen, weil sie sie irgendwie niemals lange anbehalten hatten. Er hatte gehört wie die Decken zurückgezogen worden waren und das leise Quietschen der Bettfedern, als er sich hingelegt hatte und hatte am Ende ein Kissen über seinen Kopf gezogen, um zu versuchen die Geräusche zu ersticken, die daher gerührt hatten wie er sich umgedreht und es sich bequem gemacht hatte, denn das hatte er niemals zuvor tun müssen, sie hatten eine festgelegte Einschlafposition - es war eine verschlungene Anordnung von Armen und Beinen, von Köpfen und Haut, aber es war warm und angenehm, und es stellte sicher, dass sie sich immer berührten, und so funktionierte es. Und er fragte sich ob Jack auch an ihn dachte, während er alleine da drinnen lag, und er hier war und sich fragte was genau eigentlich vorging.

Das Glas beschlug durch seinen warmen Atem, und seine Stirn begann zu jucken von dem Schweiß, der sich ansammelte und seine Haut gegen die glatte Oberfläche gleiten ließ, jedes mal, wenn er atmete. Aber er bewegte sich nicht, denn das Jucken quälte ihn und lenkte seine Gedanken von der endlosen Schleife in seinem Kopf ab, von dem Klang von Jacks Stimme, die ihm sagte, dass er ihn nicht wollte. Dass er nicht wollte, dass er ihn berührte, ihn nicht in seinem Bett wollte. Und es tat weh, mehr noch, weil es so offensichtlich war, dass er log. Sobald er sich ihm genähert hatte, hatte er es gefühlt wie die braune Haut angefangen hatte zu singen, denn seine hatte dasselbe getan, und das geschah nur, wenn sie einen Gegenpart hatte und beide auf der selben Frequenz vibrierten. Und er hatte Salz geschmeckt, noch bevor seine Lippen den dargebotenen Hals berührt hatten und das passierte nur, wenn die Luft, die Jack umgab ihn erhitzte...

Er wusste diese Dinge, weil es genau so immer war. Jack wusste genauso gut, dass er es wusste - und er hatte dennoch gelogen. Tony seufzte und das Glas vernebelte noch etwas stärker. Es gab nichts, das er tun konnte, außer dieses Spiel bis zum Ende auszuspielen und zu hoffen, dass er bis zum Grund vordringen könnte. Und er würde nicht abreisen.
Das Jucken auf seiner Stirn wurde schlimmer, er zog seinen Kopf zurück und hob eine Hand um sich zu kratzen und seine Augenbrauen zu reiben. Als er das tat, streifte die Unterseite seines Vorderarms den Fensterrahmen und eine Schockwelle aus Schmerz durchrüttelte ihn. Er fluchte laut und griff automatisch mit seiner anderen Hand danach. Da war Feuchtigkeit, eine Menge Feuchtigkeit, und er wusste, dass er ziemlich stark blutete.

Er versuchte sich den Schaden anzusehen, aber es war zu dunkel. Das Blut war heiß und klebrig und sickerte bereits durch die Finger seiner rechten Hand, ein Strom davon kämpfte sich langsam den Weg an seinem guten Arm hinunter, als er sich bemühte genügend Druck auszuüben. Er versuchte mit einem Finger den Fensterrahmen zu erreichen, um die Ursache des Problems zu finden und stieß auf einen Nagel, der aus dem zerbrochenen Rahmen herausragte. Er spürte Rost daran und fluchte noch einmal, aber es wurde ihm auch klar, dass er den Lichtschalter finden musste, um ins Badezimmer zu gelangen. Er drehte sich um und hörte leises Plätschern - Blut tropfte von seinem Ellbogen, und fiel unaufhaltsam auf den Holzboden, doch der Laut wurde gedämpft durch die dicke Lage Staub, die alles bedeckte.

Er hatte es bereits halb durch das Zimmer geschafft, als Licht seine unvorbereiteten Augen traf, und er sie aus Protest schließen musste. Das Bild von Jack, der im Türrahmen stand, brannte sich in seine Augenlider, der Blitz beleuchtete ihn, und der flüchtige Gedanke kreuzte seinen Geist, dass er bereits hatte wach gewesen sein müssen, denn so laut konnte er doch nicht geflucht haben, ganz sicher nicht?

“Was ist passiert? Shit, du blutest ja überall.”

“Entschuldige Mann, ich wollte deinen Palast nicht ruinieren.” Er analysierte sogleich den Ton in seiner Stimme. Jack klang nicht sauer, er klang beunruhigt und obwohl seine Augen immer noch gegenüber dem Licht, an das sie sich noch gewöhnen mussten, geschlossen waren, fühlte er ihn sich nähern und war nicht überrascht seine Hände auf ihm zu spüren, warme Hände, die vorsichtig versuchten seine Hand fortzuziehen, so dass er sich die Wunde ansehen konnte.

“Oh verdammt. Was hast du gemacht?”

Er wurde sanft vorwärts geführt, in Richtung Badezimmer geleitet und er ließ es geschehen, denn die Berührung war der Himmel auf Erden.

“Ich habe versucht ein Fenster zu öffnen und dabei einen Nagel erwischt.”

“Ich hätte dich früher warnen sollen. Es tut mir leid. Hier sind viele dieser Nägel, ich wollte es dir morgen sagen... “

Er klang auch bekümmert und Tony versuchte dem Wunsch zu widerstehen die Wunde zu ignorieren und ihn stattdessen festzuhalten und ihm zu sagen, dass es keine Rolle spielte. Aber er wusste, dass das nicht willkommen wäre und so wartete er nur, während Jack ihm ein Handtuch reichte um es auf die Wunde zu pressen, dann den Toilettensitz herunterklappte und ihn beharrlich dagegen schubste bis er sich hingesetzt hatte. “Bleib hier, ich habe ein Erste Hilfe Set, das werde ich holen.” Er sah zu wie er wegging, sich noch einmal über die beinahe unmöglich braune Haut wundernd und über die Art wie sie einen Kontrast zu dem klaren Weiß der Shorts bildete. Dann zog er eine Grimasse als sein Arm richtig zu schmerzen begann, er nahm an, dass Schweiß von seiner Hand in den Schnitt getropft war und Salz brannte immer in einer offenen Wunde.

Jack kehrte mit einem Erste Hilfe Set und einer Schüssel warmen Wassers zurück. Er nahm einen frischen Schwamm aus dem Schrank und kniete vor ihm, sagte ihm er solle den Arm auf seinem Bein ablegen und zog langsam das blutgetränkte Handtuch weg, so dass er die Wunde sehen konnte. Tony starrte darauf hinunter, weigerte sich weg zu sehen. Immerhin war es kaum das erste Mal das er sein eigenes Blut gesehen hatte. Es sah hässlich aus, ein gezackter Riss in der empfindlichen Haut der Unterseite des Vorderarmes, tief rot im Gegensatz zu dem kleinen Stückchen Weiß, dass durch die bereits trocknenden Teile gesehen werden konnten. Jack fluchte mild und begann die Wunde vorsichtig zu säubern, während er versuchte die Tiefe und Schwere abzuschätzen - Tony sah auf ihn hinunter und versuchte nicht offen zu lächeln. Er liebte es, wenn Jack alles fortschob, was auch immer in seinem Kopf sein mochte um sich nur auf eine Sache zu konzentrieren, es war sexy. Und zumindest war er beunruhigt, es hätte mehr weh getan, wenn er sich nicht genug gekümmert hätte um aufzustehen. Tony genoss die Art wie sich seine Hände anfühlten, kostete es aus, da er sie möglicher weise nicht wieder fühlen würde, so wie die Dinge liefen. Sie waren warm und fest, wussten was sie taten (... wussten sie das nicht immer...) und er konnte den stechenden Schmerz, der durch das Wasser verursacht wurde, ignorieren, denn Jacks Haar war zerrauft, wodurch er niedlich aussah, ganz besonders durch die Art wie es sich in seinem Nacken kräuselte.

Ein scharfer Schmerz ließ ihn keuchen und Jack murmelte eine Entschuldigung. “Ich musste nachsehen wie tief es ist. Ist nicht so schlimm, ziemlich oberflächlich - es ist nur lang und an einem Ort wo es stark blutet. Ich glaube nicht, dass es genäht werden muss, aber ich kann ein paar Stiche machen, wenn du möchtest.” Er blickte nach oben und Tony wurde klar, dass er ihn zum ersten Mal seit seiner Ankunft für eine längere Zeit direkt in die Augen sah. Er schien es auch zu bemerken, oder eventuell mochte er nur nicht, was er zu Gesicht bekam, denn er sah sehr schnell weg und untersuchte wieder den Arm.

“Keine Stiche. Es wird schon so gehen. Glaubst du wirklich ich würde dich mit einer Nadel an mich heranlassen?” Er behielt einen leichten Ton bei, aber bemerkte wie sich Jacks Schultern irgendwie versteiften, und ihm wurde bewusst, dass dieser Kommentar wahrscheinlich ziemlich unsensibel war in Hinblick auf die Vergangenheit des Mannes. Aber er entschuldigte sich nicht, denn das würde es nur schlimmer machen und Jack war ohnehin schon einen Schritt weiter.

“Ich werde Schmetterlingsstiche verwenden, sie werden es zusammenhalten, und dann werde ich es für heute nacht verbinden. Es sollte eigentlich keine Narbe geben.”

Er hörte die Worte und konnte seine Augen nicht davon abhalten sofort auf Jacks Oberkörper zu fallen, auf dem der Beweis der überstandenen Folter klar sichtbar war. Sogar noch stärker als gewöhnlich, erkannte er, denn Narbengewebe blieb weiß, egal wie viel Zeit man in der Sonne verbrachte. Er sah ihn sich unbehaglich unter seinem Blick winden und zwang sich selbst dazu wegzusehen. Gott wusste, dass sie keinen weiteren Grund benötigten um die Dinge unangenehm zu machen. Aber als Jack seinen Arm abtrocknete und sich vorwärts lehnte um damit zu beginnen die Haut vorsichtig zusammenzuziehen und die Klammern anzubringen, konnte er dem plötzlichen Impuls nicht widerstehen, der ihn ergriff... er beugte sich vor und berührte versuchsweise das Haar, dass er einen Augenblick zuvor betrachtet hatte. Er ließ seine Finger für eine Sekunde auf der Schulter, als er die weichen Strähnen um seine Hand wickelte, und dabei auf Jacks Reaktion wartete. Und dieses Mal zuckte er nicht zurück, sondern bemerkte nur trocken: “ Du wirst noch Blut in mein Haar bringen.”

Er lächelte und bewegte seine Hand nicht, aber er sah wie die Anspannung Schritt für Schritt zurückkehrte, Sekunde für Sekunde. Es war als würde er einen Film in Zeitlupe ansehen, beobachten, wie er immer langsamer und langsamer wurde, einzelne Bilder einfroren, bis er vollkommen still stand, seine Hände unbeweglich, ihre Arbeit vergessen, und sein Gesicht einen Ausdruck des Schmerzes zeigte mit einem Beigeschmack von Schuld. Aber zumindest war seine Stimme nicht zornig als er flüsterte:
“Tony, hör auf.”

Er ließ seine Hand widerstrebend sinken und sah wie der Film wieder an Tempo gewann, bis er auf einmal Normalgeschwindigkeit erreicht hatte. Die Stille war drückend und schwer und der Schmerz war wieder in seinen Magen zurückgekehrt - zum Teil war es der Schmerz, den er schon vorher gefühlt hatte, zum anderen Teil die Erregung.

“Warum hast du es dann zugelassen? Weil du es mochtest, oder weil du dich schuldig gefühlt hast, da du vergessen hast die Nägel überall zu erwähnen?”

Das blonde Haupt sank und Tony fühlte sich furchtbar. Er erhielt keine Antwort und so saß er ruhig da, seinen freien Arm wie zufällig über seinen Schoß drapiert, denn er wollte nicht zu deutlich zeigen, was er fühlte. Wenn Jack sich wie ein geschlossenes Buch benehmen wollte, gut, aber dieses Spiel konnte auch von zweien gespielt werden.

“Heb den Arm.”

Er hob seinen Arm und der Verband fühlte sich stark und fest an, als er vorsichtig verbunden wurde. Den Instruktionen darüber, dass er ihn trocken halten sollte, und am nächsten Tag abnehmen, da der Schnitt an der Luft besser heilen würde, hörte er nur halb zu - er wusste das alles bereits, aber respektierte, dass Jack es aussprach, denn so verhielt man sich nun mal, wenn man jemand Verletzten behandelte.

Wann bist du zum letzten Mal gegen Tetanus geimpft worden? Der Nagel könnte rostig gewesen sein.”

“Im letzten Jahr, der Hund hatte mich gebissen. Da gibt es kein Problem.”

Jack nickte und begutachtete dann seiner Hände Arbeit. “OK, du bist fertig. Möchtest du ein paar Schmerztabletten?”

“Vielleicht.” Er wollte eigentlich nur nicht wieder zurückkehren zu dem einsamen, vergeblichen Versuch einzuschlafen. “Ein unbedeutendes Problem noch.”

“Worum geht´s?”

“Na schön, ich bin irgendwie mit Blut bedeckt und kann hiermit nicht in die Dusche gehen. Es sei denn, du möchtest, dass ich mich hier mit ausgestrecktem Arm hinstelle, und du wäscht mich von oben bis unten...?” Er grinste mutwillig, hoffte, dass Jack einverstanden wäre, aber wusste, dass er das nicht tun würde. Ein Teil seines ermüdeten Verstandes warnte ihn, dass wenn er ihn weiter drängen würde, Jack ihm geradeaus befehlen würde zu verschwinden - Aber er konnte nicht aufhören es zu versuchen. Es wäre schlimmer, wenn er das täte, wenn er ihn ohne einen Kampf gehen ließe.
Jack stand auf und leerte die Schüssel mit Wasser, das nun rosa wie von Blütenblättern gefärbt, aussah, spülte sie ein paar Mal aus und begann sie erneut zu füllen. Tony beobachtete ihn und war einen Moment lang verwirrt, bis er ihn Duschgel hinzufügen sah. Er vermutete, dass ihm der Schwamm übergeben werden würde mit den Worten er solle sich selbst darum kümmern, aber wurde überrascht ( und beschwerte sich auch nicht ), als Jack sich wieder still vor ihn hin kniete und vorsichtig begann das getrocknete Blut von seiner Haut zu waschen. Er lehnte seinen bandagierten Arm gegen das Waschbecken und fühlte wieder das Blut in seinen Venen pochen, der Schwamm heiß und schlüpfrig an seiner Haut und Jack auf seinen Knien, ihn abreibend, und er erinnerte sich an jede Dusche, die sie gemeinsam genommen hatten, während der sie unter dem Wasserstrahl geblieben waren, noch nachdem sie sich sauber geschrubbt hatten, nur weil sie das Gefühl genossen hatten zusammen zu sein, sich die Zeit zu nehmen sich gegenseitig zu erforschen, weil...

“Hoch heben!”

Jack wollte den Arm säubern, der auf seinen Beinen ruhte und dieses Mal kümmerte es ihn nicht, er hob ihn und ließ ihn die Wirkung sehen, die er auf ihn hatte. Es war nicht so, als ob er nicht gewusst hätte, dass er ihn nach all dem noch wollte... er suchte nach einer Antwort und sah ihn stocken, dann nervös schlucken, während seine Augen nach oben schnellten, dann fuhr er mit seiner Tätigkeit fort... aber das Zimmer war nun belastet, und er wusste, dass Jack es auch fühlen konnte. Seine Nerven zuckten, und er fühlte wie sein gesamter Körper im Einklang mit dem beschleunigten Herzschlag pulsierte, sogar sein verletzter Arm pochte zu dieser Melodie. Er war jetzt ziemlich vollständig gesäubert, mit Ausnahme seines Oberschenkels auf dem der Arm geruht hatte. Jack warf einen Blick darauf und murmelte: “Vielleicht würdest du lieber... “ aber er schüttelte nur den Kopf und er beschwerte sich nicht, begann ihn mit dem Schwamm vorsichtig abzureiben, wobei er versuchte seine Shorts nicht zu durchnässen, und Tony konnte sehen, wie auch sein Herz schneller schlug, es war offensichtlich in dem Pochen in seiner Halsschlagader und in der Art wie sein Atem geringfügig angestrengter klang. Er lehnte sich ein wenig nach vorne um hinunter zu sehen, und Jack bedeckte sich nicht schnell genug, er erhaschte einen Blick, der sicher stellte, dass die Mauern zwischen ihnen zumindest nicht aus Mangel an gegenseitiger Anziehung bestanden. Jack war genauso hart wie er, und er kämpfte damit. Tony suchte nach dem Handgelenk, dass an ihm arbeitete und ergriff es fest. Er musste es versuchen...

Er nickte nach unten und sah ihm dann direkt in die Augen. “Sag mir noch einmal, dass du es nicht willst.”

Jack öffnete seinen Mund, aber kein Wort kam heraus. Er atmete nur, und Tony sah ihn an, sah in ihn hinein, wünschte inständig er würde aufgeben. Er konnte ihm helfen, wenn Jack es zulassen würde - aber seine Augen füllten sich mit Panik und er blinkte rasch, was immer bedeutete, dass er sich aufregte. “Sag mir nur, worin das Problem liegt. Wir können es hinbekommen.”

Jack zog seine Hand weg, ließ den Schwamm fallen und stand auf, all das in einer einzigen, schnellen Bewegung. Er wich rasch zurück, aber Tony stand auch auf und folgte ihm. “Jack...”

“Nein. Lass es. Bitte, lass es einfach.”
Er ging herüber und blieb vor ihm stehen, aber berührte ihn nicht. Er wollte ihm nur nahe sein um zu sehen, ob Jack immer noch verweigern konnte, was er so offensichtlich wollte. Er wollte ihn durch seine Willenskraft zwingen nach ihm zu greifen und ihn zu berühren, er war doch genau hier... aber Jack sah hinunter auf den Boden, dann im Zimmer herum, dann wieder hinunter - überall hin, nur nicht auf den Mann, der nur wenige Zoll von seinem Gesicht entfernt war. Tony seufzte und trat zurück.

“Ich werde jetzt gehen und so tun als könnte ich schlafen, und versuchen mir selbst einzureden, dass es keine Rolle spielt, dass du dich nur eine Tür weiter befindest, und mich nicht hereinlassen wirst. Und dass es mich nicht kümmert wie eh das tut.” Sein Arm pochte, und er war, wenn überhaupt möglich, noch müder. Dies konnten sie morgen wieder aufgreifen und dann würde er darauf bestehen ein paar verdammte Antworten zu erhalten. “Danke, dass du mir geholfen hast.” Er ging aus dem Zimmer, verließ Jack, der auf den Boden starrte und die Finger seiner rechten Hand an seiner Seite angespannt gegeneinander rieb. Er schaltete das Licht in seinem Zimmer aus, krabbelte dann zurück in sein Feldbett, stützte seinen Arm auf ein Kissen und wünschte sich die Schmerzen würden verschwinden. Alle Schmerzen!

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